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Im Niemandsland - Özil sucht seine WM-Rolle

DFB-Spielmacher Mesut Özil (l) trottet nach der Niederlage gegen Mexiko enttäuscht vom Platz. Foto: Christian Charisius (Christian Charisius)

Moskau (dpa) – Es läuft nicht bei Mesut Özil. Nach dem Wirbel um die Erdoğan-Affäre enttäuscht er als Spielmacher einer schwachen deutschen Elf zum WM-Auftakt. Dass diesmal keine Pfiffe von den eigenen Fans gegen ihn zu hören sind, ist kein Trost.

Mesut Özil suchte zum WM-Start vergeblich seine Rolle. Dem Arsenal-Star fehlten beim 0:1 des Weltmeisters gegen aggressive Mexikaner die spielerischen Antworten.

Besonders bitter für den Filigrantechniker: Als er beim Siegtreffer des Kontrahenten plötzlich in ungeliebter Rolle als letzter Verteidiger gefordert war, ließ ihn Torschütze Hirving Lozano locker und leicht ins Leere laufen.

Der Auftritt vor 78.011 Zuschauern im Luschniki-Stadion von Moskau, vor dem Özil wie gewohnt nicht die Nationalhymne mitsang, passte ins Bild der schwierigen vergangenen Wochen. Özil fehlte das Glück in seinen Aktionen.

Wirbel um die Fotos von ihm und Mitspieler Ilkay Gündogan mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, eine fehlende öffentliche Erklärung, Pfiffe beim Test gegen Österreich - und jetzt noch ein enttäuschender WM-Start.

Özil machte gegen die Lateinamerikaner viele Kilometer als zentraler Mittelfeldspieler und versuchte es auf vielen Positionen. Er ließ sich taktisch nach hinten fallen, stieß mehr nach vorne, musste nach der Auswechslung von Sami Khedira als zweiter Sechser ran.

Groß aufspielen konnte er diesmal in keiner Rolle. Zwar bekam er viele Bälle, passte danach aber mehr quer als steil. Das harte Einsteigen der Mexikaner in den Zweikämpfen nahm Löws Lieblingsschüler weiter die Lust. Zwingende Aktionen oder öffnende Pässe gelangen ihm in seinem 91. Länderspiel nicht, sein schwacher Schuss wurde abgeblockt (78.).

Dabei ist es genau das, was sich Nebenleute wie Julian Draxler von «unserem wahrscheinlich kreativsten Spieler» erwarten. Özil hatte es aber auch schwer, die Nebenleute rissen keine entscheidenden Räume. Und dass Özils Stärke nicht in der Abwehrarbeit liegt, ist nicht erst nach dem Treffer der Mexikaner in der 35. Minute bekannt.

Extra-Schichten legte der in der Vorbereitung von Rückenbeschwerden und Knieproblemen gehandicapte Özil in der Woche vor dem Weltmeisterschaftsauftakt ein. Bundestrainer Joachim Löw und die Mitspieler redeten ihren Mittelfeldregisseur bei jeder Gelegenheit stark. Gebracht hat es gegen Mexiko nichts. Da konnte es auch kein Trost sein, dass keine Pfiffe von den deutschen Fans gegen ihn hörbar waren.

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