Vor dem Spiel gegen Frankreich
Joachim Löw: „Müssen nicht alles umkrempeln“

(Foto: Susanne Weber)
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München – Die DFB-Elf will nach dem frühen WM-Aus am Donnerstag zum Nations-League-Auftakt heute wieder ein anderes Gesicht zeigen. Taktische Veränderungen soll es natürlich geben, von einem kompletten Philosophiewechsel hält Bundestrainer Joachim Löw aber nichts … 

„Es wäre Blödsinn, das komplette Spiel umzustellen“, so Löw auf der Pressekonferenz vor dem Auftaktspiel in der Nations League gegen Weltmeister Frankreich. In den letzten Jahren sei viel Wert auf spielerische Dominanz und Ballbesitzt gelegt worden. „Das werden wir natürlich nicht grundsätzlich über Bord werfen“, so Löw „Wir werden unsere Spielweise aber besser an andere Mannschaften anpassen müssen.“ 

Balance zwischen Offensive und Defensive soll besser werden  

Wichtig sei vor allem, wieder eine bessere Balance zwischen Offensive und Defensive zu finden. „Wir müssen besser verteidigen und den Gegner weniger zu Kontern einladen. Die Außenverteidiger werden weiterhin mit nach vorn gehen, aber vielleicht nicht mehr ganz so weit oder auch mal nur einer. Wir wollen die Offensivkraft nicht verlieren, aber wir müssen uns defensiv stabilisieren.“ Das gelte natürlich insbesondere für starke Gegner wie Frankreich. 

Auch personell gibt es nur wenige Veränderungen und der Grund dafür liegt für Löw ganz klar auf der Hand: „Jede Mannschaft braucht eine gute Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern. Wenn jemand denkt, dass der Weg nur mit jungen, talentierten Spielern nach oben geht, täuscht er sich,“ sagt Löw. „Die Spieler haben eine hohe Qualität." Aber viele von den Jüngeren bräuchten jetzt einfach noch Zeit, sich zu entwickeln. 

Ganz neu im DFB-Kader stehen übrigens Nico Schulz, Kai Havertz und Thilo Kehrer. Für alle drei findet Löw nur positive Worte: „Die drei haben sich relativ schnell eingefunden.“ Geplant sei auf jeden Fall, dass sie Einsatzzeiten bekommen. 

Zurückgetretene Spieler wie Mesut Özil oder Sandro Wagner seien dagegen kein Thema mehr. „Wenn ein Spieler seinen Rücktritt erklärt, dann rollt man nicht acht oder zehn Wochen später einfach so wieder zurück.“ Mit Özil habe er seitdem auch noch nicht gesprochen, mit Wagner habe es dagegen ein klärendes Telefongespräch gegeben.   

Frankreich geht natürlich als Favorit ins Spiel – Aufbruchstimmung bei Löw und seinem Team 

Egal, wer aber nun heute spielen wird: Es soll schon gegen Frankreich einiges besser laufen als zuletzt in Russland. Als Favorit sieht Löw seine Mannschaft aber natürlich nicht: „Frankreich ist der Weltmeister, wir in der Vorrunde ausgeschieden.“ Da sei doch klar, wie die Rollen verteilt seien. „Frankreich hat eine wahnsinnig gute Balance zwischen Offensive und Defensive und sie sind stark im Umschaltspiel,“ so Löw – also genau das, was Deutschland gerne wieder von sich selbst behaupten möchte. Und nicht zu vergessen, sei die individuelle Qualität vieler Spieler enorm. 

Der Bundestrainer sieht seine Mannschaft also nicht als Favoriten, dennoch möchte er mit seinem Team schon gegen Frankreich Wiedergutmachung betreiben: „Wir werden natürlich alles versuchen, Frankreich unter Kontrolle zu halten.“ Man wolle unabhängig vom Ergebnis ein ganz anderes Gesicht zeigen und ganz anders auftreten. 

Jeder habe seit dem WM-Aus auch genügend Zeit gehabt, sich zu hinterfragen. „Jetzt aber haben wir uns wahnsinnig gefreut, uns wiederzusehen. Und es gibt eine große Ungeduld, die Dinge jetzt wieder besser zu machen. Es herrscht so etwas wie eine Aufbruchstimmung“, sagt Löw, dem aber natürlich auch klar ist, dass nicht ein oder zwei gute Spiele reichen, um alles wieder in Ordnung zu bringen. „So naiv sind wir nicht“, so Löw. 

 


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