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Hermann Silvers über Abstieg
SpVgg Erkenschwick plant für die Westfalenliga – und hat erste Zusagen

Hermann Silvers. (Foto: Schulte)
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Erkenschwick – Der Absturz der SpVgg Erkenschwick binnen zwölf Monaten war heftig: Vom zweiten Tabellenplatz in der Oberliga Westfalen, der eigentlich zum Aufstieg in die Regionalliga berechtigt hätte, fiel die Elf vom Stimberg bis auf den letzten Rang zurück – seit dem vergangenen Wochenende ist der Abstieg in die Westfalenliga perfekt. Wie es nun weitergeht, verrät der erste Vorsitzende Hermann Silvers.

Zur Erinnerung: Im Mai 2016 hätten sich die Erkenschwicker eigentlich zum Regionalligisten küren dürfen – hätten sie auf den Aufstieg nicht selbst frühzeitig verzichtet. Dies geschah aus finanziellen, aber auch sportlichen Gründen. „Wir standen zwölf Punkte hinter den Aufstiegsrängen, kein Mensch glaubte an so eine Serie“, erinnert sich der 74-jährige Silvers an das Vorjahr.

Ähnlich wie der FSV Zwickau in der 3. Liga spielte sich die SpVgg damals in einen Rausch – und ärgerte sich insgeheim sicherlich, auch wenn die Regionalliga West kaum zu stemmen gewesen wäre. „Wenn wir dieses Jahr in die Liga blicken und etwa die Sportfreunde Siegen beobachten, wissen wir: Unser Verein hätte sich finanziell auf einem noch geringeren Niveau bewegt. Damit holst du in dieser Spielklasse nichts“, erklärt Silvers und verdeutlicht: „Da hantieren mehrere Vereine mit Millionen-Etats – wo sollen wir uns dort mit unseren 100.000 Euro einordnen? Wir können kein Profiverein sein.“

Silvers: „Ich mache der jungen Mannschaft überhaupt keinen Vorwurf“

Doch auch in der Oberliga Westfalen ist die strikte Devise, keine großen Gehälter zu zahlen, in dieser Spielzeit an den Ergebnissen deutlich zu spüren. Im Sommer gingen zahlreiche Leistungsträger. „Die Mannschaft, die Zweiter wurde, wollten aus der Situation Kapital schlagen. Die Spieler haben gepokert, wollten 400 Prozent mehr verdienen. Wir konnten das nicht bezahlen – schlussendlich sind dann allein sieben Akteure zum TuS Haltern gegangen, inklusive Trainer“, klagt Silvers und stellt klar: „Das ist deren Sache. Wenn die das Geld bezahlen, sollen sie das tun.“

Rückblick auf den Saisonstart: Testspiel gegen den BVB...

Die Folge: Die SpVgg Erkenschwick setzte auf junge und hungrige Nachwuchsspieler, der Altersdurchschnitt sank auf rund 20 Jahre. „Ich mache niemandem von ihnen einen Vorwurf. Wir hätten auch freiwillig zurückziehen können, so aber sammeln die jungen Spieler Erfahrung“, weiß Silvers und erläutert: „Noch haben sich unsere Talente einiges mit eigenen Fehlern zerstört, aber diese Fehler werden nur durch Spielpraxis abgestellt. Schon im nächsten Jahr kann das viel souveräner aussehen – und dann gewinnen wir auch wieder mehr Spiele.“

Allali bleibt als „echter Schwarz-Roter“ an Bord

Bereits neun Spieler haben mündlich zugesagt, in der Westfalenliga am Ball zu bleiben – zudem bleibt das Erkenschwicker Urgestein Zouhair Allali als Trainer an Bord. „Bei ihm ist egal, ob wir absteigen oder nicht, er bleibt. Allali ist kein Jobber, der von Verein zu Verein zieht. Er ist ein echter Schwarz-Roter aus unserer Jugend, der hat Herzblut für den Verein. Solche Leute brauchen wir - nicht die, die nur Profit aus dem Fußball schlagen wollen“, lobt der Vorsitzende seinen Übungsleiter.

Die Planungen für die Westfalenliga laufen auf Hochtouren, auch weil der Abstieg aus der Oberliga de facto besiegelt ist. Zwar könnte der FC Gütersloh durch einen möglichen Rückzug einen Absteiger in der Oberliga „erhalten“. Zeitgleich aber werden aller Voraussicht nach mindestens drei Regionalliga-Absteiger in die Oberliga Westfalen eingruppiert.

Ziel Erster – „auch wenn wir das nicht sofort schaffen werden“

„Wir sind schon weg“, will Silvers nicht über die Situation hinwegtäuschen. Gleichwohl werden die letzten Partien nicht abgeschenkt – es geht schließlich noch gegen Roland Beckum, Stadtlohn und Paderborn II im Tabellenkeller sowie Hamm und Erndtebrück an der Spitze. Erkenschwick kann in mehreren Fällen das Zünglein an der Waage spielen.

Und wie geht es in der sechsthöchsten Spielklasse weiter? „Ziel sollte es immer sein, dass der Trainer den ersten Platz ausgibt“, so Silvers, der dann aber revidiert: „Ich weiß, dass wir dies mit den jungen Leuten nicht sofort erreichen werden – aber die Zielsetzung sollte dennoch so lauten.“ Zur Auffüllung des Kaders sollen neben den bisherigen Zusagen erneut mindestens eine Handvoll A-Junioren eingebunden werden.

Was bleibt der SpVgg auch anderes übrig? „Wir haben das Stadion und die Jugendabteilung für höhere Ligen. Aber uns fehlt Geld, uns fehlen die Sponsoren“, beschreibt Silvers das Dilemma. Er selbst will unter anderem bald beantragen, in die Westfalenliga 2 eingruppiert zu werden – durch kürzere Anreisen kann die SpVgg Erkenschwick einige hundert Euro pro Auswärtsfahrt einsparen.

 


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