Berichte aus der Regionalliga West

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Serie: Juwelen der Regionalliga
Ich kann ruhig alleine wohnen...

 

Das U23-Team von Leverkusen wurde ja, wie erwähnt aufgelöst. Wie stehst Du dazu als jemand, der vorher die anderen Teams durchlaufen hat?

Ich fand meine Zeit dort ganz gut. Vom Jugendfußball bin ich da das erste Mal richtig weggekommen. Ich habe da schon einige Erfahrungen machen können. Mir hat der Sprung aus der Jugend in eine Amateur-Mannschaft gutgetan, ich kann allerdings nicht einschätzen, wie es ist, direkt von der Jugend in eine Herrenmannschaft zu springen. Ich hab in der U23 jedes Spiel gemacht und bin reicher an Erfahrungen geworden. Allerdings haben wir auch gegen den Abstieg gespielt, das ist sicherlich noch etwas schwieriger, als bei Dortmund II oder Gladbach II, die oben dabei sind. 

Du hast mit Niklas Lomb und Erik Zenga zusammengespielt, die später beim SC Preußen durchstarteten. Wie sind Deine Erinnerungen an die beiden?

Es sind beide super Typen. Zenga kann einen richtig guten Ball spielen und ist schnell auf den Beinen, auch wenn man das nicht immer sofort sieht. Im Zweikampf ist er gut und er kann auch ein Spiel an sich reißen. Niklas Lomb war in der Jugend noch gefühlt dritter Mann. Am Anfang dachte man noch, er könnte gefühlt keinen Ball geradeaus schlagen, dabei war er auf der Linie hingegen schon immer top, hat super Reflexe. Mittlerweile hat er sich fußballerisch enorm weiterentwickelt, ich hab einige Spiele mit ihm gesehen. Er hat zu Recht seinen Weg gemacht, ist ein richtig guter Torwart.

Kann Lomb es in der Bundesliga packen?

Er hat ja vorher in Halle schon in der 3. Liga gespielt, jetzt bei Preußen. Im Moment sehe ich ihn noch in der Sparte 2. Liga. Er wird seinen Weg schon machen. Da wünsche ich ihm viel Glück.

Lotte ist ja der Verein am Autobahnkreuz, der immer ein wenig zwischen Osnabrück und Münster zerrieben wird. Spürt man das als Spieler auch?

Schwierig zu sagen. Also es wäre natürlich schön, wenn man zum Beispiel eine Fankultur hinbekommt, wie in Aachen oder in Essen ist. Klar ist aber auch, dass die natürlich eine ganz andere Vergangenheit haben. Aktuell arbeiten wir, dass wir eine gute Zukunft haben und hoffen, dass wir mit unserem attraktiven, guten Fußball, den wir spielen, die Leute begeistern. Vielleicht schaffen wir es ja damit, dass die Leute, wenn sie überlegen, wohin sie fahren, zum Fußballgucken, auch mal den Weg nach Lotte nehmen.

Welchen Anteil hat Ismail Atalan, Euer Coach, an Eurem Erfolg?

Wir spielen besseren Fußball als im letzten Meisterjahr. Damals haben wir viel diagonal gespielt, sind über lange Bälle gekommen. Weil wir fußballerisch eine gute Mannschaft sind, bauen wir jetzt viel lieber gepflegter auf, haben Ballkontrolle. Wir pressen aber weiter früh, verteidigen hoch und setzten den Gegner unter Druck und zwingen sie zu Fehlern. Das hatten wir im vorigen Meisterjahr auch. Das klappt in dieser Liga sehr gut. Klar ist das manchmal auch gefährlich, wenn man mit der Abwehrkette nur einige Meter hinter der Mittellinie steht. Aber das klappt. Und daher passt das System, das Atalan uns nahelegt, sehr gut.

Wo bist Du eigentlich geboren und aufgewachsen?

Geboren bin ich in Georgsmarienhütte und ich lebe in Bad Iburg. Hier bin ich großgeworden und zur Schule gegangen, dann nach Leverkusen, und mittlerweile lebe ich wieder hier.

Dein Vertrag läuft aus, Du hast vier Jahre in Lotte gespielt, bist Leistungsträger, Leader, Kapitän. Welche Chancen gibt es für Lotte? Hängt viel, was Deine Zukunft angeht, von einem möglichen Aufstieg ab?

Das ist im Moment noch schwer zu beantworten. Lotte fängt die Gespräche immer relativ spät an, was ich nicht schlimm finde. Beide wissen, was wir aneinander haben. Ich hab mich hier gut entwickelt, bin Kapitän, mir macht die Aufgabe Spaß. Als Fußballer will man aber natürlich auch gern neue und andere Erfahrungen sammeln. Und wenn man auf gutem und hohen Niveau gespielt hat, will man natürlich perspektivisch auch eine Liga höher rutschen. Mein erstes Ziel ist erstmal schon, mit Lotte den Aufstieg zu schaffen.

Ist es Dir wichtig bei einem Wechsel in der Region zu bleiben?

Ich glaube, das kann man sich beim Fußball gar nicht so richtig aussuchen. Wenn der Verein passt und die ganzen Bedingungen, dann ist das eigentlich egal. Ich bin in einem Alter, wo ich sagen kann, dass ich ruhig alleine wohnen kann *schmunzelt*. Und ob ich dann eine Stunde oder ein paar mehr zur Familie fahre, ist dann nicht so schlimm. Das Gesamtpaket muss einfach stimmen.

Bist Du eigentlich auch Fan von einem Fußball-Verein?

Nein. Ich gucke gern mal Fußball im Fernsehen, auch gern in der Gruppe mit den Jungs. Aber Fan bin ich nicht von einem Verein.

Wer ist Dein Vorbild? Hast du überhaupt ein Vorbild?

Nein. Es gibt keinen Spieler, dem ich irgendwie nachstrebe oder so.

Wo siehst Du Dich in drei bis vier Jahren?

Ich hätte gern Erfahrungen in höheren Ligen gesammelt und gern einen Aufstieg erlebt. Ich habe aber so langfristig noch nicht gedacht. Nur, dass ich gern bald etwas höher spielen würde, wenn das möglich ist. Aber der Fokus liegt ganz klar erstmal auf dem Erreichen des Aufstiegs mit Lotte.

Vielen Dank für das Interview!

 


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