Berichte aus der Regionalliga West

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Serie: Juwelen der Regionalliga
Ich bin den Sportfreunden sehr dankbar

 

Weiter ging es also nach Lotte. Und da lief es insgesamt besser. War der Schritt eine Liga runter der richtige, um wieder in Tritt zu kommen?

Absolut. Es hat geklappt, dass ich wieder auf meine Spielzeiten kam. Und ich bin den Sportfreunden auch sehr dankbar, dass sie mir mit der Krankheits-Vorgeschichte diese Chance gegeben haben. Es ist ja nicht selbstverständlich, dass sie einen Spieler nehmen, der vorher sieben Monate ausgefallen ist. Zum Glück ist ja jetzt alles gut und ich habe kein Problem mehr damit.

In dieser Saison läuft es blendend für Euch - ihr seid Meister. Woran machst Du es fest, dass Ihr insgesamt nur drei Spiele verloren habt und zudem seit zwölf Spielen gar nicht mehr?

Nach den Niederlagen gegen Dortmund II in der Liga und gegen Lippstadt im Pokal haben wir zusammengesessen und gesagt, dass diese Niederlagen wehtun. Wir haben uns also zusammengerafft und wirklich von Spiel zu Spiel geguckt und sind die Partien dann so angegangen, als wäre jedes Spiel das letzte Spiel. Und da spielt auch der Trainer mit rein…

Welche Rolle spielt Euer Coach, Ismail Atalan, da?

Das Rezept ist, dass der Trainer uns das Gefühl gibt, dass wir eine Mannschaft sind. Dass jeder jeden ersetzen kann, was auch so ist. Wir sind einfach auf und neben dem Platz eine Einheit. Das ist das kleine Erfolgsrezept.

Wir sind 21 Mann, das heißt, dass drei Mann nicht im Kader sind. Und der Trainer gibt auch den Jungs, die im Training richtig Gas geben und dann leider nicht dabei sind, das Gefühl, dass sie dazu gehören. Er guckt in jedem Spiel neu, welcher Spieler zu welchem Gegner passt. Das klappt super. Wenn einer ausfällt, kommt einer rein, der funktioniert sofort, weil er das Vertrauen vom Trainer hat.

Ein Trainer in Lotte hat mal gesagt, dass Du gern als Linksverteidiger spielst, weil Du das Spiel so schön antreiben kannst. Aber welches ist eigentlich Deine Lieblingsposition? Links in der Abwehr oder in der Innenverteidigung oder sogar weiter vorn?

Meine Lieblingsposition ist da, wo der Trainer mich aufstellt *grinst* - Nein, jetzt mal ohne Phrasenschwein: Ich bin gelernter Innenverteidiger und musste jetzt notgedrungen auf die linke Seite ausweichen, was im Nachhinein super geklappt hat. Daher sehe ich mich eher in der Abwehr auf der Innenverteidigerposition oder links als im Mittelfeld. Weiter vorne sehe ich mich jetzt nicht, das war nur ein Spiel, wo das vorkam.

Im Westfalenpokal hast Du zuletzt zwei Mal gegen die Preußen aus Münster gespielt und beide Spiele gewonnen. Einmal seid Ihr ins Finale eingezogen und damit auch am Ende in den DFB-Pokal. Erinnerst Du Dich an die Partien gegen die Adlerträger? Warum haben es die Preußen so schwer gegen Euch?

Letzte Saison haben wir in Münster hochverdient 1:0 gewonnen. Ich weiß nicht, woran es gelegen hat. Vielleicht hat man uns unterschätzt oder wir waren zu heiß und wollten den Sieg einfach mehr.

Wie war das Erlebnis „DFB-Pokal“ für Dich?

Für mich war es das erste Spiel im DFB-Pokal. Dann auch noch gegen Leverkusen. Was gibt es Besseres? Außer vielleicht Bayern und Dortmund. Wir haben auch da schon gezeigt, wozu wir fähig sind. Wir haben es Leverkusen sehr schwer gemacht. Und wir haben es richtig gut verkauft.

Wer war Dein härtester Gegner? Wie ist der Sprung im Vergleich zum Fußball in der Regionalliga?

Da waren so einige dabei. Kießlings Kopfballspiel oder Bellarabis Tempo sind schon brutal. Die haben uns an die Grenzen gebracht mit ihren Nationalspielern. Wie die den Ball laufen lassen können, das ist schon herausragend.

Du bist Linksfuß und spielst auch mal als Linksaußen aktiv. Max Merkel hat ja dieses berühmte Zitat gebracht, dass Torhüter und Linksaußen eine Macke haben. Welches ist Deine?

Privat oder auf dem Spielfeld? *lacht* Privat lache ich gern, bin ein lustiger Typ und für jeden Spaß zu haben. Auf dem Spielfeld hingegen bin ich der aggressive Spieler. Dann sind die Späße vorbei. Ich will jedes Spiel gewinnen, auch im Training. Das habe ich auch vom Trainer gelernt. Selbst im Training möchte ich immer gewinnen.

Eine ganze Zeit lang warst Du als „Hazaimeh“ auf den Spielberichtsbögen geführt. Nach Deiner Hochzeit dann als Al-Hazaimeh. Da gibt’s ja eine nette Geschichte dahinter. Schilder doch mal, wie es dazu kam…

Meine Mutter war mit einem Jordaner verheiratet, der heißt Al-Hazaimeh. Die Behörden haben aber in unseren Ausweisen einfach das „Al“ weggelassen. Aber in der Geburtsurkunde stand „Al-Hazaimeh“. Als ich dann 2013 geheiratet habe, musste ich ja auch die Geburtsurkunde vorlegen und da war dann endlich die Chance da, das direkt mal richtigzustellen, auch in meinem Personalausweis. 

Fährst Du eigentlich immer noch von Düsseldorf nach Lotte zu Spielen und zum Training?

Nein. Das habe ich aufgrund meines späten Wechsels nach Lotte gemacht. Seit Sommer bin ich aber mit meiner Frau nach Lotte gezogen. Die Fahrten gibt es nicht mehr. Früher bin ich wirklich immer die rund 200 Kilometer hin und wieder zurück gefahren. Da musste ich echt früh morgens aufzustehen, weil man ja immer einen Puffer für den Autobahnverkehr mit einrechnen muss.

Dein Vertrag läuft aus. Wie sieht die Perspektive in Lotte aus? Wieviel hängt vom Aufstieg ab?

Vom Aufstieg hängt gar nichts ab. Ich fühle mich in Lotte sehr wohl. Wir haben aber jetzt erstmal ein Ziel, auf das wir uns konzentrieren. Alles andere wird im Laufe der Zeit kommen, alles von alleine.

Falls es zu einem Wechsel kommen sollte, ist es Dir dann wichtig, dass der Verein nicht allzu weit von der Heimat ist?

Das spielt in meiner Planung eigentlich gar keine Rolle. Nee. Ich bin zu allem offen. Wir werden sehen was kommt, ob es bei den Sportsfreunden ist oder bei einem anderen Verein. Das weiß man jetzt noch nicht. Der Fokus lag zuletzt drauf, Meister zu werden und jetzt die Relegationsspiele zu spielen. Wenn man so dicht dran ist, will man jetzt alles darauf setzen und alles andere zur Seite schieben. Ich persönlich konzentriere mich erstmal auf die Aufgaben mit Lotte.

Jetzt hieß es zuletzt, die Preußen hätten Dich beobachtet und Du ständest auf deren Liste. „Der Flotte aus Lotte“ titelte die BILD. Was sagst Du dazu?

*lacht* - Diese Überschrift habe ich noch nicht gelesen. Nur etwas, das bei Facebook stand. Wenn die das so schreiben muss da ja was dran sein *grinst*. Spaß beiseite. Wahrscheinlich spielen sie auf mein Tempo auf dem Platz an.

Ehrt Dich das Interesse der Preußen?

Das ist immer eine Ehre, wenn ein Verein aus der höherklassigen Liga einen beobachtet. Das ist immer etwas Schönes. Das sollte mir jetzt auch Aufwind geben für die nächsten Spiele bei den Sportfreunden.

Das heißt, dass Du Dir Angebote komplett beiseite legst, die jetzt so kommen und Dir später Gedanken machst?

Bisher habe ich noch nichts Konkretes mitbekommen. Keine Ahnung, woher die Gerüchteküche genau kommt. Und was soll ich mir über einen neuen Verein Gedanken machen, solange ich mit Lotte noch alles erreichen kann.

Ich habe noch keinen Vertrag auf dem Tisch liegen, also brauche ich mir auch keine Gedanken darüber zu machen, dass irgendjemand an mir dran ist.

Hast Du den Artikel mit dem Gerücht eigentlich selbst gefunden?

Nein. Ein Kumpel aus Chemnitz hat irgendwas gelikt und da habe ich es halt gelesen, auf einer Seite zur 3. Liga. Und war auch sehr verwundert.

Du hast ja auch mal ein Probetraining in Osnabrück absolviert. Wie wird man dort als Testspieler behandelt?

Ja, das war nach Chemnitz, also noch vor Lotte. Maik Walpurgis kannte mich noch aus meiner Düsseldorfer Zeit und lud mich zum Training ein. Da habe ich natürlich nicht nein gesagt.

Ich wurde super aufgenommen, kannte auch einige noch, weil ja einige von Lotte nach Osnabrück gewechselt waren. Vier Tage habe ich dann dort mittrainiert und wir hatten sogar ein Testspiel gegen Lotte. Gereicht hat es am Ende leider nicht, weil sie sich für jemanden aus Italien entschieden haben.

Bist Du auch Fan von einem Verein? Fortuna Düsseldorf läge ja nahe…

Ja, ich komme aus Düsseldorf und bin dort groß geworden, meine Familie lebt komplett dort. Ich war ja auch 12 Jahre in dem Verein. Da beobachte ich schon, was die so machen. Meine heimliche Liebe ist schon irgendwie die Fortuna.

Wer ist Dein Vorbild?

Oh ja, das ist David Alaba. Der ist flexibel, kann auf jeder Position spielen, hat einen super Schuss und eine tolle Athletik und bringt alles mit, was ein klasse Spieler mitbringen sollte.

Wo siehst Du Dich in drei bis vier Jahren?

Ich hoffe vor allem, dass ich da noch gesund bin und Fußball spielen darf. Natürlich möchte ich gern in den nächsten ein bis zwei Jahren den Schritt machen und eine Liga höher kommen.

Vielen Dank für das Interview

 


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