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Sparkurs wird Pflicht
Projekt "WSV 2020" gescheitert: Wuppertaler SV zieht die Reißleine

(Foto: dpa)

Wuppertal – Der Wuppertaler SV wollte eigentlich bis zum Jahr 2020 in die 3. Liga aufsteigen. Aber dieses Ziel stellt der WSV vorerst ganz weit zurück - und kündigt stattdessen "umfassende Sparmaßnahmen" an. Am Montag will der Klub zunächst seine Spieler und Mitarbeiter informieren. 

Der Wuppertaler SV hat sich am Sonntagabend öffentlich geäußert und eine "Neudefinierung" seiner Ziele angekündigt. Eigentlich sollte der Klub mit dem 2017 ausgegebenen Motto "WSV 2020" bis zum Jahr 2020 in die 3. Liga aufsteigen. Dieses Projekt wird der Klub nun offenbar finanziell schwer angeschlagen auf Eis legen. 

Mit der Stellungnahme reagierte der Klub wohl auf einen Bericht des "Reviersport", der am Sonntag geschrieben hatte, dass die meisten Spieler noch im Winter den Verein verlassen dürften. 

Der Wuppertaler SV selbst hatte am Sonntagabend geschrieben, das Konzept "WSV 2020" sei inhaltlich "ausgesprochen erfolgreich", finanziell und zeitlich aber "zu ambitioniert". Fraglich ist allerdings, was "inhaltlich erfolgreich" bedeuten könnte, wenn der Klub sich beim Erreichen seiner Ziele offensichtlich völlig übernommen hat und in der Regionalliga West erhebliche 15 Punkte hinter dem Tabellenführer im Mittelfeld herumdümpelt. 

"Umfassende Sparmaßnahmen"

Jetzt müsse man das "Konzept anpassen und umfassende Sparmaßnahmen" umsetzen, um die "laufende Saison und die weitere Zukunft des Vereins zu sichern", schreibt der Klub. Das ist nicht nur das Ende der Pläne, sondern darf als S.O.S.-Signal gewertet werden. 

Im Januar 2017 hatte der WSV seine Idee vorgestellt. Man wolle Abläufe professionalisieren, den Nachwuchsbereich verstärkt in die Kaderplanung einbeziehen und schrittweise den Etat der ersten Mannschaft erhöhen - jährlich um etwa 200.000 bis 250.000 Euro. So war damals der Plan, während der WSV sportlich um den Klassenerhalt kämpfte (am Ende Platz 11). 

In der Folgesaison 2017/2018 sprang immerhin Platz 3 in der Regionalliga heraus, allerdings auch mit gewaltigem Abstand zu den beiden Spitzenplätzen. Der Aufstieg war zu keinem Zeitpunkt realistisch. Und in der aktuellen Spielzeit zeichnet sich (siehe oben) auch eher ein Platz im Tabellen-Nirgendwo ab.

Schon nach wenigen Monaten im Minus

Nicht einmal elf Monate nach der Vorstellung der Pläne musste der Klub seinen Mitgliedern schon ein Minus von 135.000 Euro verkünden. Im gleichen Atemzug hatte der WSV auch "dringend" um finanzielle Unterstützung gebeten. "Sonst können wir unsere Ziele nicht erreichen", hieß es schon im Dezember 2017. 

Sportlich wie auch finanziell lief der WSV in dieser Saison seinen eigenen Zielen ziemlich hinterher. Das letzte Spiel des Jahres 2018 gegen Verl sahen nur 1.280 Zuschauer im Stadion am Zoo. Weit unterhalb der eigenen Erwartungen und Ansprüche. Und dass die Partie auch noch mit 1:2 verloren ging, machte die Lage nicht besser. 

Nun sollen alle Spieler, die einen Vertrag über Juni 2019 hinaus besitzen, den Klub schon im Winter ablösefrei verlassen. So schreibt es der "Reviersport". Dazu gehören viele Leistungsträger wie Kapitän Gaetano Manno, das Wuppertaler Urgestein. Aber auch Kevin Hagemann, Jonas Erwig-Drüppel oder Silvio Pagano und Dennis Malura. 

Irgendwie sinnbildlich für die verkorkste Lage steht im Rückblick auch die kurzfristige Suspendierung des Kapitäns. Manno durfte Mitte November die Partie beim 1. FC Köln II nicht bestreiten - aus disziplinarischen Gründen. Es läuft nicht viel zusammen in Wuppertal.  

Wiederholung von 2013?

Im Frühjahr 2010 war der Wuppertaler SV aus der 3. Liga abgestiegen - als Tabellenletzter. Seitdem scheiterten alle Versuche, den WSV wieder zurück in den Profifußball zu führen. Eine Krise wie die aktuelle ist den Wuppertalern ja auch nicht neu. Schon im Winter 2012 musste der Klub seinen Spielern in der Winterpause einen Vereinswechsel vorschlagen. Damals stand auch ein Rückzug aus der Regionalliga im Raum - stattdessen nahmen in der Folge gleich mehrere Vereinsfunktionäre, darunter Präsident Friedhelm Runge, ihren Hut. Mit der "Initiative WSV 2.0" spielte der Klub dann ab 2013 ein "Neuanfangs-Szenario" durch, das zunächst mit einer Insolvenz und dem Abstieg in die Fünftklassigkeit begann. Erst 2016 kehrte Wuppertal in die Regionalliga zurück. 

 

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