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Spendenaktion läuft
Das Ende naht: Wattenscheid 09 hofft noch auf die Rettung

(Foto: Schulte)
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Wattenscheid – Ist der SG Wattenscheid 09 noch zu helfen? Bis zum 14. Januar benötigt der Regionalligist eine sechsstellige Summe – sonst droht die Insolvenz, vielleicht sogar das endgültige Aus. Fans haben schon fleißig gesammelt. Doch das Geld reicht nicht. Der Klub hofft noch auf eine Großspende.

Es gibt nichts, was die Einzelkämpfer der SG Wattenscheid 09, Björn Biberich und Daniel Knorr, dieser Tage unversucht lassen. Ehrenamtlich arbeiten sie als Pressesprecher für den Regionalligisten, haben eigentlich noch einen Hauptberuf. Doch zugleich sind sie die Gesichter der größten und wichtigsten Rettungskampagne seit Jahren, drehen Videos, geben Interviews, pflegen täglich den Facebook-Kanal. „Die Situation ist hochdramatisch“, sagt Biberich, der seit vielen Jahren eingefleischter 09-Fan ist.

Dass es dem früheren Bundesligisten nach dem Ende der Ära Steilmann finanziell und sportlich nicht mehr so gut geht wie Anfang der 90er-Jahre, ist keine Neuigkeit mehr. Jahrelang hat der Wattenscheider Modegigant den Verein gefördert und bis in die Bundesliga geführt. Doch derzeit steht der ganze Klub – so lassen es die Sprecher verlauten – auf dem Spiel. Kommen bis Montag (14.1.) keine 350.000 Euro zusammen, droht die Insolvenz, die (vorläufige) Abmeldung sämtlicher Mannschaften, inklusive der Regionalligaelf, Zuletzt hatte das Team von Trainer Farat Toku trotz ausstehender Gehälter Tabellenführer Viktoria Köln mit 3:0 besiegt – war es ihr letzter gemeinsamer Auftritt?

350.000 Euro, alles oder nichts 

Die Wege, wie die Sportgemeinschaft aus dem früher eigenständigen Wattenscheid, das seit 1975 zu Bochum gehört, die Rettung schaffen will, könnten kreativer kaum sein. Alle Bemühungen basieren auf einem Crowdfunding-Projekt, also einer Art Gruppenfinanzierung. Das zugesicherte Geld wird nur dann ausgezahlt, wenn die Gesamtsumme erreicht ist. Bedeutet: Alles oder nichts, 350.000 Euro oder kein einziger Cent. „Der kommende Montag ist der alles entscheidende Tag“, weiß Biberich, der noch auf ein kleines Wunder hofft.

Denn obwohl der Hilferuf aus Wattenscheid deutschlandweit Gehör fand, Ligakonkurrenten und Ex-Spieler halfen und Fans bei Lesungen oder Versteigerungen Raritäten in Bares umsetzten, ist erst ein knappes Drittel erreicht. „Aber das zeigt uns, dass wir noch wahrgenommen werden. Viele Aktionen zeugen von viel Liebe und Herzblut. Wir sind wieder enger zusammengerückt,“ bedankt sich Biberich bei rund 1.800 Einzelspendern. Was fehlt sind größere Summen aus der Wirtschaft, vielleicht auch von den übermächtigen Nachbarn.

Doch vor allem im eigenen Umfeld hat Wattenscheid zuletzt viel Substanz verloren. Lokale Unternehmen haben sich zurückgezogen, zu den Heimspielen kommen oft nur wenige hundert Zuschauer. Ständig wechselndes Personal in der Vereinsführung, öffentlich ausgetragene Streitigkeiten und wenig Transparenz haben zu einem Vertrauensverlust geführt. Seit Wochen warten die Mitglieder auf die längst überfällige Hauptversammlung. Sie soll „in Kürze“ stattfinden, heißt es nun von der Vereinsführung – unter welchen Voraussetzungen, ist aber völlig offen.

Ex-Schalker Schnusenberg will helfen 

Hoffnungen, dass die Rettung doch noch gelingt, setzen die Wattenscheider Fans vor allem auf Josef Schnusenberg. Der Ex-Vorsitzende des FC Schalke 04 steigt kurzfristig als kooptiertes Mitglied in den Aufsichtsrat ein. Wie genau der 77-Jährige dem angeschlagenen Regionalligisten helfen will, ist aber noch nicht klar. Dass er sich aber wenige Tage vor dem möglichen Aus ins Chaos stürzt, ohne eine Perspektive zu sehen, wäre doch arg verwunderlich.

 


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