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Peter Neururer: Das verrückte Comeback in Wattenscheid

(Foto: SG Wattenscheid 09)
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Es klingt wie ein verfrühter Aprilscherz: Peter Neururer ist neuer Sportdirektor der SG Wattenscheid 09. Wohl niemand hätte damit gerechnet, nicht einmal der Kultcoach selbst. Am Donnerstag wurde er offiziell vorgestellt. Ein Ortsbesuch.

Viel Platz blieb im Lohrheidestübchen nicht mehr. Der VIP-Raum im Wattenscheider Stadion, der auch für Pressekonferenzen genutzt wird, war am Donnerstagnachmittag bestens besucht. Fotografen, TV-Teams und zahlreiche Journalisten interessierten sich allerdings weniger für den Regionalligisten, sondern mehr für ihren neuesten Vertreter: für Peter Neururer.

Neuer Bauleiter

Der 63-Jährige ist ab sofort Sportdirektor des früheren Bundesligisten. Kontaktiert hatte ihn Josef Schnusenberg, früher Präsident des FC Schalke 04 und heute Aufsichtsrat in Wattenscheid. Einen Manager mit mehr Strahlkraft hätte der Viertligist kaum finden können. Auch bei seiner Ankunft in Wattenscheid lächelt Neururer in jede Kamera. „Ich darf hier eine Position einnehmen, mit der ich nicht gerechnet hätte“, sind seine ersten Worte in neuer Funktion. Neururer bezeichnet seinen neuen Arbeitsplatz als „Baustelle mit Potenzial“ und Klubboss Oguzhan Can, der aus der Immobilienbranche kommt, glaubt den „besten Bauleiter“ gefunden zu haben.

Ob das so ist, wird es noch herausstellen müssen. Kann Neururer die Ratschläge, die er anderen Klubs schon oft gegeben hat, auch selbst umsetzen – und das im beschaulichen Wattenscheid? „Ich habe bei meinen Stationen sehr gute und auch sehr schlechte Manager kennengelernt. Von beiden konnte ich eine Menge lernen“, sagt Neururer dazu. 14 Profistationen liegen hinter ihm. Doch der Fußballlehrer war nie Sportdirektor, immer nur Trainer. Nachhaltig erfolgreich war Neururer selten, einzig beim Stadtrivalen VfL Bochum blieb er länger als zwei Jahre. 

Neue Spielklasse

In Wattenscheid, nur wenige Kilometer von seinem Wohnort Gelsenkirchen entfernt, soll das anders werden. Neururer hat direkt für drei Jahre unterschrieben. Aber: „Ich bin so lange im Geschäft. Ich weiß, wie man Verträge verhandelt“, sagte er über einen möglichen Verbleib bei einem Absturz in die Oberliga. Derzeit stehen die Nullneuner auf Platz 14, mit nur drei Punkten Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz. „Der Klassenerhalt muss her“, weiß auch Neururer, der die Regionalliga nach eigenem Bekunden eher „vom Hörensagen“ kennt.

Geht es nach den Wünschen von Can, soll sich sein Bauleiter mittelfristig auch mit anderen Spielklassen beschäftigen. „Wir wollen den Verein wieder dorthin zurückführen, wo er hingehört“, sagt der Unternehmer selbstbewusst. Doch dieser Satz war im Lohrheidestübchen schon häufiger zu hören. Erst zu Saisonbeginn, als die Sportgemeinschaft eine Kooperation mit einem ambitionierten Start-Up eingegangen ist, gab es hochtrabende Pläne. Wenige Monate später war das Projekt schon wieder gescheitert.

Anfang des Jahres traf es den Klub aber noch schlimmer. Mittels einer Crowdfunding-Aktion wurden die Fans zur Kasse gebeten, um den Verein zu retten. Die Spieler bekamen nicht mehr ihren Lohn, finanziell stand der Verein vor dem Aus. Die Anhänger, viele sind es nicht mehr, kratzten eine sechsstellige Summe zusammen, den Rest gab Can dazu. Erst danach ist es gelungen, neue Mitstreiter zu finden, die auch den Deal mit Neururer stemmen. Denn ehrenamtlich arbeitet der Fußballlehrer natürlich nicht.

Neue Sponsoren

Die höheren Präsenzzeiten wird aber weiter Farat Toku haben. Zuletzt übernahm der Erfolgscoach, der Mannschaft und Klub jahrelang zusammenhielt,  auch Management-Aufgaben. Dafür ist nun sein neuer Vorgesetzter zuständig. Wobei Neururer am Donnerstag deutlich machte, mit dem Trainer auf Augenhöhe zu kommunizieren. Ohnehin schätzen sich die beiden sehr. Toku absolvierte vor einigen Jahren ein Praktikum bei Neururer. Der Sportdirektor lobt den Chefcoach in höchsten Tönen: „Ihn zeichnet ein überragendes Engagement aus. Hinzu kommt eine hohe fachliche und soziale Kompetenz.“

Den im Sommer auslaufenden Vertrag zu verlängern, wird Neururers erste Aufgabe sein. Welche Mittel ihm dafür zur Verfügung stehen, bleibt das große Rätsel. Neue Aufsichtsräte und ein neuer Hauptsponsor lassen aber vermuten, dass frisches Geld geflossen ist. Neben Schnusenberg haben auch Horst Poganaz, jahrelang Aufsichtsrat bei Schalke und einem großen Versicherungskonzern, und der Chef der Stölting-Gruppe, Hans Mosbacher, ihre Zusage gegeben. Lockt auch Neururer Partner an, und darauf hoffen sie alle, könnte es im Lohrheidestübchen bald noch enger werden.

Manager Neururer mit Trainer Toku. (Foto: Rentsch)
Manager Neururer mit Trainer Toku. (Foto: Rentsch)

 


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