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SCP-Blogger Stephan Simann
„Wer soll den SC Paderborn jetzt noch retten?“

(Foto: Schulte)

Paderborn – Wenn der wohl bekannteste Blogger des SC Paderborn im Heimspiel gegen Rot-Weiß Erfurt auf ein 0:4 tippt, dann muss tatsächlich einiges im Argen liegen. Stephan Simann fiebert seit 2009 mit den Schwarzblauen mit, erlebte Auf- und Abstiege. Viel schlimmer kann es kaum mehr kommen, sagt er heute.

Das Gefühl verspürt er allerdings nicht zum ersten Mal. Schon in der Abstiegssaison aus der 2. Bundesliga hatten sich die Ostwestfalen in eine Sackgasse begeben, aus der kaum ein Ausweg mehr zu finden war. Jetzt, im Frühjahr 2017, steht der SC Paderborn vor echten finanziellen Problemen. „Die aktuellen Ereignisse sind eine Folge diverser falscher Entscheidungen in den letzten Jahren“, glaubt Simann. Dass er auf der Mitgliederversammlung des SCP mit derartigen Zahlen konfrontiert werden würde, damit hatte jedoch auch er nicht gerechnet.

„Mir fehlten zunächst die Worte. Ich war in den letzten beiden Jahren oft wütend auf meinen Verein, aber nach dieser Meldung war ich einfach nur noch leer. Es geht offenbar immer noch ein Stück tiefer – auch wenn man denkt, der Abgrund ist erreicht“, räumt Simann ein. Und dass es dem studierten Mathematiker bei Zahlen die Sprache verschlägt, geschieht selten - ziemlich selten.

„Viel zu teuer für die 3. Liga“

„Wir sind viel zu teuer für die 3. Liga“, so die simple Erklärung des Anhängers, der sich trotz des Wohnorts in Hessen  kein Heimspiel des SC Paderborn entgehen lässt und darüber hinaus auch etwa die Hälfte der bisherigen Auswärtsspiele persönlich begleitet hat. Dass die Stadt Paderborn sofort angekündigt habe, kein zusätzliches Geld mehr beizusteuern, bereitet Simann zusätzliche Bauchschmerzen. „Wer soll uns jetzt noch retten? Diese Frage stellen sich aktuell viele“, so der 30-Jährige.

Ein persönlicher Knackpunkt war für ihn die 0:6-Klatsche bei den Sportfreunden Lotte. „Da dachte ich kurz: Was kann jetzt noch kommen? Warum tue ich mir das noch an?“, gibt Simann zu. Es war das letzte Spiel von René Müller, Stefan Emmerling übernahm das Amt und erweckte Paderborn zu neuem Leben. Mittlerweile ist der Trainereffekt verflogen, der Abstiegskampf zurückgekehrt. „Es wäre jedoch das falsche Signal, nun überstürzt zu handeln“, warnt der Blogger vor vorschnellen Personalentscheidungen.


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Der SC Paderborn muss auf eigenen Beinen stehen

Am Samstag gastiert Rot-Weiß Erfurt in Paderborn und bringt Vereinslegende Daniel Brückner mit. Von einem warmen Empfang für Brückner geht Simann schon heute aus. „Einer der Fehler“ sei es gewesen, ausgerechnet den vom SCP-Umfeld über Jahre hinweg als Fußballgott betitelten Flügelspieler als Esel und Sündenbock zugleich vor den Karren zu spannen. Mitverantwortlich war Wilfried Finke, der im Dezember 2016 als Präsident reaktiviert wurde und weiterhin viele finanzielle Mittel in den Verein pumpt. „Geld bedeutet Mitspracherecht und das möchte ein Alphatier wie Finke behalten“, blickt Simann kritisch voraus.

Finke bedeutet für den Klub irgendwie Licht und Schatten. Paderborn soll auf eigenen Beinen stehen, erwachsen werden. Aber wie? Ohne Finkes Hilfe wären die Lichter wohl bereits ausgegangen. „Er muss nun selbst zulassen, dass sich der Club emanzipieren kann. Wir brauchen einen soften Übergang.  Mit dem Nachwuchsleistungszentrum wurden gute Voraussetzungen für die Zukunft geschaffen. Aber es muss nun ebenso gewollt werden, dass auch andere Personen oder Unternehmen ein Mitspracherecht besitzen und neue Ideen und Expertise in den Verein hineintragen. Entscheidungen sollten nicht nur in einem Kopf gefällt werden.“

„Irgendwie muss es ja weitergehen…“

Bis dahin muss Simann wie jeder Anhänger des SC Paderborn in doppelter Hinsicht bangen, denn sowohl aus sportlicher wie auch aus finanzieller Sicht ist der Klassenerhalt gefährdet. „Wer weiß, was die drohende Insolvenz in den Köpfen der Spieler anrichten kann…“, schwant dem Blogger nichts Gutes.

Zuversicht vor Heimspielen ist zuletzt ohnehin rar geworden, in diesen Tagen aufgrund besagter Vorkommnisse erst recht. „Das wird ein ganz komisches, ekliges Spiel gegen Erfurt, beide Teams befinden sich in einer misslichen Lage“, prognostiziert Simann, der in seinem Blog gar mit einer 0:4-Klatsche rechnet. Ob er sich nach der Nachricht der groben finanziellen Schieflage überhaupt wieder auf den Sport konzentrieren kann? „Irgendwie muss es ja weitergehen“, trotzt Simann der Situation. Etwas Zweckoptimismus – mehr ist im Umfeld des SC Paderborn aktuell auch schlichtweg nicht zu holen.

 

Im Internet:

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