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Derby-Nachschau
Der Matchwinner, oder: "Je suis Amaury"...

Solidaritäts-Adresse einiger Preußenfans in Richtung Amaury Bischoff. (Foto: Schulte)

Münster – Der Fußball hat seine eigenen Wege, sich ernsthafte Themen zu eigen zu machen. Die Solidaritäts-Adresse an die Karikaturisten von "Charlie Hebdo" ist längst hinuntergesickert in manche Stadien. In Münster galt sie nun Amaury Bischoff. Mit ihm begann die Derby-Aufregung, mit ihm endete sie auch. Gewissermaßen.

Es lässt sich in der Rückschau ziemlich sicher sagen, wann die "Derby-Vorwehen" in diesem Winter begannen. Sie setzten ein, als einige Fans im "Treffpunkt" auf lilaweiss.de auf ein Spieltagsplakat aufmerksam wurden. Das war Mitte Januar.

Eine Provokation sei das Foto eines jubelnden Bischoff auf dem Poster, wo doch ausgerechnet dieser im bis dato letzten Derby in Münster seinen Osnabrücker Gegenspieler Merkens so übel gefoult hatte, dass der bis heute nicht wieder Fußball spielen kann. Die Neue Osnabrücker Zeitung half, aus der anfänglichen Erregung einen kleinen Skandal zu machen ("Der verschwundene Coverboy") und erfand gleich "hunderte VfL-Fans" dazu, die ihren Protest geäußert hätten. In Münster gingen derweil nur eine Handvoll Beschwerdemails ein, wie der SCP-Medienverantwortliche Marcel Weskamp kurz darauf erklärte. Dennoch sah sich der SCP durch die Berichte aus Osnabrück zum Handeln gezwungen, distanzierte sich eilig von dem Poster und dem Gestalter gleich dazu.

Fakten verdrängt

Dass in der ganzen Aufregung einige Dinge etwas aus dem Fokus rutschten - geschenkt. Weder handelte es sich ja um ein offizielles Spieltagsplakat des Vereins SC Preußen Münster noch war damit eine Provokation verbunden. Der Gestalter des Plakats verwies auf die Idee dahinter: Dass der SC Preußen mit Bischoff noch kein einziges Derby gegen Osnabrück oder Bielefeld verloren habe. Bischoff selbst hatte sich schnell bei Merkens entschuldigt und das vor dem jüngsten Derby in Osnabrück auch wiederholt. All das spielte keine Rolle mehr und irgendwie scheint auch in Münster noch nicht jede Redaktion verstanden zu haben, was da los war.

Noch am Sonntag war in der Kostenlos-Zeitung "Hallo" zu lesen, dass das "Konterfei des kleinen Franzosen vom Veranstaltungsplakat entfernt werden" musste. Eine Aussage, die sachlich nun vollends daneben zielte. Auch geschenkt.

Bischoff selbst wollte die Geschichte nach dem Spiel auch nicht weiter befeuern. "Das alles tut mir leid für Merkens. Ich habe schon mehrfach gesagt, dass ich das damals nicht absichtlich getan habe und wünsche ihm, dass er schnellstmöglich wieder auf dem Platz steht", so der Spieler im Interview mit "Preußen-Schaufenster".

Den Ärger um das Plakat habe er wohl mitbekommen, ja. "Aber du kannst im Fußball eben nicht überall beliebt sein. Das ist normal."

Angesichts der einmal geweckten Derby-Stimmung war aber fast anzunehmen, wie die Reaktion auf Preußen-Seite ausfallen würde. Und tatsächlich feierte vor allem der "Supporters-Block" auf der Tribüne den Franzosen sichtbar - mit eben jenem Slogan "Je suis Amaury". Eine Geste, die vielleicht auch unter Preußenfans nicht überall gleich gut ankam.

Aber auch im Block der "Deviants" war Bischoff ein Thema. "Do it again, Amaury Bischoff" war dort auf einem Banner zu lesen. Es ist nicht vollständig geklärt, ob das nun ein geschmackloser Verweis auf das Foulspiel des Preußen war oder doch eher ein Aufruf, die besondere "Derby-Magie" erneut wirken zu lassen. Zugunsten der Fans mag man letzteres unterstellen.

Sicher ist, dass Bischoff bei praktisch jeder Aktion, die ihn in die Nähe der Preußenfans brachte, heftig gefeiert wurde. Und zu der besonderen Geschichte dieses Derbys gehört, dass ausgerechnet der meistdiskutierte Spieler die Entscheidung brachte.

Den Elfer zum 2:0 - für diesen Standard ist der Franzose mittlerweile oft zuständig. Aber der Freistoß! "Der sollte genau so werden", sprach Bischoff nach der Partie. "Mein erster Gedanke war: Der soll in die Torwartecke. Dass der Ball dann genauso reingeht, ok, da kann ich nichts für. Aber genau da sollte er hin."

Am Sonntag gab's dann noch zusätzliche Ehren vom Deutschen Fußball-Bund (DFB). Dessen TV-Dienst kürte den Freistoß zum "Tor des Tages"...

"Osnabrück spielte Rugby"

Zu viel Derby-Euphorie mochte Bischoff zunächst nicht preisgeben. "Für mich bedeutet das nicht so viel, aber für die Fans und für die Stadt", so seine Reaktion gegenüber nullsechs.tv. "Ich bin aber überfroh, dass wir so ein Spiel hingelegt haben. In der ersten Halbzeit war es ein bisschen schwierig. Osnabrück hat so eine Art Rugby gespielt - kick and run. Im Zweikampf und taktisch stark, aber auf den letzten 20, 25 Metern war dann nichts zu sehen von ihnen."

Nun: Da dürften Bischoff vor allem in der ersten Hälfte einige gefährliche Situationen des VfL entgangen sein. Entscheidend war am Ende aber etwas anderes: "Wir haben dagegen gehalten und unsere individuelle Klasse hat den Unterschied gemacht."

Da sah sich Bischoff sogar einig mit VfL-Trainer Maik Walpurgis, der das Spiel ähnlich wertete. "Münster hat eben zwei Unterschiedspieler: Piossek, der die Tore gut vorbereitet hat und Bischoff, der solche Szenen dann eben auch verwerten kann."

Und von wegen "das Derby bedeutet mir nicht viel": Bischoffs Jubel nach den Toren sprach durchaus eine andere Sprache. Zweimal stürmte er wie ein Irrwisch in die Kurve, ließ sich dort ausgiebig feiern - inklusive einer kritischen "Hand-auf-den-Adler-Geste"... Diese optische Floskel werden ihm die Fans diesmal verziehen haben.

Die ganze Sache ist in der Gesamtbetrachtung ja auch so spektakulär genug: Der Mann, den viele Fans im vergangenen Jahr gerne vom Hof gejagt hätten, der sich selbst aus dem Spiel und der Saison nahm, der im Sommer die Flucht nach Heidenheim antreten wollte, dann aber bleiben musste... ausgerechnet also dieser Mann hat im Derby wieder getan, was er immer tut. Seine Magie wirken lassen.

Und Mitte April reist der SCP dann nach Bielefeld...

 

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4Wiesbaden3463:441958
5Würzburg3446:39746
6Münster3441:40146
7Rostock3341:43-246
81. FCK3341:43-245

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