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Infoabend
Preußen Münster: Bilanziell überschuldet, Ausgliederung "alternativlos"

Preußen-Präsident Christoph Strässer, KPMG-Spezialist Frank Nordhoff, Aufsichtsratschef Frank Westermann (v.l.) (Foto: Schulte)
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Münster – Der SC Preußen Münster hat am Montagabend noch einmal deutlich dargestellt, wie wichtig eine Ausgliederung ist. Denn der Klub ist bilanziell überschuldet, wie Wirtschaftsberater Frank Nordhoff nüchtern feststellte.

Es wurde trotz des Wintereinbruchs voll in der Tribüne des Preußenstadions. Rund 170 Besucher folgten den Ausführungen des Klubs über die geplante Ausgliederung. Und wer noch Zweifel an der angespannten Lage des Vereins hatte, bekam erstmals schwarz auf weiß (besser: rot auf weiß) dargestellt, wie es um den SC Preußen steht. Seit Sommer 2014 hat sich das negative Eigenkapital signifikant verschlechtert. Zum Stichtag 30. Juni 2016 musste der Klub ein negatives Eigenkapital von rund 2 Millionen Euro ausweisen. Und die Zahlen, die am kommenden Sonntag vorgestellt werden, dürften noch einmal schlechter werden.

Frank Nordhoff vom Wirtschaftsberatungsunternehmen KPMG zitierte aus einem DFB-Report über die Lage des Vereins. In dem Schreiben aus September 2016 wurde deutlich, was der DFB monierte: "Die jahrelang positive Entwicklung des Eigenkapitals wurde in kurzer Zeit wieder zunichte gemacht." Und weiter: Der Verein dürfe nicht durch "gewagte finanzielle Wege" auffallen - gemeint sind hier Vorgriffe auf Einnahmen.

Keine gute Situation für den Verein, der sich gerade wieder ungeplanten Ausgaben gegenübersieht, die der Sport nun einmal mit sich bringt.

Spezielles Münster-Modell

Nun also die Ausgliederung. "Alternativlos" für die Entwicklung des Vereins, wie Präsident Christoph Strässer und Aufsichtsratschef Frank Westermann unisono erklärten. Die Schulden würden aus dem Verein auf die Kapitalgesellschaft übergehen. Nordhoff präzisierte natürlich, dass dem negativen Eigenkapital auch stille Reserven gegenüberstehen: Spieler und die Marke "Preußen Münster". Deren Wert müsse man natürlich gegenrechnen - "dann steht da vielleicht kein Minus mehr, sondern ein Plus." Alles eine buchhalterische Frage, so Nordhoff.

Deutlich spürbar war in jedem Fall der Wille der Verantwortlichen, den zahlreichen Anregungen aus dem Klubumfeld Rechnung zu tragen. In allen Gremien einer künftigen GmbH & Co. KGaA werden von Mitgliedern gewählte Vertreter sitzen. Die Mitgliederversammlung des Stammvereins wird also immer mitbestimmen, welchen Kurs die Kapitalgesellschaft steuert.

Das war ein zentraler Punkt für viele Kritiker, der speziell für den SC Preußen Münster realisiert wurde, wie Frank Nordhoff anmerkte. "Das war Bestandteil vieler Gespräche und Diskussionen."

Deutlich formulierte Nordhoff auch, wie nach einer Ausgliederung der Stammverein geschützt werde. Auch im Fall einer Insolvenz der Kapitalgesellschaft bliebe der Verein Preußen Münster erhalten. Natürlich müsste er dann mit einer ersten Mannschaft wieder ganz unten beginnen - aber er bliebe bestehen und müsste nicht gelöscht werden. Ein GAU, der in der aktuellen Struktur viel eher denkbar wäre.

Frank Nordhoff (KPMG) stellte die Pläne vor - hier auf einem Infoabend beim SC Preußen Münster. (Foto: Schulte)

Struktur

Grob gesagt: Die Mitgliederversammlung wählt wie bisher einen Aufsichtsrat. Der bestimmt das Präsidium. Ab dort wird es spannend. Präsidium und Aufsichtsrat bestellen den Beirat der "Preußen Münster Geschäftsführungs-GmbH". Dieser Beirat besteht künftig aus elf Personen, mehrheitlich aber zwingend aus gewählten Vertretern.

Aus dem elfköpfigen Beirat wird ein fünfköpfiger Hauptausschuss bestellt, der das Tagesgeschäft übernimmt. Eine einfache Frage der Praktikabilität. Beirat und Hauptauschuss sind in jedem Fall die zentralen Beschlussgremien. Und beide Gremien werden mehrheitlich immer aus von Mitgliedern gewählten Personen bestehen.

Der Hauptausschuss beruft dann zwei Geschäftsführer für Sport und Finanzen. Diese Geschäftsführer leiten die Abteilung "Profifußball" in der KGaA.

Interessant aus Sicht der Kritiker: Investoren in der KGaA hätten zwar einen Sitz in der Hauptversammlung der Kapitalgesellschaft, dürften sich bei entsprechender Einlage auch in deren Aufsichtsrat bestellen lassen - aber hätten dort praktisch keinerlei Entscheidungsgewalt. "Das ist nicht unbedingt investoren-freundlich", so Frank Nordhoff. Aber der Klub dokumentiert damit, dass hier kein Platz für Scheichs oder Heuschrecken sein soll, die den Verein "übernehmen". In der vom Klub gewählten Form haben immer die gewählten Mitglieder das Sagen.

Über den Einstieg künftiger Investoren würde letztlich immer der Beirat entscheiden - und darin hätte der Verein das Sagen.

Vertrauen

Und hier griff am Montagabend ein seltsamer Ton um sich. Aus Reihen der Kritiker wurde wiederholt die Forderung erhoben, die Mitgliederversammlung müsse immer über den Einstieg von Investoren entscheiden. Ein logistischer Albtraum natürlich und aus Sicht der Verantwortlichen weder praktikabel noch freundlich. "Wenn ein Investor kommt, müsste der dann bis zur nächsten Mitgliederversammlung warten und hätte auch dann keine Gewissheit. Diese Hürde wäre zu hoch", so Nordhoff. Er warb um Vertrauen in die handelnden Personen im Aufsichtsrat und Präsidium.

Irgendwie schien es manchen mit diesem Vertrauen nicht weit her zu sein. Richtigerweise merkte ein Besucher an, dass die Amtsvorgänger die Mitglieder ja offensichtlich über die finanzielle Lage des Vereins nicht korrekt informiert hätten. Mit dem Vertrauen sei das also eine "schwierige Sache".

Das mochten Westermann und Strässer durchaus zugestehen - sie allerdings hatten auch die Transparenz auf ihrer Seite. Denn sie waren es, die im Zuge der Ausgliederung die wirtschaftliche Situation des Klubs offengelegt hatten. Und das im Rahmen der JHV weiter tun wollen.

Strässer blieb aber auch deutlich: "Wir können schon heute nicht immer die Mitglieder befragen, wenn Kredite aufgenommen werden und Spieler verpflichtet werden. Letztlich könnten wir dann ja direkt alle Gremien abschnaffen und alles von den Mitgliedern entscheiden lassen. Also: Wenn wir ordentlich gewählt werden, dann haben wir das Vertrauen. Und wenn wir das nicht verdienen, dann wählen uns die Leute eben wieder ab."

Immerhin versprach Strässer, dass er so oder so dafür werben werde, dass auch der Präsident künftig von den Mitgliedern gewählt werde. Er nahm aber auch die Mitglieder in die Pflicht. "Die Zahlen wurden in den vergangenen Jahren von den Mitgliedern auch nicht wirklich hinterfragt."

Es ist so eine Sache mit der Mitbestimmung: Mit den Möglichkeiten kommt auch die Verantwortung. Strässer mit Klartext: "Wenn die Ausgliederung scheitert, werden wir den Verein so aufstellen, dass er zumindest überleben kann. Den Rest müssen dann jene machen, die eine Ausgliederung verhindert haben."

Wie auch immer: Am Sonntag, 14. Januar, dürfen die Mitglieder entscheiden. Zwei Wochen vorher kommt die Einladung, spätestens dann sind auch alle Vertragsunterlagen einsehbar. 75 Prozent sind die Marke, die es für den ganzen Vorgang braucht.

 


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