Preußen Münster auf Twitter & Facebook

Unser Service... Preußen-Artikel exklusiv auf Twitter @westline_scp und Facebook

Polizist verletzt Balljungen
Münster gegen Karlsruhe: Platzsturm war eingeplant

(Foto: Schulte)

Münster – Zwei Tage nach dem Karlsruher Aufstieg im Preußenstadion klärt sich die Situation nach dem Abpfiff langsam auf. Für Unverständnis sorgt weiter ein überharter EInsatz eines Beamten gegen einen Balljungen. 

Die Fakten: Der Karlsruher SC ist in die 2. Bundesliga aufgestiegen. Der "Platzsturm" war eine normale und erwartbare Reaktion im Jubeltaumel. Die Schäden im Stadion scheinen überschaubar zu sein - die zwischendurch mal genannte Summe von 100.000 Euro Schaden sei frei erfunden, wie Preußens Geschäftsführer Bernhard Niewöhner am Sonntag noch formulierte.

Die LED-Banden waren am Tag nach dem Spiel dem äußeren Anschein nach wenig beschädigt. Einzig die Standfüße waren dem Druck der nachrückenden Fans nicht gewachsen und gaben nach. Kabel und Verkleidungen dagegen sahen dagegen eher unbeschadet aus. Die LED-Banden waren sichtlich nicht bewusst "zerstört" worden, sondern waren lediglich durch den Andrang umgekippt und dann "überlaufen" worden.

Lediglich im Bereich vor der Gästebank hatten einige Karlsruher Fans in eher sinnloser Zerstörungswut zugeschlagen. Praktisch alle Sitze wurden zerstört, Werbeflächen abgerissen. Und mindestens eine LED-Bande nahm etwas mehr Schaden. Das dürfte insgesamt eher ein Versicherungsschaden sein. 

 

Die LED-Banden vor dem Gästeblock waren umgekippt - aber am Tag danach wirkten sie einigermaßen heil. (Foto: Schulte)
Eigentlich alles noch ziemlich in Ordnung - die verbeulte Werbebande dürfte kein großer Schaden sein. (Foto: Schulte)
Der Gästeblock am Tag danach. (Foto: Schulte)
Zerstörte Sitze auf der Gästebank. (Foto: Schulte)
Die Gästebank muss mit neuen Sitzen bestückt werden. Hier hatten KSC-Fans in sinnloser Zerstörungswut einfach die Lehnen abgerissen. (Foto: Schulte)

Dennoch: Der ganze Jubelsturm ging angesichts der Umstände halbwegs normal über die Bühne - die eine oder andere Blessur dürften Fans wohl eher durch das etwas unklare Verhalten der Polizei davongetragen haben. 

Im Nachgang zum Spiel war von Vereinsseite und auch von der Polizei zu hören, dass man einem "mehrstufigen" Konzept gefolgt sei. Dass die Karlsruher Fans den Rasen betreten durften, soll demnach eingeplant gewesen sein. Sollte das so sein, wären die mehrfachen Bitten und Durchsagen des Stadionsprechers an die Gästefans, bitte "nicht die Zäune" zu überklettern, aber zumindest unverständlich. Noch unverständlicher wird es angesichts der Tatsache, dass viele Polizisten noch auf dem Platz versuchten, Karlsruher Fans zurückzuhalten und teilweise mit physischem Einsatz gegen Gästefans vorgingen.

Wenn darin ein Konzept lag, dann war es nicht sichtbar - oder wurde nicht von allen gleichermaßen umgesetzt. Veranstaltungsleiter Thomas Hennemann erklärte dazu am Montag im WDR-Interview, dass man erfolgreich einen Platzsturm während der laufenden Partie habe unterbinden können. Nach dem Spiel sollte dieser Jubel allerdings zugelassen werden - das sei "schon vor dem Spiel klar gewesen", so Hennemann. 

Dass einzelne Beamte hinter einzelnen Karlsruher Fans hinterrannten, sei aus polizeitaktischer Sicht grundsätzlich eher ein "No Go", so Hennemann. 

"Das war abgesprochen"

Auf westline-Anfrage nahm Hennemann am Dienstag noch einmal Stellung zum Ablauf - und wiederholte die Aussagen zur Strategie am Samstag. Man habe sich keinesfalls auf "Prügeleien" oder "Druck" einlassen wollen. Der Plan sei gewesen, die Gästefans zunächst kontrolliert auf die Aschebahn zu lassen. Aber sobald der Druck der Fans sich erhöhen würde, sollten Ordner und Polizei die Fans auf das Feld lassen. "Ab einem bestimmten Punkt hätten wir einen Platzsturm ja nur noch mit Gewalt verhindern können. Und das wollten wir keinesfalls. Das war in der Sicherheitsbesprechung vor dem Spiel ausdrücklich besprochen und allen klar", so Hennemann. "Wir wollten keine unschönen Szenen." 

Er verwies jedoch auf die Abläufe in einer hektischen Situation. Vereinbart war, dass den Gästefans der Weg freigemacht würde. Im konkreten Augenblick nach Abpfiff erfolgten die Absprachen dann per Funk. Aus Erfahrung wisse er, dass diese Funkwege manchmal etwas dauern, ehe sie bei allen Beteiligten angekommen seien, so Hennemann. Das erklärt dann auch das teilweise abweichende Verhalten mancher Beamten.

Die "letzte Linie" sei die Mittellinie gewesen, so Hennemann. Man habe unter allen Umständen verhindern wollen, dass KSC-Fans auf die andere Seite des Spielfelds und damit in den Bereich der Heimfans gelangten. "Aber das war auch gar nicht das Ansinnen der Gästefans", so die Einschätzung von Hennemann. Insofern gab es da kein Problem. 

Der Ablauf 

Zum Spielende hin war der Ablauf tatsächlich geordnet. Viele Fans der Gäste saßen da schon oben auf den Zäunen. Ordner standen auf der alten Aschebahn und hatten mit Schnüren eine eher "virtuelle" Absperrung errichtet. Offensichtlich nicht als ernstgemeinte Sperre, sondern als optische Barriere: Bitte nur bis hierhin. Und lange hielten sich die Karlsruher Fans, die dann wenige Minuten vor Abpiff in den Innenraum gelangten, daran.

Die Polizei vor dem Gästeblock hielt sich lange zurück, postierte sich neben dem TV-Turm in der Kurve. Sierückte erst kurz vor Abpfiff in einer zweiten Reihe hinter die Ordner. Erste Karlsruher Fans wurden nach Abpfiff noch daran gehindert, auf den Platz zu laufen. Erst etwa ein, zwei Minuten nach Abpfiff drückten die Karlsruher Fans von hinten nach, so dass dann der Weg geöffnet wurde. Eine Polizeisperre an der Mittellinie hinderte die Gästefans aber erfolgreich daran, in die andere Spielhälfte zu gelangen. So blieb der Preußenbereich völlig unbeeinträchtigt - René Klingenburg fand nach einem letzten TV-Interview noch die Zeit und den Raum, sich von den Fans zu verabschieden. Viele Zuschauer aus Münster harrten in ihren Blöcken noch lange aus und verfolgten die Feier auf dem Platz. Von Panik oder Angst war da nichts zu spüren. 

Eigentlich wirkte die Gesamtlage von außen zu keinem Zeitpunkt wirklich hektisch. Das etwas unklare Vorgehen der Polizei - hier kontrollierte Freigabe, dort energischer Zugriff - blieb im Grunde kurz nach dem Spiel das einzige Rätsel für Beobachter.

Verletzter Balljunge

Laut Pressemitteilung der Polizei wurde rund um den Karlsruher Jubel ein Balljunge des SC Preußen Münster verletzt. "In diesem Zusammenhang wurde ein 13-jähriger Balljunge leicht verletzt und musste im Krankenhaus behandelt werden", heißt es in der MItteilung. Die "genaue Ursache" der Verletzung müsse noch geklärt werden, so die Polizei weiter. 

Vielleicht hilft ein Blick ins Internet. In einem Youtube-Video, das die "Fanhilfe MS" am Montag verbreitete, ist ab etwa Minute 1:10 zu sehen, wie ein Polizeibeamter dem Balljungen ins Gesicht schlägt. Das Video wurde mittlerweile allerdings entfernt - es gibt aber offenbar weitere Videos aus anderen Perspektiven.

Hier beispielsweise: 

Polizeisprecher Andreas Bode bestätigte am Dienstag gegenüber westline, dass das entsprechende Video mittlerweile auch der Polizei bekannt sei. Man habe die Ermittlungen aufgenommen und werde die Szene auch durch Zeugenaussagen weiter untersuchen. Der ganze Fall werde dann an die Staatsanwaltschaft gehen, so Bode. 

Thomas Hennemann sprach am Dienstag noch darüber, dass der Vorfall in der Nachbesprechung ein Thema gewesen sei. "Die Polizei nimmt das sehr ernst", so der Eindruck des früheren Polizisten Hennemann. Zumal solche Szenen den Einsatz aller Polizisten in ein falsches Licht rücke. 

 

 

Nächstes Liga-Spiel


Sommerpause

Liga-Spielplan | SCP-Spielplan
Kader | Forum

Weitere Preußen-Termine

Datum Termin  
 

-

 

Tabelle

38. Spieltag
PlatzVereinSp.ToreDiff.Pkt.
6Rostock3847:46155
7Zwickau3849:47252
8Münster3848:50-252
91. FCK3849:51-251
10U´haching3853:46748

SC Preußen Münster