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Interview - Teil 1
Thomas Bäumer: "Ich möchte authentisch sein!"

Thomas Bäumer im Februar 2016 beim westline-Interview. (Foto: Schulte)
Lange ist es her: Schon 2003 ließ sich Thomas Bäumer die Umbenennung der alten Haupttribüne etwas kosten. Hier mit dem damaligen Marketingmann Daniel Feld (heute DFB). (Foto: Schulte)
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Münster – Für viele Preußen gilt er als unverzichtbar, Teile der aktiven Fanszene sähen ihn lieber ganz weit weg: Thomas Bäumer polarisiert. Das weiß er. Im westline-Interview mit Redakteur Carsten Schulte spricht der Aufsichtsrats-Vorsitzende über Emotionen und darüber, authentisch zu bleiben. Auch wenn das manchmal weh tut.

 

Seite 1: Die Sache mit Marc Fascher...

Seite 2: Der Ärger um die JHV 2015...

Seite 3: Die Sponsoren stehen Schlange, wenn...

 

Herr Bäumer, ich falle mal mit der Tür ins Haus: Für viele Preußen-Anhänger sind Sie eine der wichtigsten Personen und respektiert, für einen großen Teil der aktiven Fanszene dagegen der meistgehasste Mann im Klub. Wie gehen Sie mit diesem Widerspruch um?

(Stockt) Über diese Wortwahl muss ich erst einmal zwei Sekunden nachdenken... Der meistgehasste Mensch? Ich glaube eher, dass ich für einen Teil der Anhängerschaft eine Zielscheibe bin. In allen Hierarchien muss man sich reiben an jemandem und das halte ich für normal.

Warum sind ausgerechnet Sie immer diese Zielscheibe?

Das hat eine Vorgeschichte. Man macht mich bedauerlicherweise alleine verantwortlich für die Entlassung des Aufstiegstrainers Marc Fascher.

Ich komme gleich auf dieses Thema zu sprechen... Sie sind ja schon viel länger Teil des Vereins. Was verbindet Sie denn mit dem SC Preußen?

Meine Geschichte mit dem Verein ist tatsächlich viel älter als mein finanzielles Engagement. Als Sieben-, Achtjähriger bin ich mit meinem Bruder zum SCP gelaufen, mit der selbstgebastelten Fahne in der Hand. Von einem sogenannten Onkel aus der Nachbarschaft gab's für uns immer 50 Pfennig, wenn die Preußen gewonnen hatten. Seit fast 45 Jahren habe ich fast alles mitgemacht. Ich stand damals bei den Fans am Marathontor, später nach dem Bau der neuen Umkleiden in der Kurve am alten Spielertunnel. Ich war nie mittendrin, aber immer in der Nähe. Da, wo Leben war. Ich habe alles miterlebt, damals in Meppen die Sache mit Uli Gäher, natürlich auch den Preußensieg im Parkstadion.

Sie wissen selbst: Der Ärger um Sie begann 2011, nachdem in den Westfälischen Nachrichten ein wütender Spruch über "dilettantische Auswechslungen" zu lesen war. Gerichtet war das an Aufstiegstrainer und "Fan-Liebling" Marc Fascher, kurz nach einem Last-Minute-Ausgleich der Chemnitzer in Münster... Ein heikles Thema.

Ich weiß das noch genau... Ich habe gesagt: "Wer so dilettantisch wechselt, muss sich nicht wundern." Ich war nach dem Punktverlust stinksauer, bin durch den Spielertunnel gelaufen und da hat das jemand aufgeschnappt und so stand es dann in der Zeitung. Das ist halt so im Fußball. Da herrscht nicht immer Schmuse-Ton.

Zwei Spiele später, nach einem 2:2 in Oberhausen, flog Marc Fascher dann raus. Zuvor gab's im WDR noch ein paar warme Worte von Ihnen über die "Drucksituation Vertragsgespräche"...

Die Entlassung war eine gemeinsame Entscheidung des Vereins, keine One-Man-Show. Zum damaligen Zeitpunkt, als es um Faschers Vertragsverlängerung ging, da waren wir uns nicht sicher, ob wir mit ihm verlängern wollten. Wir brauchten noch Zeit - und das ist auch legitim. Wir hatten ja schon ganz gute Gespräche geführt, auch wenn er das anders empfunden hat. Ich kann dem Verein damals kein unfaires Verhalten vorwerfen.

Aber Ihre öffentlichen Aussagen waren sicher nicht hilfreich...

Ja, meine Güte. Da sind schon ganz andere Sachen gesagt worden im Fußball. Und bedauerlicherweise gibt es solche Sprüche immer weniger in Deutschland, weil es keine polarisierenden Typen mehr gibt. Der Fußball ist doch zahm geworden! Ich will nicht an Basler oder Effenberg erinnern... auch wenn "Effe" jetzt gerade wieder in Fahrt kommt, wenn ich an diesen "Mannschaftsabend" mit Paderborn erinnere.

Verstehen Sie denn, dass die Fans beim Thema Marc Fascher empfindlich reagiert haben?

Ja natürlich, aber Marc Fascher bleibt ja auch unser Aufstiegstrainer! Damit ist er in den Geschichtsbüchern des Vereins verankert wie Helmut Horsch! Aber es ist nicht so, dass Marc Fascher alles richtig gemacht hat und die Vereinsführung alles falsch. Dieser Eindruck ist bedauerlich. Aber natürlich: Wer macht schon alles richtig? Im Fußball allen gerecht zu werden – den Sponsoren, den Ultras, den "Normalos“… das ist schon ein breites Ensemble. "Everybody’s Darling“ zu sein, das wird nicht funktionieren.

Und Sie wollen auch nicht Everybody’s Darling sein…

Nein. Ich möchte authentisch sein. Ich möchte mich nicht verbiegen!

Aber der einzige, den man damals 2011 öffentlich gehört hatte, waren Sie.

Ich hatte die Sache mit dem Satz "dilettantisch gewechselt“ auf den Weg gebracht und da war ich eben auch der Adressat im weiteren Verlauf der Geschichte. Manchmal ist es vielleicht auch so, dass man sich vorne hinstellen muss, um andere Teile des Vereins schützen. Einer muss den Kopf hinhalten, auch auf die Gefahr hin, dass da ein paar Eier fliegen. Aber ich wollte nicht bewusst andere Menschen provozieren, überhaupt nicht!

Also ein Prellbock?

Das bin ich wohl. Manchmal bedauerlicherweise, manchmal bewusst. Ich kann damit umgehen, andere können weniger damit umgehen. Wenn man im Leben gewohnt ist, im kalten Wind zu stehen, dann  muss man so einer Rolle gerecht werden.

Immer Missverständnisse um Worte: Monate später haben Sie dann auf einem Fanstammtisch vom SC Preußen Münster als „ihrem Baby“ gesprochen…

… ja, aber der Klub ist doch für jeden ein Baby! Der eine mag’s mehr, der andere weniger, die einen finden den SCP einfach nett, die anderen gehen zu jedem Spiel.

Aber Sie haben dann ja auch noch von der "Fascher-Show“ gesprochen.

Ja, das war Wasser auf die Mühlen der Kritiker. Bis heute vermuten ja einige, dass kein Trainer des SC Preußen die Mannschaftsaufstellung selbst verantwortet. So nach dem Motto "Das macht ja immer die Vereinsführung… wer auch  sonst..?" (ironisch)

Es ist aber anders. Jeder Trainer sucht doch aus „natürlichen Gründen“ die Nähe der Vereinsführung. Um sich selbst ein bisschen  zu spiegeln: Liege ich mit meiner Arbeit richtig? Kommt das an? Man bleibt im Gespräch. Aber gehen Sie bitte nicht davon aus, dass hier montags, dienstags, mittwochs, donnerstags, freitags gesprochen wird… (lacht). Ich sowieso nicht! Wir hatten in der Vergangenheit einen sehr fußball-affinen Präsidenten, der das gelebt hat und der auch generell die Nähe zum Fußball gesucht hat. Das hat sich für den Verein sehr positiv ausgewirkt.  Am Ende des Tages: Solche Gespräche sind für mich normales Verhalten.

Aber was meinten Sie denn mit der "Fascher-Show“?

Er hat uns immer wieder angesprochen, wie er etwas machen möchte. Dann hat der Sportvorstand oder Präsident gesagt "Okay, prima“ – und dann hat er oft etwas völlig anderes getan, ohne das nochmals anzusprechen

Stellen Sie sich vor, da kommt jemand ständig zu Ihnen und möchte mit Ihnen über etwas sprechen und fragt Sie nach Ihrer Meinung. Dann sagen Sie etwas. Und anschließend macht diese Person immer alles genau anders. Dann fragen Sie sich irgendwann: Warum sprechen wir dann überhaupt darüber? Dann soll der Trainer das doch bitte alleine entscheiden und fertig. In diesem Kontext war das damals gemeint.

Aber in meinem Beisein wurde nicht ein einziges Mal so etwas gesagt wie: "Das musst du so oder so machen.“ Dass Trainer und Vorstände zusammensitzen und sprechen, ist das normalste der Welt.

Aber niemand diktiert dann die Aufstellung.

Never.

Würden Sie das im Nachhinein anders formulieren?

Wenn ich etwas meine, sage ich das auch. Aber dass das am Ende so verstanden wurde, das war nicht meine Absicht. Davon können Sie ausgehen.

Aber Fußball hat eben etwas mit Emotionen zu tun, auf den Rängen und daneben. Wenn man eng mit einem Verein verbunden ist, dann würde ich diese Emotion auch jedem zugestehen. Alle sind emotional beim Thema Fußball. Fällt ein Tor oder ein Gegentor, bist du emotional. Siehst du ein Topspiel, bist du emotional. Wir haben es hier dauerhaft mit Emotionen zu tun.

 

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