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Mythos-Show
111 Jahre in 90 Minuten (plus Nachspielzeit)

Der Mythos Schalke feierte sich selbst. (Foto: dpa)
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Gelsenkirchen – Außerhalb des Spielplans lud Schalke 04 seine Fans zur musikalischen Zeitreise durch die eigene Geschichte in die Arena. Die Mythos-Show im Spielbericht.

20.10 Uhr. Verspäteter Anpfiff. Zwar ist die Arena mit 30.000 Zuschauern längst nicht ausverkauft, trotzdem bilden sich vor den Toren Schlangen. Der vom Verein via E-Mail als problemlos angekündigte Umtausch der Karten für den gesperrten Oberrang verläuft dann doch nicht so zügig. Der Schalker macht, was er am besten kann: Er übt sich in Geduld.
 
10. Minute: Verhaltener Beginn. Schalkes Anfänge als kickende Schmuddelkinder, die der bürgerliche Verband bewusst klein halten will. Schauspielerin Anna Thalbach, die auf der Leinwand als Spielführerin durch 111 Jahre königsblauer Vergangenheit leitet, hat einiges zu erzählen. Flotter wird es erst, als Szepan und Kuzorra in bewegten Bildern den Ball kreiseln lassen. Und weil der Gesang des Musiktheater-Chores bei so viel Schönspielerei flehentlich fragt, wohin mit dem Ball, darf ihn Kuzorra auf der Leinwand im O-Ton noch einmal „einfach reinwichsen“. Das gibt immer einen Lacher.

25. Minute: Ein erster Volltreffer. Der Makel, dass Schalkes Aufstieg zur Spitzenmannschaft parallel zum dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte erfolgte, wird dramaturgisch mit einem Spielzug der Extraklasse gelöst. Während die alten Wochenschau-Aufnahmen von den Schalker Siegeszügen abrupt mit einem symbolischen Filmriss enden, intoniert der Chor den Eurofighter-Gassenhauer: „Steht auf, wenn ihr Schalker seid.“ Nämlich für Menschlichkeit und Freiheit. Unterstützt wird der Appell von Einspielern Schalker Profis und Nachwuchskicker. Die Arena steht. Szenenapplaus.

30. Minute: 1958. Die letzte Schalker Meisterschaft. Reißt aber nicht so mit. Die Fans warten auf Erfolge, die sie noch selbst miterlebt haben.

34. Minute: Die 60er Jahre. Die Musik wird rockiger. Aber zu besingen gibt es nur das Schalker Mittelmaß der frühen Bundesligajahre. Erkenntnis: Ein 15. Platz in der Bundesliga wird auch nicht schöner, wenn man darüber singt. Ein Tor würde der Show jetzt guttun.

44. Minute: Eine launig gemeinte Nummer über Fußball-Phrasen und Taktik-Sprech. Wirkt ein wenig wie eine Behandlungspause auf dem Platz. Gehört dazu, muss man aber nicht haben. Die Nordkurve schon im Spieltagsmodus. Ein Kommen und Gehen zu den Bierständen.

45+5 Minute. Die Show findet über den Kampf zum Spiel zurück. Auf der Bühne tönt es jetzt : „Schalke rockt das Ruhrrevier.“ Rechtzeitig eröffnet die Mythos-Show die Schlussoffensive. Musikalisch zeigt sich das Ensemble des Musiktheaters ohnehin über alle Zweifel erhaben. Dann der Pausenpfiff.

46.  Minute: Die Schalker Zeitreise ist nun optisch und musikalisch im Disco-Fieber angekommen. Thematisch wird es eher heikel:  Die goldene Generation, die sich im Bundesliga-Skandal ins Abseits dribbelte. Virtuell ziehen die Macher der Mythos-Show aber nun ein feines Passspiel auf. Auf der Leinwand hebt sinnbildlich ein animierter Schalker Ikarus zum Flug Richtung Sonne ab und verbrennt.

49. Minute: Bevor sich die Show nun zu sehr im Klein-Klein der verpassten Schalker Chancen verliert, nutzt sie eiskalt eine Elfmeterchance: Eine liebevolle Hommage an Stan Libuda. Da stimmt alles in Bild und Ton. Der Stan geht eigentlich immer. Spontaner Beifall auf den Rängen. Schalker Emotionen. Libuda-Sprechchöre. Ohne Zweifel der Höhepunkt.

57. Minute: Drei Abstiege und ein Schuldenberg als Rap-Nummer. Darauf muss man auch erst einmal kommen. Das Motto: Immer wieder aufstehen. Auf der Leinwand gibt es dazu jede Menge Charly Neumann. Die 80er Jahre eben.

61. Minute: Zeit für eine Liebeserklärung an die Fans. „ So lange ich lebe, wird Blau-Weiß meine Farbe sein.“ Im Film Schalke-Fans vom Baby bis zur Oma, mal kitschig, mal berührend. Das kommt an.

76. Minute: Ein kleiner Fehlpass. Anna Thalbach erinnert an die Jahre, als die letzten Kohlengruben in Gelsenkirchen schließen mussten. Und daran, dass sich das Revier Ende der 90er Jahre noch einmal gemeinsam gegen den Verlust der Arbeitsplätze zur Wehr setzte. Da war man sich einig in Gelsenkirchen, Dortmund, Bochum und Duisburg, hebt sie historisch korrekt an. Der Rest geht im Pfeifkonzert unter. Einig? Mit Dortmund? Nie. 

78. Minute: Hoppla. Fast ein Eigentor. Der Weg der Eurofighter nach Mailand als nachgesungene Radio-Reportage. Statt des euphorisierten Mike Büskens im belgischen Schnee sieht man auf der Leinwand nur schlichte Grafiken. Scheiterte man hier wie der Prince an einer Einigung über die Bildrechte? Leichtes Murren auf den Tribünen. Schließlich dürfen Wilmots und Co. aber doch noch einmal ran. Rechtzeitig zum Elfmeterschießen in Mailand ist die Bildstörung behoben.

Und gleich darauf der harte Schnitt. Das Jahr 2001. Der schwarze Samstag im Mai, heißt es im Song. Diesen Teil der Geschichte, das spürt man, hätten sich viele Fans gern erspart.

Schlussphase: Über Felix Magath kann man schlecht ein Musical schreiben. Wie sollte Jens Keller musikalisch klingen? Die Schalker Gegenwart eignet sich nun mal kaum zur Legendenbildung. Da verlegen sich die Künstler des Musiktheaters lieber auf ein schmissiges „Wir sind Gelsenkirchen“, in der Stadt und Fußball eins sind. In der Nordkurve hofft mancher noch auf eine späte Einwechslung von Raul, doch vergebens. Stattdessen werden die Spieler der Jahrhundertelf aufgerufen. Und dann erheben sich alle gemeinsam zum Vereinslied. Ein emotionaler Schlussakkord. Die Fans danken es den Künstlern mit Schalke-Gesängen.
Fazit: Ein verdienter Arbeitssieg, bei dem einige gelungene Einzelaktionen den Erfolg brachten. Schalke eben.

 


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PlatzVereinSp.ToreDiff.Pkt.
12Wolfsburg1115:17-212
13Bayer 041116:24-811
14Schalke 04118:15-710
15Nürnberg1111:24-1310
16Hannover1114:22-89

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