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Der 90.+4.-Naldo-Gedächtnis-Spielbericht
2:2 im „kleinen Derby“: Schlussoffensive und später Ausgleich lassen Schalke hoffen

(Foto: Hein-Reipen)

Oberhausen – „Gib alles, nur nie auf“: Die Schalker U 19 beherzigte das Lebensmotto ihrer Trainerlegende Norbert Elgert und belohnte sich in einem von vielen Ballverlusten und Nickligkeiten geprägten Halbfinale vor den Augen von Huub Stevens, Jochen Schneider, Sebastian Kehl und Kaan Ayhan mit dem Last-Minute-Ausgleich durch Biskup. Susanne Hein-Reipen war im Niederrheinstadion in Oberhausen dabei…

Frühzeitig anreisende Fans reiben sich verwundert die Augen: Polizei, wohin man schaut...! Wasserwerfer, Mannschaftswagen, Hunde, Reiterstaffel – alles bei einem Jugendspiel wohlgemerkt. Auch wenn bei einem „kleinen“ Derby mit der pikanten Vorgeschichte, dass die Niederlage im „großen“ Derby den BVB mutmaßlich die Meisterschaft gekostet hat, erhöhte Vorsicht angebracht ist, erscheint der Aufwand vielen Zuschauern arg übertrieben.

An den niedlichen historischen Ticketschaltern ist „Fantrennung“ jedenfalls ein Fremdwort, Seite an Seite warten die Ruhrrivalen friedlich plaudernd darauf, dass die Schalter geöffnet werden. Das verzögert sich ein bisschen, weil die Frau mit dem wichtigen Schlüssel nicht überall sein kann, doch das Warten lohnt sich: 5 € für einen Sitzplatz ist ein verdammt guter Kurs.

Oma und Opa Schalke

Das Niederrheinstadion atmet trotz der neuen Revierkraft-Tribüne noch Fußballgeschichte satt, dazu sind die reichlich vorhandenen Ordner ausgesprochen freundlich und hilfsbereit. Die Stadionwürstchen verdienen sich selbst bei verwöhnten Gaumen das Prädikat „besonders empfehlenswert“, die „Schranke“ ist so großzügig bemessen, dass sie auf beiden Seiten von den Pommes tropft und für Süßschnäbel jeglichen Alters gibt’s frische Minidonuts mit warmer Schokosauce. Mmmmmh.

Als der Stadionsprecher um 17.04 Uhr mit einem Countdown die Begrüßung startet, gibt’s eine kleine Schrecksekunde, denn die Stimme erinnert verdächtig an Nobby „The Brain“ Dickel. Zum Glück entpuppt sich der Oberhausener Kollege aber als deutlich vernünftiger.

Bei der Platzbegehung swingt Ahmed Kutucu noch grinsend zur Musik aus den Kopfhörern, wenig später sind er und seine Mitspieler hochkonzentriert, als es zu den Klängen von „Knockin‘ on heaven‘s door“ an‘s Aufwärmen geht. Hinterher klatschen alle brav „Oma und Opa Schalke“ ab: Ohne Margret und Willi geht es nicht!

Die gute alte Zeit

Für leises Schmunzeln sorgen die Anzeigentafel aus der Fußballsteinzeit – hier spielen RWO und Gast, komme da, wer wolle! - und die Aufkleber „Hier sitzt eine Dauerkarte“ und „Hier sitzt ein Zuwender“ auf den Sitzschalen. Ein Schalker lässt sich lachend mit „Hier sitzt jetzt ein Schalker Ar***!“ in die verblichene rote Schale plumpsen.

Zum Einlaufen der Mannschaften ist das Stadion mit 4.300 Zuschauern passabel gefüllt, nur in der Kanalkurve herrscht bei gerade einmal zwei Handvoll Borussen gähnende Leere. Am Start sind neben vielen stolzen Spielereltern auch Sportvorstand Jochen Schneider und Huub Stevens, auch Kaan Ayhan ist mit seiner Familie dabei. Wer immer noch soooo an Schalke hängt, ist doch eigentlich für die Rückkehr prädestiniert, oder…?

Vorher gibt es wie bei den „Großen“ das Vereinslied „Blau und Weiß, wie lieb ich Dich“ und die erste Strophe des Steigerlieds, dann folgt „Whatever you want“. Beide Mannschaften schwören sich im Kreis auf die Partie ein, die schwarzgelben Junioren sogar mit allen Ersatzspielern und dem Trainerstab, sicher nicht das Schlechteste für den Teamgedanken.

Viel Einsatz, wenig defensive Ordnung

Norbert Elgert vertraut zunächst Canpolat, Thiaw, Can, Riemer, Ahrend, Smolinski, Hempel, Barnes, Mercan, Yildiz und Kutucu – und die Jungs gehen mit sichtlichem Feuereifer und Engagement zu Werke, sind aber in der Abwehr bisweilen vogelwild, so dass der schwarzgelbe Nachwuchs durch Kehr und Aydinel zu guten Einschussmöglichkeiten kommt.

In Abwesenheit der Ultras Gelsenkirchen, die „Heim“spiele außerhalb Gelsenkirchens boykottieren, schwingt sich ein unbekannter junger Schalker auf den Zaun und animiert die Emscherkurve zum Support: „Scheiß BVB“, „Dortmund, Stadt der Liebe“ und das Grabstättenlied sind nicht unbedingt jugendspielgerechte Töne, doch „Wer nicht hüpft, der ist Borusse“, „Steht auf, wenn Ihr Schalker seid“ und „Eine Stadt erstrahlt in Blau“ sind mehrheitsfähig.

In der 20. Minute passiert es dann: Ein langer Ball überwindet die Schalker Abwehr, Canpolat kommt zu spät und senst Bakir von den Beinen. Den fälligen Elfmeter von Raschl kann der junge Schalker Keeper zwar noch parieren, doch der postwendende Nachschuss sitzt.

Erwin Hooligan macht sich (fast) nackig

Norbert Elgert versucht unablässig von der Seitenlinie dirigierend, rufend und pfeifend, wieder etwas Ordnung ins Spiel zu bringen; die Fans supporten jetzt mit den „asozialen Schalkern“ und „Der FC Schalke wird deutscher Meister…“. Für die größte Erheiterung aber sorgt in dieser Phase Maskottchen Erwin, der ohne Trikot ein stilechtes weißes Feinripp-Unterhemd und viel plüschige Brust zeigt. Oh là là, bei so viel Schönheit werden Schalkerinnen doch gerne schwach… Die begeisterte Forderung „Erwin auf den Zaun!“ scheitert jedoch an den Ordnern.

In der 37. Minute geht Barnes im Zweikampf mit Knoop im Strafraum zu Boden, Schiedsrichter Bramlage zeigt auf den Punkt und Kapitän Can knallt das Leder wuchtig zum 1:1-Ausgleich in die Maschen. JAAAAA! In der Bundesliga hätte es vorher vermutlich jede Menge Gezeter und Videobeweis gegeben…

Kurze Zeit später hat Schalke nach einem schönen Solo von Kutucu sogar die Chance zur Führung, doch Hawryluk im Kasten der Gäste kann den anschließenden Schuss von Yildiz ebenso parieren wie die beiden folgenden Ecken, so dass es mit einem leistungsgerechten 1:1 in die Kabinen geht.

Das „Pausenprogramm“ erschöpft sich in einer kurzen Durchsage, dass Schalke zum Rückspiel im Stadion Rote Erde am 20. Mai wieder „Derbyshuttles“ einsetzt und „Blau-Weiß, das sind die Farben von ganz oben“ vom Band. Keine Werbung, keine Fanbox, einfach nur - Fußball.

Erneuter Rückstand, erneut gute Moral

Mit „Auf geht‘s Schalke schieß ein Tor“, einer weiteren Grabstätte und einem kühnen „Die Nummer 1 im Pott sind wir“ geht es in den zweiten Durchgang. Auf dem Platz verzetteln sich beide Teams ein wenig in Nickligkeiten, so dass gute Chancen zunächst Mangelware bleiben. Lediglich die Standardsituationen bringen ein wenig Gefahr, doch Can trifft das Leder nach einer Smolinski-Ecke nicht richtig und jagt es in die Wolken.

Besser macht es in der 64. Minute Aydinel mit einem äußerst ansehnlichen direkten Freistoß: Aus knapp 25 Metern Torentfernung zirkelt er den Ball über die Mauer und an Canpolat vorbei passgenau in die kurze Ecke. 1:2… Die jungen BVBler nutzen die anschließende Jubeltraube, um sich an ihrer Bank Getränke und weitere Instruktionen ihres Trainers Benjamin Hoffmann abzuholen. Dem Schalker Publikum gefällt das eher weniger, schließlich läuft die Zeit gegen ihre Mannschaft.

Norbert Elgert reagiert und schickt in einem Doppelwechsel mit Biskup für Yildiz und Aydin für Barnes zwei frische Offensivkräfte auf den Rasen; beim BVB müssen Pena-Zauner und Missner angeschlagen runter und werden durch Khadra und Göckan ersetzt. Und Schalke wirft jetzt noch einmal alles rein und eröffnet den Schwarzgelben so natürlich einige Kontermöglichkeiten. Die Beste davon knallt Khadra in der 80. Minute wuchtig an den Pfosten.

Die Emscherkurve intoniert „Hier regiert der S 04!“ – und wirklich, die Jungs blasen zur großen Schalker Schlussoffensive, 5 Minuten Nachspielzeit gibt es obendrauf. Geht da noch was…? Ein erster Torschrei erstirbt auf den Lippen, denn ein Schuss von Biskup geht einige Zentimeter am linken Pfosten vorbei ans Außennetz. Aber der Joker kann es besser: In der 90. + 4. Minute – da werden Erinnerungen an Naldo wach – vollendet er aus kurzer Distanz ein Zuspiel von Kaparos in die Maschen! JAWOLLJA, geht doch!

Gib alles, nur nie auf!

In der Jubeltraube kullern auch die Ersatzspieler und das Trainerteam übereinander, unmittelbar danach ertönt der Abpfiff. Elgert und Hoffmann klatschen sich sofort freundschaftlich ab, das Ergebnis lässt beiden Teams alle Möglichkeiten für das Rückspiel offen. Wieder einmal hat ein von „Trainergott“ Elgert trainiertes Team hervorragende Moral bewiesen und sein Lebensmotto, das auch Titel seiner kürzlich erschienenen Biographie ist, beherzigt: Gib alles, nur nie auf.

Der königsblaue Spielerkreis dauert lange, der BVB ist längst in der Kabine verschwunden, denn neben der Freude über den späten Ausgleich hat Elgert auch einige Manöverkritik anzubringen. „Zu passiv“ seien seine Jungs phasenweise gewesen, das müsse im Rückspiel besser werden. Danach geht es zum Dank für die Unterstützung in die bereits ziemlich leere Kurve und zu den stolzen Familien. Wir glauben an Euch, Jungs!

 

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Tabelle

34. Spieltag
PlatzVereinSp.ToreDiff.Pkt.
12Mainz 053446:57-1143
13Freiburg3446:61-1536
14Schalke 043437:55-1833
15Augsburg3451:71-2032
16Stuttgart3432:70-3828

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