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MitGEredet
Die Schalker Satzungsänderungsanträge in heißer Diskussion

(Foto: Susanne Hein-Reipen)

Die Kulisse war historisch, das Thema brandaktuell: Zur Information über die Änderungsanträge zur Schalker Vereinssatzung, die auf der anstehenden Jahreshauptversammlung zur Abstimmung gestellt werden, lud der FC Schalke 04 seine Mitglieder auf die Zeche Hugo, Schacht 2 ein. Susanne Hein-Reipen war dabei.

Unter dem Motto "MitGEredet" hatten Interessierte die Möglichkeit, im Schatten des Förderturms und umgeben von zahlreichen Erinnerungsstücken aus der Zeit, als Gelsenkirchen noch die "Stadt der 1000 Feuer" war, mit Mitgliedern der Antragskommission zu diskutieren.

Die Jahreshauptversammlung 2015 - Was steht an?

Dieser gemeinsamen Kommission gehörten neben Antragstellern der letztjährigen Jahreshauptversammlung mehrere Vertreter der Vereinsgremien an, um dem "Antrags-Ping-Pong" nach der "viagogo-JHV" zwischen Verein und Mitgliedern ein Ende zu bereiten. Für den Verein standen Finanzvorstand Peter Peters und Aufsichtsratsmitglied Heiner Tümmers dem Publikum Rede und Antwort, zudem waren die Mitglieder und "Antragspaten" Thorsten Altfeld, Jan Henke, Stephan Kleier, Günther Reipen und Stefan Schorlemmer dabei.

Anpfiff war standesgemäß um 19.04 Uhr mit dem Vereinslied "Blau und Weiß, wie lieb‘ ich Dich". Vor rund 80 Gästen eröffnete Moderator Florian Hartmann, Leiter der Mitgliederabteilung der Königsblauen, den Abend mit einem Überblick über die Geschichte der Antragskommission, die nach Aussage der Kommissionsmitglieder nach harten, aber fairen und konstruktiven Diskussionen am Ende einvernehmlich einen Änderungsantrag mit rund zehn Unterpunkten vorgelegt hat. Danach wurden - O-Ton Hartmann: Achtung, jetzt wird’s trocken! - diese Anträge kurz im Einzelnen erläutert, bevor die "Paten" aus der Antragskommission die Motivation und Hintergründe darlegten.

Wie ein Kollegialgericht

Der Ehrenrat wird zu einem echten Vereinsschiedsgericht mit erweiterten Schlichtungs- und Sanktionierungsmöglichkeiten aufgewertet und soll auch aus diesem Grund demnächst nicht mehr "im Block" auf Vorschlag des Aufsichtsrats von der Mitgliederversammlung "abgenickt" werden. Wie ein Kollegialgericht soll er künftig aus zwei "Richtern" (wie bisher: zwei Mitglieder mit der Befähigung zum Richteramt) und drei "Schöffen" mit "gesundem Menschenverstand und Sozialkompetenz", d. h. beliebigen mindestens 30 Jahre alte Mitgliedern mit mindestens fünfjähriger Vereinszugehörigkeit, bestehen.

Diese sollen getrennt von einem gemeinsamen Ausschuss der Vereinsgremien bzw. der Mitgliederversammlung gewählt werden. Um die Kontinuität und Unabhängigkeit der "Richter" zu gewährleisten, beträgt ihre künftige Amtsdauer fünf Jahre, die der Schöffen hingegen drei Jahre.

Wahlausschuss wird aufgestockt

Eine bedeutsame Neuerung findet sich auch in den Regelungen zum Wahlausschuss, dieser soll von sieben auf acht Mitglieder aufgestockt und künftig eine vierjährige Amtszeit haben, bei der in einem rollierenden System ähnlich wie bei der Wahl der Aufsichtsratsmitglieder jährlich zwei Mitglieder neu gewählt werden. Vorteil dabei: Die Kontinuität ist gegeben, die Gefahr eines "Komplettaustauschs" des ganzen Gremiums unter Wegfall alles Erfahrungswissens entfällt; zudem erhofft man sich eine zeitliche Entzerrung des Wahlvorgangs.

Für den Aufsichtsrat soll es neben diversen organisatorischen Fragen ebenfalls eine wichtige Änderung geben: Zwar wird das Recht zur Kooptierung weiterer Mitglieder auf Wunsch des Aufsichtsrates nicht beschränkt, bei Abstimmungen soll aber künftig immer die Mehrheit der von der Mitgliederversammlung gewählten Aufsichtsräte entscheidend sein, damit nicht über großzügige Kooptierung von Sponsorenvertretern die Mitgliedervertreter ausgehebelt werden können. Zudem soll die 300.000 €-Grenze, ab welcher der Vorstand für Rechtsgeschäfte derzeit die Genehmigung des Aufsichtsrates braucht, auf 500.000 € angehoben werden. Im Publikum wurden Erinnerungen an das "Lex Magath" wach…

Höhere Hürden für Ausgliederung

Wenig konfliktträchtig: Die Position des Vorstandsvorsitzenden entfällt auf Wunsch der drei Vorstände, die als gleichberechtigtes Team agieren möchten ebenso wie das Ruhen der Mitgliedschaft bei den hauptamtlichen Vorständen; es gibt künftig einheitliche Fristen für Anträge und Bewerbungen zu den Vereinsgremien, die Knappenschmiede wird in der Satzung verankert und erhält ebenso wie die anderen Abteilungen eine größere Autonomie.

Die Hürden für eine Ausgliederung der Profiabteilung auf eine Kapitalgesellschaft sollen erhöht werden; es bedarf dazu einer Dreiviertelmehrheit auf einer eigens zu diesem Zweck einberufenen außerordentlichen Mitgliederversammlung. So soll Klarheit geschaffen und den immer wieder aufflammenden Diskussionen zumindest die Befürchtung, dass eine "Fast-Auflösung" des Vereins "nebenbei" erfolgen könne, entzogen werden.

Die Möglichkeit der Festsetzung einer Sonderumlage soll vom Ein- auf das Dreifache des jeweiligen Mitgliedsbeitrags erhöht werden. Damit ergebe sich aber noch keine Zahlungspflicht für die Mitglieder, sondern lediglich eine Möglichkeit für die Mitgliederversammlung, eine solche Umlage zweckgebunden z. B. für die Jugendabteilung festzusetzen.

Die Sonderumlage...

Das bei den Themen "Ausgliederung" und "Sonderumlage" einsetzende Murren und Raunen im Publikum steigerte sich noch deutlich, als Florian Hartmann die Frage stellte, warum alle Anträge im Block abgestimmt werden sollen: Weil die "guten Geister", die in der Antragskommission "nicht gleich gedacht, aber alle das Beste für den Verein gewollt" hätten, deutlich machen wollen, dass sie ein tolles gemeinsames Ergebnis erzielt hätten. Zudem müssten einige sich bedingende Punkte zusammen abgestimmt werden, andere wie zum Beispiel die Sonderumlage gingen auch einzeln, wenn dies beantragt und mehrheitlich befürwortet werde.

Dementsprechend lebhaft ging es bei der anschließenden Diskussion zu, die Abschaffung des Vorstandsvorsitzenden ("jeder noch so kleine Verein hat einen, der ihn repräsentiert!") wurde ebenso kritisch thematisiert wie das neue Verfahren zur Wahl des Ehrenrats: Der gemeinsame Ausschuss als Filter für die Kandidaten schwäche das Recht der Mitgliederversammlung, "der Verein gehört den Mitgliedern!" Die Kommission wollte die Besetzung des Ehrenrats möglichst unabhängig von vereinspolitischen Gegebenheiten und mit größtmöglicher Kompetenz gewährleisten, zudem bedürften Kandidaten einer qualifizierten Mehrheit, so dass kein Gremium alleine seine Leute "durchdrücken" könne.
Noch härter ging die nächste Rednerin zur Sache: Der gemeinsame Ausschuss "verschachtele" alle Gremien, da sei der Filz qua Satzung schon vorprogrammiert. Der Beitrag erhielt deutlichen Applaus, auch wenn entgegnet wurde, dass das Verfahren im Vergleich zur bisherigen Handhabung in jedem Fall ein Fortschritt sei und man nicht allen unterstellen könne, nur die eigenen Interessen im Blick zu haben, zumal gegen die Entscheidungen des Ehrenrats die ordentliche Gerichtsbarkeit angerufen werden könne.

Nicht wie in Russland

Warum nicht der Wahlausschuss die Vorfilterung auch der Ehrenratskandidaten übernehmen könne…? Weil die Kandidaten von einer möglichst breiten Mehrheit getragen werden sollten. Fazit der Rednerin: "Halbgarer Kompromiss", keiner durchblicke mehr die Struktur, da hätten die Fanvertreter wohl eine "Pille schlucken müssen", zudem sei die gemeinsame Abstimmung unsinnig. Entgegnung der Kommissionsmitglieder: Es sei egal, wie das Organigramm aussehe, drei von den Mitgliedern gewählte Vertreter seien in jedem Fall eine Verbesserung, zudem bewege sich der Ehrenrat, den viele in der Vergangenheit "als reines Abwehrgremium" erlebt hätten, auch nicht im rechtsfreien Raum. Anmerkung eines anderen Teilnehmers: "Jetzt isses ja noch schlechter, vielleicht sollten wir es uns wirklich mal anschauen, aber ein Wahlsystem wie in Russland will ich nicht!"

Es folgte ein kleiner juristischer Hick-Hack und hektisches Satzungsblättern auf dem Podium um die Fragen, inwieweit "unendlich viele" Kooptierungsmöglichkeiten bestünden (nein!) und ob die Erfordernis der Mehrheit der von der Mitgliederversammlung gewählten Aufsichtsräte auch für die Wahl des Aufsichtsratsvorsitzenden gelte (ja!): Die originär gewählten Mitglieder sollen nicht ausgehebelt werden können, damit der Wille der Mitgliederversammlung respektiert werde, aber die Kooptierung sei wirtschaftlich notwendig, so seien beispielsweise seit Bestehen des Aufsichtsrats immer ein Vertreter des Hauptsponsors und einer der Stadt Gelsenkirchen dabei gewesen.

Fragen über Fragen...

Als heißestes Thema aus dem Twitter-Stream des Vereins überbrachte Webmaster Klaus Horstmann die "Besorgnis" über die Sonderumlage, die sogleich vom Publikum aufgenommen wurde. Peter Peters wurde förmlich mit Fragen bombardiert: Betrifft diese auch Babys…? Ja, aber natürlich nur mit dem Dreifachen ihres sehr geringen Mitgliedsbeitrags. - Warum ist die Verwendung auf bestimmte Zwecke nicht in der Satzung geregelt? Weil sich dies bereits aus den Regelungen der Abgabenordnung für gemeinnützige Vereine ergibt. - Warum kann eine Minderheit auf der JHV so etwas für alle Vereinsmitglieder beschließen? Weil die Satzung nun einmal vorsieht, dass die Mehrheit der anwesenden Mitglieder beschließt. - Gibt es wirklich keine konkreten Planungen? NEIN, NEIN und nochmals NEIN.

Welche Einnahmen erhoffe sich der Verein dadurch? Derzeit keine, da es gerade keine Planungen gebe, sondern nur die Möglichkeit für die Mitgliederversammlung geschaffen werden solle. - Warum wird das Thema nicht besser kommuniziert? Nun ja, die 1.000 €-Idee, obwohl zeitlich nach dem Änderungsvorschlag, habe das Ganze nicht einfacher gemacht, es gebe ein tiefsitzendes Misstrauen. - Was passiert, wenn jemand nicht zahlen kann? Es gibt bereits jetzt die Möglichkeit der Beitragsermäßigung aus sozialen Gründen. - Soll dieser "völlig absurde" Antrag nur von anderen Themen ablenken? Nein, es gebe keine Hintergedanken. - Sollte man die Sonderumlage aufgrund des Konfliktpotentials nicht abtrennen oder besser ganz rauslassen und erst beschließen, wenn’s gebraucht wird? Nein, denn dann könnte erst ein Jahr später darüber befunden werden, wenn die Satzungsänderung wirksam im Vereinsregister eingetragen ist.

Die Currywurst

Trotz reichlich Nachspielzeit konnten nicht alle Fragen zur Zufriedenheit aller geklärt werden, aber im Publikum herrschte Einvernehmen, dass sich das Format "MitGEredet" bewährt hat und es eine sehr gute Möglichkeit war, mehr über die Motive des Vereins bzw. seiner Vertreter zu erfahren. In diesem Sinne beschloss man die Versammlung als Hommage an die Zeche Hugo mit einer gemeinsam geschmetterten "Extended Version" des Steigerlieds, bevor alle die Empore stürmten, von der bereits seit geraumer Zeit köstlicher Duft herunterströmte.

Des Rätsels Lösung: Unglaublich leckere Currywürste, die zur allgemeinen Erheiterung liebevoll und seelenruhig e-i-n-z-e-l-n mit einer Schere (!) in kleine Häppchen verwandelt wurden. Handgeschnippelt. Auch wenn der Duft einige in der laaaangen Warteschlange fast ohnmächtig werden ließ: Das Warten hat sich gelohnt, glücklich kauend löste sich die eine oder andere Auseinandersetzung auf, der Abend ging sehr versöhnlich zu Ende. Vielleicht wäre der Verein gut beraten, sich das Currywurstrezept für die JHV auszuleihen, denn ein Selbstläufer werden die Satzungsänderungen sicher nicht…

 

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Tabelle

30. Spieltag
PlatzVereinSp.ToreDiff.Pkt.
13Freiburg2939:50-1132
14Augsburg3046:55-931
15Schalke 043032:52-2027
16Stuttgart3027:67-4021
17Nürnberg3024:56-3218

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