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Saisonrückblick Teil 2
Kleine königsblaue Horrorshow: Das war Schalke 2014/2015

(Foto: Susanne Hein-Reipen)

Auch wenn durch die Niederlage des BVB im Pokalfinale als Tabellensechster die direkte Qualifikation für die Euroleague erreicht wurde: Mit dem unterirdischen 0:2 beim HSV am 34. Spieltag endete für den FC Schalke 04 eine Saison, die gefühlt die Schlechteste seit vielen Jahren war. Trainerwechsel, Chaos, Grottenkicks und Fanboykott: Was war alles los auf Schalke? Susanne Hein-Reipen blickt zurück

Zum Teil 1 der Saison-Rückschau

Mit Optimismus ins neue Jahr! Im Januar folgen Trainingsauftakt und Spielerbesuche, bevor es trotz kritischer Stimmen aus der Fanszene ins kostenlose Trainingslager nach Katar geht. Christian Clemens, Sturmhoffnung Donis Avdijaj und Felipe Santana, die in der Hinrunde kaum zum Zuge kamen, werden nach Mainz, Graz und Piräus ausgeliehen, als Wunschspieler von Roberto di Matteo kommt der serbische Nationalspieler Matija Nastasic von Manchester City. Doch das Verletzungspech bleibt den Königsblauen treu, Stammkeeper Ralf Fährmann zieht sich einen Teilanriss des hinteren Kreuzbandes zu, auch Fuchs, Multhaup und Aogo müssen vorzeitig die Heimreise antreten.

In drei Testspielen kein Sieg

Mit der etatmäßigen Nummer 2, Fabian Giefer, gelingt in drei Testspielen kein Sieg, aber im ersten Heimspiel der Rückrunde wird Hannover 96 dank eines Krachers von Marco Höger verdient mit 1:0 nach Hause geschickt. Die Freude ist jedoch nicht ungetrübt: Der Torschütze wird verletzt ausgewechselt und Klaas-Jan Huntelaar holt sich nach grobem Foulspiel plus "Vogel" in Richtung des Schiedsrichters eine mehrwöchige Rotsperre ab, während Eric-Maxom Choupo-Moting nach dem Africa-Cup seiner guten Form aus der Hinrunde hinterherläuft.

Auf dem Berger Feld rollen indes die Bagger an, nach langjähriger Planung fällt endlich der Startschuss für die Umgestaltung des Berger Feldes mit dem dringend benötigten Amateurstadion. Die UGE spenden rund 17.000 Euro an das Kinderheim St. Josef.

Wellenreuther mit Debüt im Februar

Der Februar beginnt zunächst verheißungsvoll: Eine sehr couragierte Leistung in der eisigkalten Allianz-Arena wird mit dem ersten Punktgewinn in München seit 04 Jahren belohnt. Die Freude ist jedoch nicht ungetrübt, weil mit einem verschossenen Strafstoß und in Überzahl mehr drin gewesen wäre - und der nächste Verletzungsausfall zu beklagen ist: Fabian Giefers Leistenverletzung bricht wieder auf und befördert ihn trotz zunächst optimistischer Prognosen für den Rest der Saison ins Aus.

Roberto di Matteo gibt dem jungen Timon Wellenreuther den Vorzug vor dem erfahrenen Christian Wetklo und scheint damit zunächst richtig zu liegen: Im Spitzenspiel wird Borussia Mönchengladbach mit einer taktischen Meisterleistung und der überragenden Dreierkette Höwedes/Matip/Nastasic mit 1:0 besiegt. Das "Tor des Tages" fällt dabei bereits in der 11. Minute durch Tranquillo Barnetta, der in seinem 250. Bundesligaspiel nach einer schönen Flanke von Kevin-Prince Boateng mit dem linken Fuß einnetzt.

Vor dem Spiel sorgt eine Bombendrohung für Aufregung, geballte Sicherheitsvorkehrungen und kalte Füße bei allen, die in den langen Warteschlangen zum Bodycheck feststecken, nach dem Spiel herrscht königsblauer Jubel pur: Platz 3 erobert! Zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu erahnen: Es bleibt der letzte ungetrübte Schalker Jubel für längere Zeit…

Einer vermeidbaren 1:0-Niederlage in Frankfurt folgt trotz achtbaren Auftritts und sehenswerter Choreographie ein 0:2 im CL-Heimspiel gegen Real Madrid. In beiden Spielen gibt Jungkeeper Wellenreuther bei hohen Bällen keine sehr glückliche Figur ab; eine weitere Unsicherheit kostet beim 1:1 gegen Werder Bremen in der Nachspielzeit zwei bereits sicher geglaubte Punkte.

Die Derbypleite

Da sich auch Joel Matip einen Faserriss zuzieht, geht es mit einer wackligen Hintermannschaft um Behelfs-Innenverteidiger Roman Neustädter zu den wiedererstarkenden Reviernachbarn: Beim 0:3 lässt sich das Schalker Team nahezu widerstandslos abschießen, ein rabenschwarzer Tag in der Schalker Derbygeschichte! "Kollektives Versagen" stellt nicht nur Sportvorstand Horst Heldt fest, die anschließenden Floskeln der Spieler treiben einen ersten Keil zwischen Fans und Mannschaft und Vorstand, nachdem bereits Clemens Tönnies‘ unausgegorene Idee, jedes Vereinsmitglied könne doch freiwillig 1.000 Euro spenden, für einen Aufschrei gesorgt hat.

Zunächst sieht es im März jedoch so aus, als wolle die Mannschaft die Derbyschmach tilgen: Eine Trotzreaktion bringt den verdienten 3:1-Heimerfolg gegen die TSG 1899 Hoffenheim; Leon Goretzka feiert in diesem Spiel sein vielumjubeltes Comeback auf dem Rasen, mehrere Transparente setzen sich sehr kritisch mit der Derbypleite auseinander.

Keine Kaffeefahrt nach Madrid

Danach macht sich der königsblaue Tross auf die vermeintliche Kaffeefahrt nach Madrid und reißt die europäischen Zuschauer beim Triumph im Estadio Santiago Bernabu von den Sitzen: Huntelaar, Fuchs, San und wieder Huntelaar treffen zum 4:3-Erfolg. Auch wenn es ganz knapp nicht zum Weiterkommen reicht, feiern die zahlreich mitgereisten Schalker die Mannschaft bis tief in die Nacht. "Wir sind Schalker, asoziale Schalker…" schallt es in den Nachthimmel der spanischen Hauptstadt.

Leider können die Königsblauen diesen Schwung nicht in die Liga retten; nach einem erneuten Patzer von Wellenreuther reicht es bei der Berliner Hertha nur zu einem 2:2, bevor vor heimischer Kulisse das "Sechspunktespiel" um die CL-Qualifikation gegen Bayer Leverkusen verloren wird. Ein verweigerter Elfer erhitzt das Schalker Gemüt, das auch vom ersehnten Kurz-Comeback von Jefferson Farfan nur teilweise beruhigt werden kann.

Die fünfte Schalker Konzernbilanz schließt mit einem Gewinn von rund 4,2 Mio Euro und dem Abbau von Verbindlichkeiten in Höhe von rund 25 Mio Euro ab, was sofort wieder Blütenträume reifen lässt: Schalke könne sich viel leisten, verkündet Horst Heldt, die Verpflichtung des heißesten Acts aus der königsblauen Gerüchteküche, Sami Khedira, hänge nicht vom Erreichen der Championsleague ab.

Fährmann im April zurück

Nach der Länderspielpause kehrt Ralf Fährmann im April wieder zwischen die Posten zurück und hält beim österlichen 0:0 in Augsburg seinen Kasten sauber. Das Schalker Offensivspiel lässt beim Überraschungsteam aus der Fuggerstadt aber deutlich zu wünschen übrig, obwohl die mitgereisten Fans sie nach ausgiebigen Feiern mit bayrischen Köstlichkeiten mit einer tollen Choreo unter dem Motto "Für die Farben, die wir tragen: Kämpfen und Siegen!" nach vorne schreien.

Einen ähnlich leidenschafts- und torlosen Auftritt der Profis gibt es trotz Comebacks von Julian Draxler im folgenden Heimspiel gegen den SC Freiburg; aus der Nordkurve kommen erstmals massive Unmutsäußerungen und die Forderung "wir woll'n Euch kämpfen sehn!" Horst Heldt gibt trotz "maßloser Enttäuschung" noch Durchhalteparolen aus.

Beim VfL Wolfsburg wird dank eines schönen 73-Meter-Solos von Leroy San mit einem 1:1 der besseren Sorte ein nicht unbedingt erwarteter Punkt geholt. Die Choreo unterstützt diesmal nicht die Mannschaft, sondern die "Jungs die draußen stehn": Ein harter Weg, doch Stück für Stück kehrt jeder von Euch zurück.
Der endgültige Abschied vom Saisonziel "CL-Qualifikation" wird durch das 0:2 in Mainz erzwungen.

Tolle Choreo im Mai

Das Schalker Spiel ist in der zweiten Halbzeit so schlecht, leidenschaftslos und uninspiriert, dass die mitgereisten Fans sich in Galgenhumor flüchten und vorm Block Polonaise tanzen: "Schalke nur im Suff!" heißt die Parole des Tages. Kapitän Benedikt Höwedes äußert zwar Verständnis für den Unmut der Fans, eine durchgreifende Besserung ist jedoch nicht erkennbar. Erneute öffentliche Gedanken zur Ausgliederung von Aufsichtsratsvorsitzendem Clemens Tönnies sorgen zusätzlich für Unruhe.

Im Heimspiel gegen Stuttgart im Mai gibt es daher neben einer faszinierenden "Blau und Weiß, wie lieb ich Dich!"-Choreografie auch harsche Transparente. "Kampflos, charakterlos, herzlos - und Ihr wollt Schalker sein?" und "kämpft oder verpisst Euch" lauten die Ansagen aus der Nordkurve. Sogar die verstorbene Legende Charly Neumann wird als himmlischer Beistand bemüht: "Ach Charly, wenn Du wüsstest, was die hier für eine Scheiße machen!" Das Spiel wird dank eines couragierten Auftritts des eingewechselten Kevin-Prince Boateng und eines späten Stuttgarter Eigentors glücklich mit 3:2 gewonnen, die Ehrenrunde der Mannschaft fällt allerdings sehr kurz aus, der Frust über den "Liebesentzug" vor dem Spiel und die demonstrative Unterstützung für Gästecoach Huub Stevens sitzt tief. Roberto di Matteo diskutiert derweil mit der UGE.

Keine Besserung

Von der gelobten Besserung ist in Köln nichts zu sehen, das 0:2 gleicht einem spielerischen und kämpferischen Offenbarungseid. Der FC sichert sich den Klassenerhalt, Schalke hingegen rutscht auf Rang 6 ab. Kevin-Prince Boateng, in der Vorwoche noch der Matchwinner, passt sich nahtlos den schwachen Leistung seiner Nebenleute an - und wird prompt gemeinsam mit Sidney Sam wegen mangelnden Vertrauensverhältnisses freigestellt. Marco Höger wird wegen Zweifeln an seiner Loyalität ebenfalls für eine Woche suspendiert. In den Augen der meisten Schalkefans purer Populismus und viel zu spät, ebenso wie das kurz zuvor anberaumte Teambildungs-Sondertrainingslager in der Klosterpforte in Marienfeld.

Zu allem Überfluss plaudert Clemens Tönnies noch aus, dass er Heldt via SMS den Auftrag zu der Aktion erteilt hat. In den Foren und sozialen Netzwerken formiert sich massiver Widerstand gegen die "Wohlfühloase" der Vereinsführung, der sich beim letzten Heimspiel gegen den tapferen Aufsteiger aus Paderborn in einem Stimmungsboykott entlädt. Zaunfahnen stehen aus Protest auf dem Kopf, die Fans drehen der Mannschaft den Rücken zu und auch Tönnies ist Ziel zahlreicher Protestbanner: "Der FisCh sTinkt vom Kopf", "CT: E. V.? SMS? Mund halten!" und "CT: Kein Konzept, aber dauerhaft in den Medien" lauten die Vorwürfe. Aber auch Sportvorstand Horst Heldt ("169 cm Inkompetenz") und die Mannschaft bekommen ihr Fett weg.

"Vermisstenanzeige! Kurve sucht Mannschaft, Finderlohn garantiert!" Nur dank eines Paderborner Eigentors reicht es zum Sieg, anschließend blockieren aufgebrachte Fans den Haupteingang und diskutieren wütend mit dem Vorstand.

Auch der zwischenzeitliche Einzug der königsblauen A-Jugend in das Finale um die deutsche Meisterschaft und die WDR-Aktion "Kurvenklänge auf Schalke" können die Gräben zwischen Fans und Vereinsspitze natürlich nicht kitten, daher gibt es beim letzten Saisonspiel beim Hamburger SV noch einmal Saures: Unterstützt wird der eingetragene Verein, nicht aber die Mannschaft, dazu gibt es erneut bitterböse Transparente gegen Tönnies‘ Überpräsenz und nach dem 0:2 gegen den eigentlich schon halbtoten Dino noch einen satten Schwall an Beschimpfungen.

Di Matteo weg und A-Jugend-Meisterschaft

Zudem heißt es noch eine Woche Zittern, bis durch die Niederlage der schwarzgelben Nachbarn im Pokalfinale wenigstens die direkte Qualifikation für die Europa League feststeht. Die Saison endet so bei allen Schalker Beteiligten mit Frust und Enttäuschungen, am folgenden Tag trennen sich die Wege von Schalke und Roberto die Matteo nach nur 8 Monaten, ein neuer Coach ist bis heute nicht verkündet. Horst Heldts Beteuerungen, man wolle die Herzen der Fans zurückerobern, werden von diesen nicht mehr ernst genommen.

Ein dickes königsblaues Pflaster auf die Wunden der vergangenen Bundesligasaison klebt die U 19: Unter dem fantastischen "Coach des Jahres 2014" Norbert Elgert überrennt sie in der Wattenscheider Lohrheide mit einer begeisternden zweiten Halbzeit den Nachwuchs der TSG Hoffenheim und holt somit zum vierten Mal die deutsche A-Jugend-Meisterschaft. Herzlichen Glückwunsch!

Im Juni steht noch die Jahreshauptversammlung mit zahlreichen Satzungsänderungsanträgen an, die aufgrund der geballten Unzufriedenheit insbesondere für Clemens Tönnies und Horst Heldt eine ausgesprochen ungemütliche Veranstaltung werden dürfte. Die königsblaue Wut ließe sich nur durch eine personelle Lösung der Trainerfrage, der man einen echten Neuanfang mit Schalker Tugenden zutraut, wenigstens teilweise besänftigen. Ob diese Lösung Marc Wilmots heißt, wird man sehen; gelingt es nicht, zeitnah einen geeigneten Kandidaten zu präsentieren, drohen noch mehr Scherben und eine weitere Saison, in der Schalke der Spitze hinterherhinkt.

Zum Teil 1 der Saison-Rückschau

 

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Tabelle

34. Spieltag
PlatzVereinSp.ToreDiff.Pkt.
12Mainz 053446:57-1143
13Freiburg3446:61-1536
14Schalke 043437:55-1833
15Augsburg3451:71-2032
16Stuttgart3432:70-3828

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