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Eine Analyse
Schalker Konzernbilanz 2014: Wie viel kann sich Schalke wirklich leisten?

(Symbolfoto: Hein-Reipen)

Gelsenkirchen – Der FC Schalke hat jüngst seinen fünften Konzerngeschäftsbericht vorgelegt. Was hinter den Zahlen steckt, wie sie zu bewerten sind und was das alles für Schalke bedeutet: Mit diesen Fragen beschäftigt sich unsere Gastautorin Susanne Hein-Reipen.

Am 20. März veröffentlichte der FC Schalke 04 e.V. seinen fünften Konzerngeschäftsbericht. Bereits zuvor hatte der Klub stolz verkündet, dass der mit 215,3 Mio. Euro zweithöchste Konzernumsatz der Vereinsgeschichte (der höchste wurde mit 224,2 Mio. Euro im Jahr 2011 erzielt) zu einem Jahresüberschuss, also einem Gewinn, von 4,2 Mio. Euro geführt hatte. Damit senkte Schalke die Gesamtverbindlichkeiten um rund 25 Mio. Euro.

Bis 2019 sollten die Finanzschulden sogar unter 100 Mio. Euro sinken, obwohl auf dem Berger Feld umfangreiche Investitionen in Infrastrukturmaßnahmen geplant seien.

Gleichzeitig sprach Finanzvorstand Peter Peters aber auch darüber, dass die Gesamtpersonal- (114 Mio. Euro) und Kaderkosten (90,4 Mio. Euro) zwar erneut deutlich angestiegen seien, aber mit 53 Prozent des Umsatzes "eine gesunde Quote" erreichten.

Die Wettbewerbsfähigkeit bleibe auch in der Rechtsform als eingetragener Verein gesichert, "solange das Financial Fairplay der UEFA greift und andere Vereine in der Liga wirtschaftlich nicht aggressiver vorgehen als das bislang absehbar ist". Der FC Schalke 04 werde "den Pfad der nachhaltigen Konsolidierung weiterhin konsequent beschreiten."

Horst Heldt sagte da im Zusammenhang mit einem möglichen Khedira-Transfer: "Wir sind in einer guten Position und können uns viel leisten." Liest man dazu den mit den üblichen königsblauen Jubelbildern gespickten Geschäftsbericht, dürften sich viele Fans sogar im finanziellen Schlaraffenland wähnen.

Das mediale Echo, das sonst beim Thema "Schalke und Finanzen" gerne Pleitegeier und Peter Zwegat bereithält, blieb dann auch dieses Mal nahezu vollständig aus, so unerwartet solide und daher unspektakulär schienen die Zahlen daherzukommen.

Hintergründe

Doch was steckt wirklich in der Bilanz? Was sagen die genannten Werte über die wirtschaftliche Entwicklung unseres Vereins aus? Welche eher versteckten Zahlen sollte man kennen, um sich ein zuverlässiges Bild von der finanziellen Situation zu machen? Gibt es Grund zum Jubeln oder muss man sich ernsthafte Sorgen machen, wenn die Fleischtöpfe der Champions League verpasst werden?

Nach 2012 und 2013 sollen hier auch in diesem Jahr die wichtigsten Kennzahlen der Konzernbilanz hinterfragt und allgemeinverständlich ohne Buchhalterkauderwelsch erläutert werden:

Die Steigerung des Umsatzes ist erfreulich und beschert dem FC Schalke Platz 14 in der Deloitte Football Money League, dem Ranking der zwanzig umsatzstärksten Fußballclubs weltweit. Der Hauptgrund für den Anstieg sind Zuwächse im Bereich der "medialen Verwertung" (um 6,6 Mio. Euro auf 70,9 Mio. Euro) und "Sponsoring" (um 3,3 Mio. Euro auf 67,2 Mio. Euro).

Damit werden in diesen beiden Geschäftsfeldern zusammen fast zwei Drittel aller Schalker Umsatzerlöse erzielt; der eigentliche Kernbereich, der Spielbetrieb, erlöste nur 34,9 Mio. Euro. Es ist zu erwarten, dass dieser Trend Konsequenzen für die weitere Ausrichtung hat: Ticketpreiserhöhungen dürften als berühmter "Tropfen auf dem heißen Stein" nicht mehr so stark im Fokus stehen wie in der Vergangenheit - dafür ist angesichts der finanziellen Bedeutung der Verwertungsrechte mit harten Diskussionen in puncto "Fernsehvertrag - Flexibilisierung der Anstoßzeiten/Aufsplittung des Spieltages" zu rechnen.

Zusätzlich muss es dem Klub gelingen, weitere zahlungskräftige internationale Sponsoren an den Verein zu binden. Der Fokus dabei wird im asiatischen Raum liegen: Hisense, Huawei und Kumho Tyre hat Alexander Jobst bereits an Land gezogen, eine Chinareise in der Sommerpause folgt.

Die mit Abstand erfreulichsten Zahlen des Konzernberichts sind die deutlich gesunkenen Verbindlichkeiten: Die Gesamtverbindlichkeiten sind von 230,1 Mio. Euro auf 203, 9 Mio. Euro gesunken, die Finanzverbindlichkeiten (also die Verbindlichkeiten, für die Zinsen zu zahlen sind) von 178,1 Mio. Euro auf 163,9 Mio. Euro.

Kurs fortsetzen?

In diesem Jahr trägt der ausgerufene und dringend notwendige Konsolidierungskurs seinen Namen also wirklich zu Recht. Fraglich ist, ob dieser konsequent weiter durchgeführt wird. Für die nächsten beiden Jahre erwarte man "nur einen leichten Rückgang der Finanzverbindlichkeiten, da große Infrastrukturmaßnahmen auf dem Vereinsgelände durchgeführt werden", so der Geschäftsbericht. Ob es bei diesen geplanten Investitionen von rund 25 Mio. Euro in das "Tor auf Schalke" und das Amateur- und Jugendstadion überhaupt noch zu einem Rückgang der Verbindlichkeiten kommt?

Bei der jüngsten Maßnahme vergleichbarer Größenordnung, der Sanierung des schneegeschädigten Arena-Daches, waren die Verbindlichkeiten vorübergehend sogar wieder angestiegen. Auch die geplanten Baumaßnahmen sollen im Wesentlichen fremdfinanziert werden.

Ein erneutes Ansteigen der Verbindlichkeiten und damit verbunden weniger finanzielle Handlungsfreiheit ist insbesondere zu befürchten, wenn die finanziell lukrative Champions League nicht erreicht wird. Die Gesamtpersonalkosten stiegen im vergangenen Jahr von 98,3 Mio. Euro auf 114 Mio. Euro, die Kosten für den Profikader inklusive der Trainer und Betreuer von 85 Mio. Euro auf 90,4 Mio. Euro. Insgesamt stehen mit dem Lizenzkader, den 620 festen Mitarbeiter und den Aushilfskräften über 1.400 Menschen auf der Schalker Lohnliste.

Auch wenn ein (leider nicht bezifferter) kleiner Teil der Kaderkosten erfolgsabhängig ist: Diese enorm hohen Personalkosten könnten aufgrund laufender Verträge bei Verpassen der CL kurzfristig nur sehr begrenzt zurückgeführt werden. Die Personalkostenquote beträgt rund 53 Prozent des Gesamtumsatzes. Mehr als jeder zweite Euro auf Schalke wandert in die Gehaltskosten - das ist eigentlich zu viel. Zum Vergleich: Die Quote bei den Bayern lag 2013 bei 44,8 Prozent, beim BVB waren es 41,3 Prozent, im Bundesligadurchschnitt 2015 sind es 37,38 Prozent (zzgl. 6,78 Prozent für das Verwaltungspersonal). Im Grunde müsste das zu einer Abkehr von Clemens Tönnies‘ Überlegungen führen, die Kaderkosten weiter zu erhöhen. Und dass eine Verpflichtung von Sami Khedira nur in Erwägung gezogen wird, wenn ihm durch Abgänge wirklich nennenswerte Entlastungen des Personaletats gegenüberstehen. "Wir können uns viel leisten" gilt nur, wenn der Klub auch viel leistet und die entsprechenden Gelder auch einspielt.

Negatives Eigenkapital

Eine weitere kritische Zahl ist der mit 71,09 Mio. Euro immer noch hohe, "nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag", das sogenannte "negative Eigenkapital". Vereinfacht ausgedrückt bedeutet diese Zahl, dass die Schulden um 71 Mio. Euro höher sind als das Vereinsvermögen.

Bei vielen Unternehmen würde diese bilanzieller Überschuldung dramatische Folgen haben. Beim FC Schalke ist dies aufgrund der stillen Reserven (vor allem bei den Spielerwerten) nicht der Fall: Spieler stehen nicht mit ihrem Marktwert, sondern mit den "Anschaffungskosten" in der Bilanz. Also mit der von Schalke gezahlten Ablösesumme.

Eigengewächse wie Benedikt Höwedes, Max Meyer, Julian Draxler, Sead Kolasinac, Felix Platte, Leroy San, Kaan Ayhan oder auch das derzeit an Sturm Graz ausgeliehene Sturmtalent Donis Avdijaj tauchen daher nur mit einem symbolischen Euro in der Bilanz auf, sind aber natürlich sehr viel mehr wert und könnten im Notfall "versilbert" werden. Folgerichtig heißt es am Schluss des Konzernberichts "…Optionen für eine Ergebnisverbesserung liegen vor allem in der Erzielung von Transfereinnahmen. Die Strategie, mit jungen Talenten und Leistungsträgern frühzeitig bestehende Verträge langfristig zu verlängern, stellt ein enormes Erlöspotential dar. Die exzellente Nachwuchsarbeit des Vereins wird durch das Vorliegen konkreter werthaltiger Angebote für diese Spieler bestätigt…".

Man muss daher wohl leider davon ausgehen, dass im Falle des Nichterreichens der Champions League einige Schalker Nachwuchstalente nicht nur aufgrund ihrer sportlichen Ambitionen, sondern auch aus finanzieller Notwendigkeit heraus verkauft werden müssten.

Variable Champions League

Insgesamt kann man die diesjährige Bilanz aufgrund der Cl-Einnahmen ohne außergewöhnliche Ausgaben und Investitionen als durchaus zufriedenstellend bewerten - was aber ist, wenn Einnahmen wegbrechen und/oder höhere Ausgaben hinzukommen…?

Man muss kein Weltuntergangsprophet sein, um neben den Kosten für den Ausbau des Berger Feldes die Rückzahlung der Fan- (ca. 11 Mio. Euro) und Mittelstandsanleihe (ca. 50 Mio. Euro) drohend am Horizont auftauchen zu sehen. Die im Geschäftsbericht skizzierte Planung für 2015 geht von der erneuten CL-Qualifikation und dem Erreichen der zweiten Hauptrunde des DFB-Pokals aus und kalkuliert auf dieser Basis bei den Umsatzerlösen mit einem Plus von ca. 10 Mio. Euro und einem Gewinn "im niedrigen einstelligen Millionenbereich".

Die eigenen Ziele hat der Klub ja durchaus vollmundig beschrieben: "Den Pfad der nachhaltigen Konsolidierung wird der FC Schalke 04 weiterhin konsequent beschreiten." und "Die vertraglich mit den Banken festgelegte Rückführung der Finanzverbindlichkeiten auf 96,8 Millionen Euro bis Ende 2019 werden und können wir unabhängig von jedem Wettbewerb stemmen." Ob diese Ziele umsetzbar sind, wenn auch nur ein Jahr die Einnahmen der europäischen Königsklasse wegbrechen? Es spricht einiges dafür, dass dies nicht funktioniert und Schalke dann erneut eine Rechtsform- und Ausgliederungsdiskussion führen muss.


Susanne Hein-Reipen ist Gastautorin auf westline.de und schreibt vor allem über den FC Schalke. Sie ist als Autorin auch auf fankultur.com zu finden.

 

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Tabelle

30. Spieltag
PlatzVereinSp.ToreDiff.Pkt.
13Freiburg2939:50-1132
14Augsburg3046:55-931
15Schalke 043032:52-2027
16Stuttgart3027:67-4021
17Nürnberg3024:56-3218

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