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Analyse
Auf Kante genäht: Schalke-Finanzen im ersten Halbjahr 2015

(Symbolfoto: Hein-Reipen)
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Gelsenkirchen – Ende September hat der FC Schalke 04 die Bilanz des ersten Halbjahres veröffentlicht und stolz betont,  dass der Umsatz gestiegen, die Finanzverbindlichkeiten hingegen gesunken seien.  Der Verlust von 4,9 Millionen Euro werde im zweiten Halbjahr von den Erlösen aus dem Transfer von Julian Draxler zum VfL Wolfsburg ausgeglichen. Susanne Hein-Reipen erläutert  die wichtigsten Punkte des 28 Seiten starken „Konzernzwischenberichts  zum 30. Juni 2015“.

Der Gesamtumsatz ist von 89,4 auf 99,6 Millionen Euro angestiegen, was im Wesentlichen auf Steigerungen bei den Transferentschädigungen (+ 6,3 Millionen Euro), dem Catering (+ 2,1 Millionen Euro) und den medialen Verwertungsrechten (+ 1,7 Millionen Euro) zurückzuführen ist. Interessant daran ist unter anderem, dass im Konzernanhang (S. 13 des Berichts) erwähnt wird,  „die Umsatzerlöse werden nahezu ausschließlich im Inland erzielt“.  

Nun füllt die Bestimmung des umsatzsteuerlichen Leistungsorts zigtausende Seiten steuerrechtlicher Literatur, aber man kann den Verantwortlichen nur raten, bei allem Schielen auf internationale Vermarktung und wenig fanfreundliche Flexibilisierung der Anstoßzeiten für die Übertragungsrechte nicht zu vergessen, dass sich das Kerngeschäft im guten alten Deutschland abspielt. Der Lagebericht (S. 19) hingegen trommelt unbeirrt die bereits seit Jahren verkündete Marschroute weiter, dass die äußerst positive Entwicklung der Marketingeinnahmen eng mit der Internationalisierung zusammenhänge, die man vor allem im asiatischen Raum verstärkt betreibe.

Ablösesumme für "Papa"

Die Transferentschädigung ist vor allem die Ablösesumme aus  dem Verkauf von Kyriakos Papadopoulos an Bayer Leverkusen; die Transfers von Jefferson Farfan und Julian Draxler fanden erst im zweiten Halbjahr statt. Im Forderungsspiegel ist erkennbar, dass auch das vermeintlich finanzstarke Bayer Leverkusen „Papa“  auf Raten abstottert.

Ebenfalls einen deutlichen Niederschlag in der Bilanz finden die begonnenen Umbaumaßnahmen des Berger Feldes: Bislang wurden rund 7 Millionen Euro investiert. Dazu mussten teilweise neue Kredite aufgenommen werden, so dass der Gesamtrückgang der Verbindlichkeiten umso erfreulicher ist.  Der Schalker Konzern steht derzeit mit 198 Millionen Verbindlichkeiten in der Kreide, davon sind rund 154,1 Millionen sogenannte „Finanzverbindlichkeiten“, für die Zinsen zu zahlen sind. Im Verbindlichkeitenspiegel (S. 11) kann man erkennen, wie sich diese zusammensetzen: Die dicksten Batzen stellen die Anleihen  mit 60,8 Millionen Euro sowie die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten mit 52 Millionen Euro dar. Man darf sehr gespannt sein, wie der Verein die in den nächsten Jahren anstehende Rückzahlung der Fan- (ca. 11 Mio. Euro) und Mittelstandsanleihe (ca. 50 Mio. Euro)  deichseln möchte.

Personalkosten...

Eine weitere Zahl, die auf Schalke in den letzten Jahren immer wieder für Verdruss sorgte, sind die Personalkosten. Wie in den vergangenen Bilanzjahren sind sie auch dieses Mal wieder in die Höhe gegangen. Der Anstieg fiel mit gut 1,5 Millionen Euro (von 54,4 auf 55,8 Millionen Euro) moderat aus und wird auf S. 22 des Lageberichts unverhohlen auf die Entlassung von Roberto di Matteo und seinem Stab zurückgeführt: „Ohne diesen Effekt (der Trainerentlassung) wäre der Personalaufwand gesunken“. Damit steht zum einen fest, dass di Matteo für seine „Leistungen“ mindestens anderthalb Millionen Euro Abfindung bekommen hat, zum anderen aber auch die Gehaltsstruktur des Kaders nicht weiter aufgebläht wurde. Mit Farfan, Draxler und hoffentlich in absehbarer Zeit auch Boateng haben zudem Großverdiener den Verein verlassen, die finanziellen Spielraum beispielsweise für die Vertragsverlängerung mit Joel Matip freimachen sollten.

Kuriose Notiz am Rande: Die Ablöse an den SC Paderborn für den neuen Coach André Breitenreiter versteckt sich in nicht genau bestimmbarer Höhe in den „Materialaufwendungen“ (S. 21). Bleibt zu hoffen, dass er gutes „Material“ ist und der FC Schalke 04 sich einige Jahre die Kosten für Abfindungen und Handgelder sparen kann.

Das tiefrote Eigenkapital

Das ohnehin schon tiefrote Eigenkapital ist weiter gesunken und beträgt nun -77,9 Millionen Euro. Vereinfacht ausgedrückt bedeutet diese Zahl, dass die Schulden um fast 78 Millionen Euro höher sind als das Vereinsvermögen. Der Lagebericht vermeldet dazu  auf S. 23 „Wir sind der Auffassung, dass der Verein insbesondere im Lizenzspielerbereich über erhebliche stille Reserven verfügt“. Dass der FC Schalke 04 nicht bilanziell überschuldet ist, liegt in der Tat an den sogenannten „stillen Reserven“: Die Transferrechte an Spielern stehen nicht mit ihrem tatsächlichen Marktwert, sondern mit den "Anschaffungskosten", also der von Schalke gezahlten Ablösesumme, in der Bilanz. Ablösefreie Spieler und Eigengewächse aus der Knappenschmiede tauchen daher nur mit einem symbolischen Euro in der Bilanz auf, sind aber natürlich sehr viel mehr wert. 

Im Falle von Julian Draxler wurden diese stillen Reserven nun angezapft: Rund 35 Millionen plus bis zu 7 Millionen Euro Boni betrug die Ablösesumme. Gleichwohl prognostiziert der Lagebericht (S. 25) für das Gesamtjahr 2015 „nur“ einen Gewinn im niedrigen zweistelligen Millionenbereich. Man muss weder Rechenkünstler noch Bilanzexperte sein, um daran zu erkennen, dass ohne den Draxler-Transfer ein satter Verlust eingefahren worden wäre. Ähnliches zeigte sich bereits im Jahr 2011, wo trotz CL-Halbfinale und Pokalsieg alleine der Verkauf von Manuel Neuer ein Minus verhinderte.

Minimalziele?

Immerhin hat der Verein nach Jahren, in denen man mit markigen Sprüchen wie „wir können uns auch ohne CL viel leisten“ und in den Lageberichten die Unabhängigkeit von sportlichen Zwängen betonte, erkannt, dass alles maßgeblich vom sportlichen Abschneiden abhängt (S. 24). Basis für die finanziellen Planungen sind nunmehr Platz 5 in der Liga, ein Ausscheiden in der zweiten Runde des DFB-Pokals und ein Ausscheiden in der Zwischenrunde der Europa League. Sollten auch diese „Minimalziele“ verpasst werden, ist zu befürchten, dass weitere Eigengewächse wie Benedikt Höwedes, Max Meyer, Donis Avdijaj  oder Shootingstar Leroy Sané versilbert werden müssen. 

 


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Tabelle

34. Spieltag
PlatzVereinSp.ToreDiff.Pkt.
12Mainz 053446:57-1143
13Freiburg3446:61-1536
14Schalke 043437:55-1833
15Augsburg3451:71-2032
16Stuttgart3432:70-3828

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