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Der Es-ist-zum-Wahnsinnigwerden-Spielbericht
Elfmeter-Irrsinn in der 90. + 9. Minute: Fans feiern Schalker Verlierer und toben gegen den Videobeweis

(Foto: Hein-Reipen)
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Gelsenkirchen – Wenn der Begriff „Drama“ eine Farbe hätte, wäre es wohl königsblau. Schalke 04 beißt sich nach schwachem Start zunehmend besser in das Spiel gegen Eintracht Frankfurt und hält bis zur 95. Minute ein verdientes 1:1 – dann schlägt der VAR zu und Jovic trifft in der 99. Minute per Handelfmeter zum 1:2. Trotz klarer Leistungssteigerung steht Königsblau wieder mit leeren Händen dar, wird jedoch von den Fans aufgebaut. Susanne Hein-Reipen hat mitgelitten und mitgetobt…

Auf Schalke mehren sich die Heimspiele mit Absperrungen auf den Zuwegen. Auch gegen die Frankfurter Eintracht gibt’s wieder jede Menge Polizei und viele rot-weiße Gatter, doch Schalker sind erfahrene Pfadfinder. Die Stimmung ist eher pessimistisch, das Zutrauen in die Schalker Abwehr gegen die schnellen Frankfurter Stürmer ziemlich begrenzt. Passend dazu erklingt aus den Boxen im Clubheim „Wir fahren weit, wir trinken viel, wir verlieren jedes Spiel“. Nun ja.

Ohne Umwege in die Hölle

Überhaupt: Es ist der Tag der bedeutungsschwangeren Musiktitel, beim Warmmachen in der Arena läuft „Highway to hell“. „Wir Schalker kommen sowieso alle in die Hölle, mit VIP-Bändchen für’s Fegefeuer“ seufzt ein älterer Schalker.

Mitten im Veltins-Fanspiel, das die Werratalknappen siegreich gegen den Fanclub Ohmtal bestreiten, gehen die Rasensprenger los und scheuchen alle über das Feld. Neben der üblichen Werbung gibt’s heute auch den „Gesundheitstag“ der Bundesliga, der beiläufig bratwurstkauend zur Kenntnis genommen wird.

Als die Aufstellung bekannt wird, herrscht allgemeine Erleichterung, dass Daniel Caligiuri wieder zur Verfügung steht; auch Boujellab in der Startelf und die weiteren Knappenschmiede-Absolventen Kutucu, Carls und Timotheou auf der Bank werden erfreut registriert. Huub Stevens vertraut zunächst Nübel, Bruma, Stambouli, Nastasic, Mascarell, Serdar, Caligiuri, Oczipka, Boujellab, Burgstaller und Embolo.

Jubel über Boujellab, Breitseite gegen Metzelder

Und es kommt noch besser: Auf dem Würfel wird verkündet, dass Nassim Boujellab einen Profivertrag bis 2022 unterschrieben hat. Die gute Neuigkeit wird mit lautem Applaus aufgenommen, dann werden das Steiger- und Vereinslied zelebriert. In der Nordkurve sind dabei neben Schwenkfahnen und Schals auch zahlreiche äußerst phantasievolle Doppelhalter wie „Schalke der geilste Club der Welt“ mit einer bestrapsten Schönheit oder „Väter sperrt Eure Töchter ein, die Schalker sind in der Stadt“ am Start.

Heim- und Gastkurve versichern sich kurz mit „Eintracht-Schweine“, „Schalke 2. Liga, oh ist das schön, Euch nie mehr zu seh‘n“ und „wir singen Scheiß Eintracht Frankfurt“ ihre gegenseitige vorzügliche Hochachtung, dann kommen die Mannschaften auf den Platz. In der Nordkurve geht zeitgleich ein großes blaues Banner hoch: „VORSTAND: IDENTITÄT ZÄHLT BEI UNSEREM VEREIN, METZE IST EIN ZECKENSCHWEIN!“ bringt unmissverständlich zum Ausdruck, dass zumindest die Ultras Gelsenkirchen die T-Shirt-Aktion von Christoph Metzelder weder vergessen noch verziehen haben und ihn nicht als Sportdirektor auf Schalke sehen wollen. Auf den anderen Tribünen stößt die Aussage auf sehr gemischte Reaktionen, hat Metzelder doch bereits zu seiner aktiven Zeit auf Schalke stark polarisiert.

Schwacher Start…

Nach dem Anpfiff entwickelt sich schnell das erwartete Bild: Die Schalkefans supporten sich mit „Steht auf, wenn Ihr Schalker seid“, Vorwärts FC Schalke, schieß ein Tor für uns“ und „Jeden Tag und jede Nacht…“ gegen eine lautstarke Gästekurve („Hurra hurra, die Frankfurter sind da“) die Seele aus dem Leib, doch auf dem Rasen sieht Königsblau zunächst keine Schnitte. Schon in der 3. Minute muss Nübel gegen Jovic retten, danach gibt es Chancen für Costa und Hinteregger – und in der 13. Minute ist es passiert: Hinteregger auf Kostic, dieser weiter zu Rebic, dieser an Stambouli und Nübel vorbei in die Maschen, die verdiente Führung für die Gäste.

Die gut 5.000 Mann starke Frankfurter Kurve hat jetzt Oberwasser und probiert sich an einem Wechselgesang, zumal nur wenig später ein Hinteregger-Distanzschuss fast das 0:2 erbracht hätte, doch Nübel kann den Ball im Nachfassen unter Kontrolle bringen. Dann hat auch die Nordkurve den Schock des Rückstands verdaut und meldet sich mit „Scheiß DFB“ und „Steh auf du *au“ gegen Hasebe ein wenig unfein zurück.

und starke Steigerung

Doch es gibt Licht am Ende des Tunnels: Hinteregger holt Embolo von den Beinen, den fälligen Freistoß bringt Caligiuri in den Strafraum. Trapp im Tor der Eintracht kann den Kopfball von Embolo nur abklatschen, gegen Serdars Nachschuss ist er machtlos. 1:1 in der 21. Minute, zu diesem Zeitpunkt durchaus glücklich, aber nichtsdestotrotz von allen Schalkern in der mit 61.842 Zuschauern ausverkauften Arena (einige Plätze neben dem Gästeblock mussten aus Sicherheitsgründen gesperrt werden) begeistert begrüßt. Endlich mal wieder den heimischen Torjingle „Ein Leben lang, blau und weiß ein Leben lang!“ rausbrüllen!

Prompt ist die Gästekurve nicht mehr zu hören, während die Nordkurve inbrünstig „Steht auf“, „Eine Stadt erstrahlt in Blau“ und „Auf geht‘s Schalke kämpfen und siegen“ anstimmt. Aus dem I/K-Block fliegen einige Gegenstände aufs Spielfeld, was zu einer eindringlichen Ermahnung durch Quatscher Dirk führt.

Videobeweis zum ersten

Das Spiel ist nun deutlich ausgewogener, es entwickelt sich zunehmend ein Kampf auf Augenhöhe, bei dem sich beide Teams nichts schenken; de Guzman und Serdar sehen gelb. An der Grundlinie geht derweil Rebic im Clinch mit Bruma zu Boden; Schiedsrichter Stegemann lässt weiterlaufen und bleibt auch nach Konsultation des Videoschiedsrichters bei seiner Entscheidung: Kein Elfer. Die Nordkurve skandiert derweil „Scheiß DFB“ und „Ihr macht uns‘ren Sport kaputt“, obwohl die Entscheidung alles andere als unglücklich für Schalke ist.

Die Stimmung in der Arena steigt minütlich, weil Schalke endlich den lange vermissten Kampfgeist zeigt. Der wild an der Seitenlinie dirigierende Huub Stevens und „Geh‘n mit dir auf jede Reise und „Schalke! Kämpfen! Siegen!“ treiben die Spieler weiter nach vorne. Bestnoten verdient sich in dieser Phase vor allem Serdar, der unter Stevens aufblüht und überall auf dem Feld präsent ist. Bis zur Pause gibt es noch zwei fruchtlose Ecken für Schalke und eine Gelbe für Embolo; Niederegger muss angeschlagen gegen Ndicka ausgetauscht werden.

Alex Nübel Fußballgott

Die Mannschaft wird wegen der klaren Leistungssteigerung mit Applaus in die Kabine verabschiedet. Einhelliger Tenor: Das sah vor allem kämpferisch wesentlich besser aus als befürchtet!

Nach der obligatorischen Fanbox gibt es wieder die Neuigkeiten der Abteilung Fanbelange, diesmal unterstützt durch eine Gebärdendolmetscherin. Und „Kirsche“ hat gute Neuigkeiten mitgebracht: Das Retro-Trikot „Mein Freund ist Ausländer“, das zum Ärger vieler Schalker ratzfatz vergriffen war, wird neu aufgelegt. Außerdem können sich alle interessierten Schalker für ein Kabinengespräch mit Finanzvorstand Peter Peters am 2. Mai bewerben.

Die zweite Halbzeit wird akustisch mit den Ruhrpottkanaken eingeläutet, dann schlägt die Stunde von Alex Nübel im Schalker Kasten: Erst rettet er gegen Paciencia, dann boxt er ein Beinahe-Eigentor von Caligiuri raus – und hat noch genug Körnchen für einen millimetergenauen Abschlag genau in den Lauf von Oczipka. Begeisterte „Alex Nübel!“-Sprechchöre sind der Lohn.

Packendes Kampfspiel von beiden Seiten

Als Embolo angeschlagen im Frankfurter Strafraum liegen bleibt, gibt’s ein gellendes Pfeifkonzert, doch der Kölner Keller bleibt stumm. Die Kurven nutzen die Behandlungspause für weitere Liebenswürdigkeiten der Marke „Absteiger! Schalke, Schalke, 2. Liga…“ und „Scheiß Eintracht Frankfurt“. Dann doch lieber die „Asozialen Schalker“ und „Schalke 04 für jetzt und alle Zeit“.

 


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Tabelle

34. Spieltag
PlatzVereinSp.ToreDiff.Pkt.
12Mainz 053446:57-1143
13Freiburg3446:61-1536
14Schalke 043437:55-1833
15Augsburg3451:71-2032
16Stuttgart3432:70-3828

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