Der FC Schalke 04 auf Twitter & Facebook

Unser Service... Schalke-Artikel exklusiv auf Twitter @westline_s04 und Facebook

Außerordentliche Mitgliederversammlung
Frust auf Schalke: SFCV-Mitglieder kaum schlauer als vorher

Streit um den SFCV (Foto: Hein-Reipen)
Streit um den SFCV (Foto: Hein-Reipen)
4

Gelsenkirchen – Bereits im Vorfeld war die außerordentliche Mitgliederversammlung des Schalker Fanclub-Verandes (SFCV) heiß umstritten, da die Tagesordnung mit dem einzigen Punkt „Aussprache“ vielen Fanclubs nicht weit genug ging. Der Zugang ins „Tibulsky“ wurde streng reglementiert, von Transparenz und Offenheit war wenig zu sehen . Am Ende überwog bei den Vertretern von über 300 Fanclubs, die sich auf den Weg nach Gelsenkirchen gemacht hatten, der Frust: Vieles glitt in persönliche Angriffe und  Beschimpfungen zwischen den Beteiligten ab, die erhoffte Aufklärung blieb aus. 

Der angekündigte Bericht des Wirtschaftsprüfers wurde entgegen den vorherigen Versprechungen nicht vorgelegt, sondern nur auszugsweise vorgetragen. Der Vorstand, der im Zentrum der erhobenen Vorwürfe steht, verweigerte mit Verweis auf die gegen ihn laufenden strafrechtlichen Ermittlungsverfahren nahezu vollständig die Aussagen, der Aufsichtsrat betonte, seine Prüfung sei noch nicht abgeschlossen.  

Zugegeben wurde lediglich, dass in mindestens vier Fällen mit nicht vom Aufsichtsrat genehmigten Zahlungen gegen die Satzung des SFCV verstoßen wurde; diese seien jedoch zum 21. September 2015 „freiwillig“ zurückgezahlt worden. Man habe aber hinsichtlich der Tickets nie gegen die Auflagen des Hauptvereines verstoßen. Die Aussagen riefen Gelächter bei vielen Anwesenden hervor: Ach, wenn ich eine Bank überfalle und das Geld zurückzahle, wenn man mir auf die Schliche kommt, ist alles wieder gut?

Danach gingen sich Befürworter und Kritiker teilweise unterhalb der Gürtellinie an,  von „Scheinheiligkeit“ und „Schlammschlacht“ war die Rede. Rücktrittsforderungen an den Vorstand wurden ebenso in das überfüllte „Tibulsky“ gebrüllt wie „tretet doch aus, wenn’s Euch nicht passt“ an die Adresse der Kritiker. Auch Ender Ulupinar und die Ruhrknappen Bottrop, die im Vorfeld maßgeblich zu den Vorwürfen beigetragen hatten, wurden scharf kritisiert: „Ein Schalker zeigt einen anderen Schalker nicht an!“ Gemurmel im Saal: „Damit sie sich hemmungslos bescheißen können oder watt?“

Sachliche Redebeiträge bezüglich der Wirtschaftspläne des SFCV – für 2014 gab es wohl gar keinen, der für 2015 wurde erst vor wenigen Wochen erstellt -, die zumindest etwas Aufschluss in das Finanzgebaren hätten bringen können, gingen zur Enttäuschung vieler nahezu vollständig  unter und so lautete das Fazit vieler Teilnehmer: Diesen Abend hätte man sich glatt sparen können!

Die nächste ordentliche Mitgliederversammlung des SFCV steht im Dezember an, es ist zu erwarten, dass spätestens dann die überfälligen personellen Konsequenzen eingefordert werden.

Die Vorgeschichte

Seit gut zwei Monaten brodelt die Gerüchteküche auf Schalke wieder einmal auf Hochtouren. Im Mittelpunkt diesmal: Der Schalker Fanclubverband (SFCV).

Die geneigte königsblaue Öffentlichkeit erfuhr zunächst, dass der SFCV seinen Aufsichtsratsvorsitzenden Ender Ulupinar schasste. Die Gründe sind umstritten – der SFCV behauptet, er habe aufgrund fehlender formeller Voraussetzungen gar nicht erst gewählt werden dürfen, die Kritiker sind der Ansicht, Ulupinar habe seine Aufsichtspflicht zu ernst genommen und sollte abgesägt werden, bevor er unangenehme Feststellungen treffen konnte. Gemunkel über „unregelmäßiges Finanzgebaren“ im Fanclubverband gab es bereits seit langem, aber diesmal war die Rede von „Veruntreuung von Vereinsgeldern in fünfstelliger Höhe“.

Der SFCV stellte sich auf den Standpunkt, es handele sich um eine interne Angelegenheit; man habe  aber bereits einen unabhängigen Wirtschaftsprüfer eingeschaltet.  Nach Abschluss der Prüfung werde man die Fanclubs selbstverständlich informieren. Die Gegenseite ist der Auffassung, der SFCV habe damit nur einer kursierenden entsprechenden Petition der ihm angehörigen Fanclubs zuvorkommen wollen.

An dieser Stelle stiegen die Fanclubs Königsblaue Jungs Heiden e. V., deren erster Vorsitzender Reinhard „Otto vom Lotto“ ebenfalls mehrere Jahre ehrenamtlich für den SFCV tätig war,  und Ruhrknappen Bottrop e. V. in die Auseinandersetzung ein und bezweifelten zunächst den Aufklärungswillen des SFCV.  Auch der vor Jahren aus dem SFCV ausgetretene Supporters Club mutmaßte ein „Emschergate am Berger Feld“ und forderte die Verantwortlichen des Hauptvereines FC Schalke 04 auf, zur Aufklärung beizutragen. Zwischen dem S04 und dem Fanclubverband besteht nicht nur ein mit rund 500.000 Euro jährlich dotierter Kooperationsvertrag, man entsendet auch gegenseitig jeweils ein Mitglied in den Aufsichtsrat des anderen Vereins: Heiner Tümmers, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des SFCV, sitzt im Aufsichtsrat von Schalke, umgekehrt ist Peter Peters, Finanzvorstand von Schalke, Aufsichtsratsmitglied beim SFCV.

Eine weitere Petition forderte eine außerordentliche Mitgliederversammlung zur Aufklärung aller Vorwürfe und den Rücktritt von Vorstand und Aufsichtsrat des SFCV, da das Vertrauen nachhaltig beschädigt sei.

In der Folgezeit feuerten die Ruhrknappen aus allen Rohren und machten sich zumindest mit der Art der Darstellung mit z. T. sehr bissig überspitzten Fotomontagen nicht nur Freunde. Inhaltlich steckte jedoch viel Brisanz in den veröffentlichten Texten:  Die vielfältigen familiären Verstrickungen des Rojek-Clans  zum SFCV wurden ebenso thematisiert wie die Geschehnisse rund um die SFCV Fanbetreuung GmbH (mittlerweile umfirmiert zur 123 JS Event GmbH). Nach Darstellung der Ruhrknappen, die sich größtenteils aus den vorliegenden Bilanzen belegen lassen, wurden in dieser Gesellschaft u. a.  Verbindlichkeiten der Familie Rojek in satt sechsstelliger Höhe zu Lasten des Hauptvereines bzw. dessen verbundenen Unternehmens Ticket and Secure GmbH ausgebucht.  Zudem habe es nicht vom Aufsichtsrat genehmigte Sonderzahlungen von Rojek-Schwiegersohn Frank Arndt an seine Schwägerin Susanne Bremershemke geb. Rojek in fünfstelliger Nettohöhe gegeben. Eine ausführliche Sachverhaltsdarstellung ist im neuen Schalke Unser enthalten.

Die Wogen über diesen Bericht schlugen hoch, angeblich sollte gar seine Veröffentlichung mittels Hackerangriffen vereitelt werden. In der Folgezeit griffen nicht nur seriöse überregionale Medien wie das Handelsblatt das Thema auf, es kam auch zu mehreren Strafanzeigen wegen Untreue und Insolvenzverschleppung u. a. gegen Susanne Bremershemke und Vorstandsmitglieder des SFCV. Der Hauptverein sah sich aufgrund der drängenden Frage nach der Rolle von Peter Peters in diesem Spiel – immerhin als Schalker Finanzverantwortlicher und Aufsichtsrat des SFCV bestens im Bilde – zu einer Stellungnahme genötigt;  Clemens Tönnies und der Schalker Aufsichtsrat beauftragten ihrerseits eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit einer „umfassenden Sonderprüfung“.    

Den SFCV-angehörigen Fanclubs die Einladung zu der außerordentlichen Mitgliederversammlung ins Haus. Einziger Tagesordnungspunkt: „Aussprache“, was wiederum die Unterschriftensammler der zweiten Petition, die u. a. Neuwahlen und den Bericht des Wirtschaftsprüfers auf die Agenda setzen lassen wollten, auf die Palme brachte. 

Hinweis in eigener Sache:

Die Autorin war nicht selbst bei der Veranstaltung anwesend. Die Aussagen und Inhalte wurden auf Grund von Interviews und Gesprächen mit Anwesenden formuliert und geben den Verlauf der Veranstaltung korrekt wieder. Der SFCV hatte an dem Abend den Zutritt auf vertretungsberechtigte Fanclub-Mitglieder beschränkt.

 


Lade Forenbeiträge...
Zurück zur Übersichtsseite

Nächstes Liga-Spiel

Bundesliga, 31. Spieltag
BVB - FC Schalke 04
Samstag, 27. April, 15.30 Uhr
Liga-Spielplan | Schalke-Spielplan
Kader | Schalke-Forum

Weitere Schalke-Termine

  derzeit keine weiteren Termine  

Tabelle

30. Spieltag
PlatzVereinSp.ToreDiff.Pkt.
13Freiburg3039:54-1532
14Augsburg3046:55-931
15Schalke 043032:52-2027
16Stuttgart3027:67-4021
17Nürnberg3024:56-3218

FC Schalke 04