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Erinnerung
Kreisel, Kumpel, Kult: Kuzorra ihm sein 110. Geburtstag

(Foto: Hein-Reipen)
In der Arena. (Foto: Hein-Reipen)
(Foto: Hein-Reipen)
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Gelsenkirchen – Ernst Kuzorra. Das ist ein Name, der mit Schalke verbunden ist. Für immer. Ohne den "Äänz" wäre Schalke nicht der Klub, der er für viele Fans ist. Heute, am 16. Oktober 2015, wäre er 110 Jahre alt geworden. Lassen wir mal die Zahl beseite und erinnern an einen großen Schalker... 

Der „Schalker an sich“ räsoniert am Tresen bisweilen ganz gerne mal über das Schicksal: Was wäre, wenn es den Bundesligaskandal nicht gegeben hätte? Wenn Markus Merk am 19. Mai 2001 an seiner Pfeife erstickt wäre? Oder wenn Rudi Assauer nicht den Mut gehabt hätte, in eine zukunftsweisende Arena zu investieren?

Nun wird Fußball bekanntlich nicht im Konjunktiv gespieltund „Hätte – wäre – könnte“ bringt einen im Nachhinein eher selten weiter. Die Glücksgöttin ist halt launisch, was böse Zungen darauf zurückführen, dass sie eine Frau ist und blond obendrein. Und meistens ist das Alternativszenario eine reine Vermutung oder auf schalkerisch: Wunschdenken. Königsblaue Blütenträume.

Eine dieser Theorien aber steht fester als jede Schalker Abwehr in der 111jährigen Vereinsgeschichte und darf als empirisch bewiesen angesehen werden: Wenn Ernst Kuzorra nicht heute vor hundertzehn Jahren in Gelsenkirchen das Licht der Welt erblickt hätte, wäre der FC Schalke 04 nicht der „geilste Club der Welt“, der er heute ist.

Ernst Kuzorra und sein Schwager Fritz Szepan waren Erfinder, Lenker, Dreh- und Angelpunkte des „Schalker Kreisels“, der mit sechs deutschen Meisterschaften und einem Pokalsieg den königsblauen Mythos entstehen ließ. Das blitzschnelle Kurzpassspiel ist Fußballfans in aller Welt bis heute ein Begriff.

Man kann nicht über Ernst „Clemens“ Kuzorra schreiben, ohne Superlative in Serie rauszuhauen: In Gelsenkirchen geboren, in Gelsenkirchen gelebt, in Gelsenkirchen gespielt,  in Gelsenkirchen gestorben. Oder besser: Auf Schalke, denn Kuzorra hat seinem Stadtteil unverbrüchlich die Treue gehalten. Kuzorra hat in seiner fast 35jährigen aktiven Fußballerlaufbahn trotz lukrativer Angebote ausschließlich „auf Schalke“ die Stiefel geschnürt und lediglich als Freundschaftsdienst einmal für einige Wochen den schwarzgelben Revierrivalen trainiert.

Im Meisterschaftsendspiel 1934, das mit einem 2:1 gegen die favorisierten Nürnberger den heißersehnten ersten Titel brachte, spielte Kuzorra trotz eines Leistenbruchs nicht nur 90 Minuten durch, sondern erzielte auch den Schalker Siegtreffer, bevor er der Legende nach zusammenbrach (Zeitzeugen hingegen behaupten steif und fest, er hätte Jubelsprünge vollführt…). Kuzorra war ein Vollblutstürmer, wie es nur wenige gab, torgefährlich, ballsicher, dribbelstark  und robust. Als unumstrittener Chef auf und neben dem Platz gehorchtenihm nicht nur seine Mitspieler, sondern nicht selten auch Trainer und Vorstand. Die Zahl seiner Pflichtspieltore für die Knappen wird mit 274 angegeben.  Er war der erste deutsche Schalker Nationalspieler, kam jedoch wegen Differenzen mit Reichtsrainer Otto Nerz, dem seine Ruhrpottschnauze nicht gefiel, nur zu 12 Einsätzen in der Nationalelf.

Apropos Ruhrpottschnauze: Kuzorra war mit dem Mundwerk fast genauso treffsicher wie auf dem Platz. Zahlreiche Sprüche von ihm haben bis heute einen festen Platz in der Gelsenkirchener Geschichte. Unsterblich sind nicht nur seine Antworten an den schwedischen König, wo Schalke denn liege („anne Grenzstraße, Majestät“) und auf die Frage eines Reporters, warum die Sporthosen der 1920er Jahre so lang gewesen seien: „Weil wir so lange Dödel hatten!“ Auch „ich wusste nich‘, wohin mit dem Ball, da hab‘ ich ihn einfach reingewichst!“, die Schilderung seines Siegtreffers im 1934er Endspiel, ist legendär, ebenso wie die entgeisterte Frage des langjährigen nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten  und späteren Bundespräsidenten Johannes Rau, ob man nicht einmal ein Fußballstadion nach einer Frau benennen solle:  „Wie sollen wir das denn nennen? Dem Ernst Kuzorra seine Frau ihr Stadion?" 

Kuzorras Leben bietet Stoff für mehrere Romane. Er begann als Bergmann auf der Zeche Consolidation, auch wenn er schnell für den Fußball freigestellt wurde. Nach dem zweiten Weltkrieg beteiligte er sich eigenhändig am Wiederaufbau der zerstörten Glückaufkampfbahn, deren Vorplatz noch zu seinen Lebzeiten nach ihm benannt wurde. „Kumpel- und Malocherclub“ war für „Äänz“ kein Werbeslogan, sondern täglich gelebte Realität. Bis heute ziert eine goldene Tafel seinen Stammplatz im Vereinslokal. In seinem Tabakladen, den Kuzorra später an Stan Libuda weitergab, war der leidenschaftliche Zigarrenraucher jederzeit für alle Schalker ansprechbar. 

Dem Verein blieb er immer eng verbunden, ob im Präsidium, als Übergangstrainer, Berater – und Identifikationsfigur. Er war Träger des deutschen Verdienstkreuzes am Bande und Ehrenbürger von Gelsenkirchen. Und selbst um seine Beerdigung nach seinem Tod im Januar 1990 ranken sich Legenden, weil Präsident und „Sonnenkönig“ Günter Eichberg zu spät kam, aber unbedingt mit aufs Foto wollte, woraufhin der legendäre Mannschaftsbetreuer Charly Neumann kurzerhand eine Wiederholung des Trauerzuges, Schalkefahne inklusive, organisieren musste.

Ohne die Leistungen der späteren Schalker Spieler schmälern zu wollen: Einen wie Kuzorra hat es nie wieder gegeben und wird es wohl leider auch nicht mehr geben. Kuzorra war nicht nur Kult, bevor dieses Wort erfunden wurde, er WAR Schalke und Schalke ist bis heute ein Stückchen Kuzorra. Und deshalb verneigen sich heute hunderttausende Königsblaue vor diesem Mann, den nur die allerwenigsten noch selbst haben spielen sehen: Danke und glückauf, Äänz!

 

 


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13Freiburg3039:54-1532
14Augsburg3046:55-931
15Schalke 043032:52-2027
16Stuttgart3027:67-4021
17Nürnberg3024:56-3218

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