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Königsblaue Meinung
Naldo gehen zu lassen, ist ein Riesenfehler

Naldo (Foto: dpa)
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Gelsenkirchen – Seit am Mittwochmittag die Nachricht rund ums Berger Feld einschlug, dass Schalkes Abwehr-Riese Naldo sich in fortgeschrittenen Verhandlungen mit dem AS Monaco befindet, überschlagen sich die Spekulationen und Diskussionen. Susanne Hein-Reipen liefert ein paar Fakten – und eine klare königsblaue Meinung.

Frühjahr 2016: Schalke verpflichtet den ablösefreien Naldo. Der Brasilianer, damals 33 Jahre alt, avanciert sofort zum Stammspieler in der Innenverteidigung, bis ihn ein Muskelteilabriss weite Teile der Rückrunde außer Gefecht setzt. 

Sommer 2017: Der neue Chefcoach Domenico Tedesco entzieht Benedikt Höwedes die Kapitänsbinde und macht Naldo zum alleinigen Abwehrchef der Dreierkette. Das funktioniert trotz wechselnder Nebenmänner auf Anhieb gut; die stabile Abwehr um Naldo ist Garant für den Aufschwung, zudem sorgt er für Torgefahr bei Freistößen und hohen Bällen.

Derbyheld und „der Führungsspieler, den wir uns gewünscht haben“

November 2017: Im Derby macht sich Na-Na-Na-Naldo auf Schalke unsterblich, als er in der 90.+4. Minute hochsteigt und die irre 4:4-Aufholjagd vollendet. Ein ähnliches Kunststück gelingt ihm nur wenige Wochen später mit dem Ausgleich in der Nachspielzeit bei Eintracht Frankfurt. Naldo avanciert zu DEM Symbol der neuen Schalker Kampfkraft, sogar beim Weihnachtssingen bringen ihm die Fans ein spontanes Ständchen. Sein ursprünglich bis Sommer 2018 laufender Vertrag wird bis 2019 verlängert. 

Heidel dazu wörtlich: „Naldo ist seit seinem Wechsel zu uns in jeder Hinsicht der Führungsspieler geworden, den wir uns gewünscht haben. Er überzeugt durch Leistung auf dem Platz und lebt die Werte unseres Vereins aktiv vor. Innerhalb der Kabine ist Naldo dank seiner immer konstruktiven Haltung ein Mitspieler, dem die Kollegen vertrauen und den sie respektieren. Deshalb haben wir ihm – losgelöst von allen Klauseln seines bisherigen Kontrakts – schon vor Wochen die feste Zusage für eine weitere Zusammenarbeit gegeben. Nun haben wir dies auch schriftlich fixiert und freuen uns, dass Naldo dem Club erhalten bleibt.“

Spieler der Saison und das Gesicht der Vizemeistermannschaft

Frühjahr 2018: Die Schalker Vizemeisterschaft ist untrennbar mit dem Namen Naldo verbunden; Naldo ist der einzige Schalker Feldspieler, der keine Minute der Saison verpasst hat; er wird zum Schalker Spieler der Saison, zum besten Abwehrspieler der Liga („goldenes k“ des kickers) und – von seinen Bundesligakollegen und der 11-freunde-Fachjury - zum Spieler der Saison gewählt. 

Juli 2018: Tedesco ernennt Naldo zum neuen Vizekapitän. Ob Trainingslager oder Testspiel, Naldo ist der Liebling der Schalker Fans. Er selber lässt keine Gelegenheit aus, in den höchsten Tönen von Schalke zu schwärmen („Wechsel auf Schalke war die beste Entscheidung meines Lebens“) und dass er gerne mit 40 noch für Königsblau auflaufen möchte.

Vertragsverlängerung trotz zunehmender Konkurrenz: „Von mir aus kann er spielen, bis er 50 ist“

Herbst 2018: Obwohl sich bereits abzeichnet, dass Naldo kein unumstrittener Stammspieler mehr ist, weil Tedesco zunehmend Neuzugang Salif Sané den Vorzug gibt, wird Naldos Vertrag um ein weiteres Jahr bis 2020 verlängert. 

Tedesco kommentiert das mit "Das ist für alle Schalker eine tolle Nachricht; Naldo ist eine herausragende Persönlichkeit - auf, aber auch neben dem Platz. Eine absolute Integrationsfigur." Christian Heidel fügt hinzu "Als Spieler und Mensch ist Naldo ein Vorbild und sehr wichtig für unsere Mannschaft und den Verein Schalke 04 Wenn der Vertrag ausläuft, ist mir egal, wie alt er ist… von mir aus kann er spielen, bis er 50 ist". Einsätze bleiben trotzdem Mangelware, auch im Derby bekommt Naldo keine Spielzeit; dafür wirbt der FC Schalke mit zuckersüßen Bildern von ihm und seinem neugeborenen Töchterchen.

Wo kommt der plötzliche Meinungsumschwung her?

Und keine zwei Wochen später die Nachricht, dass Naldo sich mit Monaco so gut wie einig sei. Man kann nun trefflich spekulieren, was seit Oktober passiert sein mag – die wahrscheinlichste Variante dürfte sein, dass Musterprofi Naldo sich für die Rolle des fast ausschließlichen Gute-Laune-Bärs zu schade war.  


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Man darf unterstellen, dass Naldo nicht einfach plump einen Stammplatz gefordert hat. Noch im Oktober hatte er sich zum Thema Bankdrücken öffentlich hinter Tedesco gestellt: „Ich weiß ja, dass viele erwartet hätten, dass ich sauer darauf reagiere oder das Diskutieren anfange. Das wäre in den Augen der meisten wohl die normale Reaktion gewesen. Aber der Trainer hat zu mir gesagt: „Naldo, ich brauche dich. Aber ich muss deine Belastung steuern.“ Er wollte nicht, dass ich mich in den Englischen Wochen mit Bundesliga und Champions League verletze, weil ich ihm zu wichtig bin. Ich war froh, dass er so etwas über mich gesagt hat.“ 

Diese Aussagen passen nahtlos in die Linie der öffentlichen Aussagen, die Naldo über die Zusammenarbeit mit dem drei Jahre jüngeren Tedesco getätigt hat: Intelligent, toller Kommunikator, Führungsperson trotz seines Alters und der überschaubaren Erfahrung. Wenn Naldo nun trotzdem so bitter enttäuscht ist, dass er den Verein um die Freigabe gebeten hat, hat Tedesco ausgerechnet bei dem Mann versagt, dem er in seinem ersten Schalke-Jahr am meisten zu verdanken hatte. Offensichtlich ist es ihm trotz sporadischer Einsätze nicht gelungen, Naldo davon zu überzeugen, dass er auf ihn baut. Immerhin hat Tedesco Naldo bislang nicht „Reisende soll man nicht aufhalten“ hinterhergerufen…

Undank oder Unvernunft?

Denkbar ist auch, dass der Wechsel auf Veranlassen des Vereins zustande kam, der erklärtermaßen den Kader verkleinern möchte. In diesem Fall wären Heidel und Tedesco allerdings ziemlich schlecht beraten, ausgerechnet Naldo als Erstes ziehen zu lassen. Ja, Naldo ist 36 und mit Dankbarkeit alleine gewinnt man im Profifußball keinen Blumentopf, aber Naldo ist weder der teuerste noch der schlechteste Spieler und als Führungs- und Integrationsfigur nur sehr schwer zu ersetzen, was gerade in der sportlich angespannten Lage bedeutsam werden kann. Naldo hat ja nicht binnen zwei Monate das Kicken verlernt, nur weil mit Sané bereits der wahrscheinliche Nachfolger verpflichtet wurde.

Die Aktion riecht mindestens nach unüberlegtem Aktionismus. Schließlich wird die Personaldecke in der Abwehr mit Naldos Abgang und dem prognostizierten vorzeitigen Leih-Ende bei Baba ziemlich dünn. Und gleichwertiger Ersatz ist weder kurzfristig in Sicht noch „für ein Appel und’n Ei“ zu haben. 

Fazit: Hier wird vollkommen unnötig eine sportliche und emotionale Baustelle aufgemacht, statt sich um die drängenderen Probleme in der Offensive zu kümmern. Wenn es in der Rückrunde nicht läuft, könnte die Personalie Naldo Heidel und Tedesco noch böse auf die Füße fallen und die wegen der enttäuschenden Hinrunde ohnehin gereizte Stimmung weiter verschlechtern. 

 


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PlatzVereinSp.ToreDiff.Pkt.
10Bayer 041826:30-424
11Mainz 051820:24-424
12Schalke 041822:25-321
13Freiburg1822:28-621
14Düsseldorf1821:34-1321

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