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Königsblauer Kommentar
Neuer Anfang statt Lame Duck: Jochen Schneider statt Christian Heidel

(Foto: Schulte)
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Gelsenkirchen – Jochen Schneider beerbt Christian Heidel als Sportvorstand beim FC Schalke 04.Susanne Hein-Reipen ist gespannt, wie der Ex-Stuttgarter und Ex-Bulle beim hochemotionalen Revierclub einschlägt – und verdammt froh, dass die von Heidel egoistisch heraufbeschworene Führungslosigkeit sehr bald wieder ein Ende hat.

Am Dienstagnachmittag verkündet der Verein, dass Jochen Schneider neuer Sportvorstand wird. „Für mich ist es zum einen eine große Ehre, zum anderen eine Riesenherausforderung, das Ressort Sport beim FC Schalke 04 zu übernehmen. Schalke verfügt über eine ganz besondere Strahlkraft, die weit über das Ruhrgebiet und Deutschland hinausreicht“ wird „der Neue“ auf der Homepage zitiert.

Strahlkraft, das hören die Schalke-Fans sehr gerne, aber die ersten Reaktionen sind sehr unterschiedlich: „Schneider wer?“ lassen sich nicht wenige Königsblaue vernehmen, hat der 48jährige doch in seiner durchaus ansehnlichen Karriere im Profifußball bisher eher dezent im Hintergrund gewirkt. Auch „Herzlich willkommen beim geilsten Club der Welt!“ und „Klingt schon mal besser als Labbadia, Allofs und Co.“ ist in den einschlägigen Foren und Gruppen zu lesen; doch es gibt auch kritische Stimmen, die sich einen Verantwortlichen mit Schalker Stallgeruch statt Brause-Historie gewünscht haben. Zur Beruhigung sei gesagt: es wird noch mindestens ein Sportdirektor kommen, vielleicht hat dieser ja eine königsblaue Vergangenheit…?

Unabhängig davon, wie und mit wem Jochen Schneider seine neue Aufgabe in Angriff nimmt, ist es sehr gut, dass der FC Schalke 04 so schnell auf die von Heidel durch seinen Rücktritt heraufbeschworene brandgefährliche Situation ohne handlungsfähige sportliche Führung reagiert.

Das Wirken von Christian Heidel in seiner knapp dreijährigen Amtszeit ist diskutabel, Zeitpunkt und Art des Rücktritts nicht: Indem Heidel seinen Rücktritt „spätestens“ zum Saisonende verkündet und sich damit selbst zur „Lame Duck“ enteiert hat, hat er Schalke unter Zugzwang gesetzt. Unbestritten: Christian Heidel hat auf Schalke sinnvolle Modernisierungen der Infrastruktur eingeleitet. Auch viele seiner Transfers sind für sich betrachtet längst nicht so schlecht, wie es die teilweise unterirdische Performance der Mannschaft vermuten lassen könnte. Aber zu seinen immer wieder selbst erklärten Zielen von Nachhaltigkeit, Seriosität und einem positiveren Bild von Schalke passt der Rückzug in der größten Krise seit Jahren nicht!

Er habe immer Ruhe im Club gewollt, könne dafür aber derzeit nicht sorgen, weil er selber der Auslöser für die Unruhe sei, hieß es in Heidels Rücktrittserklärung. Deshalb habe er konsequent bereits nach dem Heimspiel gegen Freiburg dem Aufsichtsrat seine Entscheidung, seinen bis 2020 laufenden Vertrag nicht zu erfüllen, mitgeteilt. Und das alles unter Verzicht auf eine Abfindungszahlung…

Nicht vergnügungssteuerpflichtig

Das ist bei Weitem nicht so edel, wie sich das anhört: Wenn es für freiwillige Eigenkündigungen noch Abfindungen gäbe, stände Deutschland bald ohne Arbeitnehmer da. Und Heidel lässt den von ihm verpflichteten jungen Trainer Domenico Tedesco, die Mannschaft und den Verein Schalke 04 in einer sportlich ganz schwierigen Situation, für die seine Transferpolitik zumindest mitverantwortlich ist, im Stich! 

Nein, die Berichterstattung über Königsblau und Schalke in den Medien war in den letzten Wochen nicht vergnügungssteuerpflichtig – aber vieles davon war entweder normal oder hausgemacht. Wenn der Vizemeister der letzten Saison mit teilweise schaurigem Fußball auf Platz 14 herumkrebst, ist das ein Thema, ob man will oder nicht. Und wenn man laut nachdenkt, ob Ansprüche auf das internationale Geschäft und finanzielle Gegebenheiten zusammenpassen, muss man auch mit Hinweisen auf immerhin 154 Millionen Euro Transferausgaben in seiner Amtszeit leben können.

Dass auf Schalke ein anderer medialer Druck herrscht als im beschaulichen Mainz, wo er – kleine Ironie des Schicksals – nun seinen Rückzug verkündete, muss einem intelligenten Menschen wie Heidel vor seinem Amtsantritt klargewesen sein. Er wäre gut beraten gewesen, nach Clemens Tönnies‘ wenig glücklichen öffentlichen Nachdenken über einen Kaderplaner seine eigenen diesbezüglichen Anregungen darzulegen statt die Idee beleidigt abzulehnen. 

Auch die Äußerungen, er werde seinen Vertrag erfüllen, wenn die „Gesamtgemengelage“ stimmt, waren taktisch unklug. Schalke hat nach nunmehr 23 Spieltagen so wenig Punkte auf dem Konto wie seit 36 Jahren nicht mehr, seinerzeit stand am Ende der Abstieg – da ist Schnauze halten und Ärmel hochkrempeln gefragt und kein neues Riesenfass! 

Lieber warten

Das Mindeste wäre gewesen, mit dem Gang an die Öffentlichkeit so lange zu warten, bis der Aufsichtsrat einen Nachfolger verpflichtet hat, der die Geschäfte übernehmen und die Planung für die nächste Saison in Angriff nehmen kann. Heidel sagt selber, bereits seit der Winterpause über einen Rücktritt nachgedacht zu haben, da hätte er dem Verein auch noch eine ein- oder zweiwöchige Planungsphase ohne sämtliche Medien der Republik an den Hacken ermöglichen können, wenn er schon nicht noch einige Wochen die Füße stillhalten und sich zumindest so lange durchbeissen konnte/wollte, bis Schalke den Klassenerhalt sicher und einen Nachfolger gefunden hat. 

Dass es nunmehr trotz Heidels Flucht in kürzester Zeit für eine tragfähige Lösung gereicht hat, ist auch Huub Stevens zu verdanken, der Schneider aufgrund guter Zusammenarbeit in Stuttgart empfohlen haben soll. Heidel, der bereits bei Bekanntgabe seines Rücktritts recht distanziert wirkte („ich weiß nicht, ob die Mannschaft Abstiegskampf kann, aber sie wird es müssen“), ist damit endgültig überflüssig geworden.

Glück auf, Jochen Schneider und allzeit ein stabiles Rückgrat und ein glückliches Händchen!  

 


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PlatzVereinSp.ToreDiff.Pkt.
13Mainz 052627:45-1830
14Augsburg2637:47-1025
15Schalke 042627:44-1723
16Stuttgart2626:56-3020
17Hannover2624:61-3714

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