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90 Minuten mit Norbert Elgert
„Du hast keinen Grund, ein Arschloch zu sein, weil Du besser Fußball spielst als andere!“

Norbert Elgert. (Foto: Hein-Reipen)
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Gelsenkirchen – Norbert Elgert ist kein Mann der lauten Töne. Dennoch – oder deshalb – verkörpert er die Schalker Werte klarer, glaubwürdiger und erfolgreicher als viele andere. In der beliebten Schalker Talk-Runde „90 Minuten mit…“ gab er tiefe Einblicke in seine Überzeugungen. Was er über Schalke, Jugendspieler, unentbehrliche Qualitäten, Domenico Tedesco und vieles mehr zu sagen hatte, berichtet Susanne Hein-Reipen.

Punkt 19.04 Uhr eröffnet ein bestens gelaunter Moderator Jörg Seveneick den Abend und grinst „Seit dem Derby schwebe ich mindestens 15 cm über dem Boden! Ich freue mich,  den Meistermacher, Trainer und das Gesicht und Aushängeschild der Knappenschmiede begrüßen zu dürfen.“ Nachdem der Applaus verebbt ist, bedankt sich Norbert Elgert für die Vorstellung und Einladung, so weit, so normal. Doch schon im nächsten Moment blitzt ein wenig davon auf, was Norbert Elgert so besonders macht: Er wendet sich an die rund 150 Zuschauer im Schalker Medienzentrum und versichert, es erfülle ihn „mit Demut und Dankbarkeit, diesen Abend mit Euch verbringen zu dürfen, einer von Euch zu sein!“

Auf Kohle geboren

Seveneick zitiert den bekannten Elgert-Spruch „Ich bin auf Kohle geboren und mit Emscherwasser getauft“. Elgert ergänzt „In der Bergmannstraße in Gelsenkirchen, Etagenklo inklusive! Ich bin einfach stolzer Schalker!“ Die ersten Schritte auf dem Rasen unternahm der kleine Norbert als Vierjähriger zusammen mit seinem Bruder bei Westfalia Westerkappeln. Er erinnert sich „Wir hatten einen super Trainer in der Jugendabteilung!“ Mit nur 16 Jahren trainierte Elgert ebenfalls bereits kleinere Jugendmannschaften.

Wie Elgert fast bei Bayern gelandet wäre…

Dann Staunen im Publikum: 1975 wäre Elgert fast bei Bayern gelandet!?! Als 18-Jähriger war er Max Merkel aufgefallen, der mit den Bayern in Verhandlungen stand und ihn mitnehmen wollte. Merkel wurde jedoch Schalke-Trainer und holte gemeinsam mit Siebert auch Elgert zu Schalke. „Es war immer mein Traum, auf Schalke zu spielen, bei meinem Herzensclub!“

Elgert berichtet trocken, wie er bei seinem ersten Einsatz in einer Hitzeschlacht in Hamburg nach einem Torschuss überzeugt war, eine tolle Aktion gehabt zu haben und prompt von Helmut Kremers auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wurde: „Wenn Du noch einmal meinen Bruder übersiehst, wenn der besser steht als Du, war das Dein letztes Spiel!“ Die Hierarchien seien damals starrer gewesen als heute, wo vieles zu schnell gehe und junge Spieler nach dem Motto „Deutschland sucht den Superstar“ auf der Erfolgsleiter von 1 direkt auf 10 springen wollten. „Jeder Erfolg braucht ein solides Fundament! Man muss erst Lehrling und Geselle gewesen sein, um vielleicht einmal Meister zu werden.“

Elgert berichtet weiter, wie er einmal von Merkel („der war schon speziell und das Training nicht gerade Softeisessen!“) zusammengefaltet wurde, weil er im Trainingslager bei einem Ausdauerlauf gemeinsam mit dem deutlich älteren Stan Libuda ins Ziel lief. Dieser hatte sich einige Runden geschickt in den Wassergraben geduckt…

Zweiter Anlauf

Nach nur drei Einsätzen schien die hoffnungsvolle Karriere jedoch bereits vorbei zu sein, denn bei Elgert wurde ein schwerer Nierenschaden diagnostiziert und der Arzt prophezeite ihm, Profifußball könne er vergessen. „Ich habe das Comeback trotzdem geschafft, obwohl ich nie so gesund war wie andere. Mit der richtigen Einstellung und Training geht Vieles!“ Nach drei Jahren bei Westfalia Herne kehrte Elgert 1978 nach Schalke zurück.

Jörg Seveneick holt jetzt mit Mathias Schipper einen Mitspieler aus dieser Zeit auf die Bühne. Dieser beschreibt Elgert als „einen, der nie nach vorne geprescht ist, immer eher ruhig war und nicht viel gesagt hat – aber wenn, dann musstest Du einen Moment innehalten und überlegen, was dahintersteckt!“

Demut und Selbstvertrauen – und kein Arschloch sein!

Dann kommt wieder so ein typischer Elgert-Satz, für den ihm die Fans des Kumpel- und Malocherclubs zu Füßen liegen: „Demut ist wichtig, aber auch ohne Mut und Selbstvertrauen hast Du keine Chance, es darf nur nicht in Arroganz umkippen. Das Talent eines Fußballers steht nicht höher als das eines Handwerkers, weil er in den schönsten Stadien der Welt spielt. Du hast einfach keinen Grund, ein Arschloch zu sein, nur weil Du besser Fußball spielst als andere!“

Dann gibt es einige Filmaufnahmen mit Elgert-Toren, darunter Doppelpacks in Düsseldorf und gegen Bielefeld. Er grinst: „Ich freue mich, dass meine Tochter Jenny hier ist, jetzt glaubst Du endlich, dass Papa mal Bundesliga gespielt hat!“ Die Doppelpacks seien schon speziell gewesen, denn trotz regelmäßiger Tore sei er „kein echter Torjäger gewesen“.

Ganz eigene Art

Schipper charakterisiert weiter, Elgert habe viel mit Kampfgeist und seiner ganz eigenen Art wettgemacht und auch bei Toren „nie viel Trara“ gemacht. Und er habe ihn mit seiner geduldigen Art, im Training Dinge nötigenfalls tausendmal zu wiederholen („ruhig, das klappt schon irgendwann!“), manchmal zur Weißglut getrieben. „Und so isser auch Auto gefahren, mit weniger als 50 auf der linken Spur!“ Elgert versetzt grinsend „Boah, müsst Ihr einen Respekt vor mir gehabt haben, dass mir das nie einer gesagt hat!“

Saison 1978/79, „Abstiegsendspiel“ gegen Bielefeld, Elgert kommt zur Halbzeit rein, die Mannschaft dreht ein 0:1 in ein 4:1. „Es ist halt erst vorbei, wenn es wirklich vorbei ist! Das hat man ja auch am Wochenende gesehen, das war großartig und hat uns alle sehr stolz gemacht!“ Saison 1980/81, Elgert wird mit 10 Treffern in nur 23 Einsätzen bester Schalker Torschütze. Und wieder Elgerts schon fast legendäre Bescheidenheit: „Nur, weil Klaus Fischer nicht richtig fit war!“ Der Abstieg sei dennoch verdient gewesen, „wir waren einfach nicht gut genug. Viel wichtiger aber ist: Wir haben es im Jahr darauf gemeinsam wieder korrigiert und sind Zweitligameister geworden, es war selbstverständlich, die Suppe wieder auszulöffeln!“

Weil ich doof war!

Auf Seveneicks Nachfrage, warum er 1982 nach Osnabrück gewechselt sei, versetzt Elgert trocken „na, weil ich doof war! Aber jeder darf Fehler machen, nur nicht immer wieder.“ Seine Saison sei „so mittel“ gewesen, daraufhin habe Rudi Assauer zu ihm gesagt, er könne bleiben oder gehen. Heute wisse er, dass das übersetzt hieß „bleib lieber, aber komm bloß nicht auf die Idee, mit mir zu verhandeln!“, damals sei er beleidigt gewesen.

Über Osnabrück und Wattenscheid verabschiedete sich Elgert relativ früh aus dem aktiven Profigeschäft, „weil ich ja auch viele Verletzungen hatte“. Für einige Zeit war er dann ganz raus aus dem Fußball und machte sich mit einem Fitnessstudio selbständig. Zum großen Glück für Generationen von Schalkern machte er jedoch den Trainerschein und kehrte über einige unterklassige Vereine 1996 auf Anruf von Bodo Menze und Rudi Assauer auf Schalke zurück. „ich bin hierhin geflogen, zum dritten Mal bei „meinem“ Verein!“

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Tabelle

34. Spieltag
PlatzVereinSp.ToreDiff.Pkt.
12Mainz 053446:57-1143
13Freiburg3446:61-1536
14Schalke 043437:55-1833
15Augsburg3451:71-2032
16Stuttgart3432:70-3828

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