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Fans bejubeln Heimsieg
Schalke 04: Wichtige Punkte, tolle Bilder und riesengroße "GEfühle"

Ralf Fährmann vor der Nordkurve. (Foto: Hein-Reipen)
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Gelsenkirchen – Als das Freitagabendspiel der Fußball-Bundesliga zwischen dem FC Schalke 04 und Hannover 96 beendet war, pfiff ein kühler Wind um die Veltins-Arena, doch den 61.229 Zuschauern konnte das nichts anhaben: Nach mehreren emotionalen Höhepunkten gingen sie innerlich erwärmt mit dem Gedanken „Schalke ist der geilste Club der Welt! Isso!“ nach Hause.

Vor dem Spiel herrscht an den königsblauen Fantreffs eine Mischung aus Hoffnung, dass die gute Freitagsbilanz der Knappen ausgebaut werden kann und dem Bangen, auch gegen vermeintlich gut schlagbare Hannoveraner die Kugel nicht über die Linie zu bringen. Auf dem Parkplatz 7 röhren derweil schon die Schneekanonen für das Biathlon-Spektakel auf Schalke und liefern ideale Glühweinatmosphäre.

Auf dem Arenaring  läuft derweil eine weitere Folge der beliebten Serie „er war jung und brauchte das Geld“ über die skurrilsten Studentenjobs: Einige lebensgroße Kondome sammeln viel Gelächter und Spenden zum Welt-Aids-Tag. Zwei beleibte Herren philosophieren, wie sich „so’n Ganzkörper-Lümmel“ wohl anfühlt; einige Reihen weiter sind sich eine königsblaue Omma und ihre circa 14jährige Enkelin völlig einig, dass sie gerne mal Leroy Sané durchs Haar wuscheln würden. Perfekte Mehrgenerationenharmonie in königsblau.

Einmalige Choreo

Danach ändert sich der gewohnte Ablauf bei Abendspielen: Statt der immer sehr stimmungsvollen Verdunkelung beim Steigerlied kurz vor dem Anpfiff wird dieses bereits mit vollem Licht- und Stimmeinsatz herausgebrüllt, als die Mannschaft sich noch warmmacht. Den Grund erfahren die Zuschauer wenig später: Capo Kanne von den Ultras Gelsenkirchen ergreift das Mikro des Stadionsprechers und bittet das Publikum um Mithilfe zu einer in Deutschland noch nie dagewesenen Choreografie.

Die UGE hat weder Kosten (30.000 € machten die Runde) noch Mühen gescheut und in sechs  Monaten und zahllosen Arbeitsstunden eine gigantische Präsentation auf die Beine gestellt, bei der nicht „nur“ die Nordkurve mit Transparenten in ein blauweißes Wohnzimmer verwandelt wird; nein, eine der großen Blockfahnen über den Blöcken G und H stellt einen überdimensionalen Fernseher dar. Das Licht geht endlich aus und zwei Hochleistungs-Beamer projizieren auf diesen nach einem Schalker Testbild dem Film „FC Schalke 04: Zwischen Mythos, Titel und Tränen“. Werner Hansch, „Stimme des Reviers“ und ehemaliger Schalker Stadionsprecher, kommentiert darin auf seine unnachahmliche Art und Weise in 04 Kapiteln die Schalker Vereinsgeschichte.

Unter den Überschriften „Ein Mythos entsteht“, „Wachstum und Erfolg“, „Turbulente Zeiten“ und „Titel und Tränen“ laufen dort ergreifende Bilder aus 111 Jahren Vereinsgeschichte: Zechen, Glückaufkampfbahn,  Kuzorra, Kreisel, Stan Libuda, Abstiege, Charly, 6:6, der UEFA-Cup-Sieg, die Meisterschaft der Herzen und vieles mehr werden wieder lebendig. Parallel dazu erscheinen die Titelbilder als „Filmstreifen“ in der Nord. Niemand im Publikum kann sich dagegen wehren, unaufhaltsam von einem gewaltigen „Hühnerfell“ befallen zu werden, einige Schalker verdrücken sogar das eine oder andere Tränchen. Ganz, ganz großes Gefühlskino!

 

 

Doch wer denkt, dieser hochemotionale Beginn des Abends sei nicht mehr zu toppen, irrt. Die Partie gegen die Gäste aus Niedersachsen beginnt zwar ein wenig zäh, doch das „emotional aufgeladene“ Publikum steht von Beginn an geschlossen und schaaa-la-la-laut hinter der Mannschaft und lässt im stimmgewaltigen Dauersupport auch nicht locker, als Huntelaar, Sané und Meyer einige Großchancen versieben. Einzig der unterirdische Zustand des Rasens sorgt für Kritik, kaum ein Spieler schafft es ohne Ausrutscher in die Pause.

Top-Gesprächsthema bei Bier und Glühwein ist aber nicht der Acker, sondern die wunderbare Choreo und die Frage, ob es sich wieder rächen wird, dass die Chancen nicht verwertet wurden. Die Antwort gibt es nach sechs Minuten im zweiten Durchgang: Johannes Geis vollstreckt unhaltbar für Zieler einen am Hunter verursachten Foulelfmeter. Das Ende seiner Durststrecke nach der Sperre, das Ende aber auch einer Schalker Flaute.

Wie bereits in den Heimspielen zuvor zeigt die Nordkurve auch diesmal, dass sie dem Aufsichtsratsvorsitzendem Clemens Tönnies äußerst kritisch gegenübersteht: „Falsche Fäden ziehen schon jahrelang, für unser Schalke bist Du der falsche Mann. Tönnies raus!“ lautet das Transparent. Auch das böse Banner im I-Block „Auf dem Rücken der Toten setzt Ihr Eure kranken Interessen durch“ zeigt, dass die Kurve das peinliche Rührstück um die tränendrüsenstrapazierend und wiederwahlfördernd aufbereitete Überführung der sterblichen Überreste von Ala Urban nicht vergessen hat.

Torkrise beendet

Auf dem Platz platzt der Knoten auch bei Klaas-Jan Huntelaar, der in der 73. Minute eine mustergültige Hereingabe des sehr agilen Max Meyer zum 2:0 verwertet. Nicht nur das Publikum, auch Trainer Breitenreiter geht an der Seitenlinie ab wie das berühmte Zäpfchen. Die Schals fliegen nach oben, der Mythos dröhnt durch die Arena, gefolgt von einer spontanen Gänsehautedition des „Königsblauen S 04, König bist Du im Revier“. Einfach nur schön!

Der zwischenzeitliche Anschlusstreffer zum 2:1 von Saint-Maximin (81.) nach einer Unaufmerksamkeit von Höwedes lässt leise Fragen aufkommen, ob nun doch wieder Zittern angesagt ist – aber nicht lange, denn mit dem kurz zuvor eingewechselten Franco di Santo trägt sich im unmittelbaren Gegenzug auch das dritte Sorgenkind per Kopfball in die Torschützenliste ein. La Ola saust mehrfach um die Arena; Schalkewalzer, „Haaaannover fällt“ und noch einmal der Mythos zeigen lautstark die Erleichterung aller. Geis und Huntelaar bekommen bei ihrer Auswechslung donnernden Szenenapplaus, ebenso die Blitztabelle nach dem 3:1- Endstand: Sprung auf Platz 04 geglückt.


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Vielleicht wäre bei anderen Vereinen an dieser Stelle Schluss, nicht so auf Schalke. Als die Mannschaft nach dem Verschwörungskreis zum Dank in die Kurve geht, winkt Kanne Torhüter Ralf Fährmann zu sich. Kurzer freundschaftlicher Wortwechsel, dann trabt der Keeper zur Mannschaft zurück, doch statt der gewohnten Welle schwingen sich alle über die Bande und bahnen sich den Weg in die Nordkurve. Und dann geht, angetrieben von Kanne, Dennis, den UGE-Trommlern und Fährmann und Höwedes eine einmalige Sause ab. „Schalke ist der Geilste Club der Welt“ und der unverwüstliche Mythos sitzen textlich perfekt; wenn Fährmann eines hoffentlich fernen Tages die Torwarthandschuhe an den Nagel hängt, kann er nahtlos eine zweite Karriere als Capo starten. Auch die anderen Spieler hüpfen freudestrahlend mit und genießen die wiedergewonnene Liebe der Fans sichtlich. Choupo-Moting gibt grinsend einem Fan sein letztes Hemd und wird mit einem dicken Schmatzer belohnt.

Dass eine ganze Mannschaft nicht nur vor, sondern hautnah IN der Kurve mit ihren Fans feiert, dürfte in Deutschland ziemlich einmalig sein. Für die, die dabei waren, war es ein perfekter Schlusspunkt unter einem wunderschönen Abend, der wieder einmal vermittelt hat, warum Schalke bei aller Verrücktheit und allem zwischenzeitlichen Frust eben doch ein Tacken größer, emotionaler, besser ist. Auch Trainer Breitenreiter und Johannes Geis äußerten sich restlos begeistert. „Die Choreo unserer Fans war der Wahnsinn. Wir haben die Bilder vor dem Anpfiff in der Kabine gesehen. Das hat uns noch einmal zusätzlich gepusht. Sie haben sich extrem viel Mühe gegeben. Wir wollten ihnen unbedingt etwas zurückgeben. Nach dem Schlusspfiff haben wir uns bei unseren Anhängern bedankt und sind in die Kurve gegangen. Ich glaube, dass solch ein enger Zusammenhalt nicht alltäglich ist.“

Manchmal gibt es die Weihnachtsgeschenke doch schon am zweiten Advent…

 


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Tabelle

34. Spieltag
PlatzVereinSp.ToreDiff.Pkt.
12Mainz 053446:57-1143
13Freiburg3446:61-1536
14Schalke 043437:55-1833
15Augsburg3451:71-2032
16Stuttgart3432:70-3828

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