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Der Wir-haben-ein-Problem-Spielbericht
Schalke-Fans verspotten ihre Mannschaft und fordern: Wir woll’n Euch kämpfen seh’n!!!

(Foto: Hein-Reipen)
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Augsburg – Der FC Augsburg und Schalke 04 trennen sich 1:1 (1:0). Die erste Halbzeit der Knappen ist dabei so  unterirdisch, dass selbst die treuen königsblauen Fans sich in bitterbösen Sarkasmus flüchten und mehrfach skandieren „Wir woll’n Euch kämpfen seh‘n!“ Susanne Hein-Reipen über ein Pulverfass, das durch den verbesserten Einsatz in der zweiten Halbzeit nur teilweise entschärft werden konnte.

Ein Jahr, zwei Welten

Augsburg, Mai 2018: Fast 5.000 Schalkern platzt vor Begeisterung fast die Hose, weil Schalke durch den 2:1-Sieg beim FCA die Vizemeisterschaft klar macht. „Wir brauchen keine Schale, wir scheißen auf Pokale, deutscher Vizemeister S 04…!“ ist der Ohrwurm des Tages, Fans und Mannschaft feiern gemeinsam völlig losgelöst eine geile Saison, die sämtliche Erwartungen übertroffen hat.

Augsburg, Dezember 2018: Fast 5.000 Schalkern platzt vor Wut der Kragen. Die erste Halbzeit zeigt einen in jeder Hinsicht indiskutablen Auftritt des Tabellendreizehnten beim Vierzehnten. Da auch mehrmaliges „Wir woll’n Euch kämpfen seh’n!!!“ nicht zu fruchten scheint, flüchten sie in bitterbösen Sarkasmus: Zur Melodie von „Bella Ciao“ gibt’s eine fast halbstündige Endlosschleife „Der FC Schalke wird deutscher Meister und wir hoooolen den Pokaaaal!“ Humor ist, wenn man trotzdem lacht – und das Heimpublikum glaubt, in Gelsenkirchen sei der kollektive Wahnsinn ausgebrochen.

Augsburg ist immer eine Reise wert

Aber der Reihe nach… Eigentlich ist Augsburg ein tolles Reiseziel für die königsblaue Auswärtsmeute: Das vielfach preisgekrönte Fanprojekt „Augsburg Calling“ hat wieder zahlreiche gemeinsame Aktionen initiiert, der Augsburger Weihnachtsmarkt zählt zu den Schönsten im Lande – und im „Bayerischen Haus am Dom“  fliegt immer die Kuh tief, wenn Schalke und die Schalker in der Stadt sind. Denn Wirt Jörg ist selber tief in der Wolle gefärbter Schalker Vielfahrer und scheut weder Kosten noch Mühen noch Promille, damit sich Schalker aus nah und fern bei ihm sauwohl fühlen können. 

Haxe und Schweinebraten zum Frühstück? Kein Problem, schließlich muss man sich ja für den Auswärtssieg stärken! Die Laune ist hervorragend, das Bier fließt in Strömen, die eigens gecharterten Shuttlebusse sind pünktlich, läuft. Die zwei Augsburger „Immis“ im ansonsten komplett in Schalker Hand befindlichen Bus tragen ihr Schicksal mit Fassung; der Busfahrer ebenfalls, auch als er im Stau vor der WWK-Arena den Motor abwürgt und mit einem Aufschrei „Scheiß Elektromobilität!“ und Ovationen gefeiert wird.

War Johnny Controletti Augsburger?

Auf dem Gästebusparkplatz tragen viele stolz ihre „Choreomütze“ aus dem Derby, dann heißt es: Anstehen. Die Einlasskontrollen sind wie immer äußerst kleinteilig, schließlich könnte in Portemonnaie, Brillenetui oder Lippenpflegestift eine Atombombe ins Stadion gebracht werden. Die minutenlang zu öffnenden Jacken sorgen bei Temperaturen um den Gefrierpunkt auch für eher überschaubare Begeisterung.

Im Stadioninneren sind sowohl die Heimkurve unter dem Banner „Ulrich-Biesinger-Tribüne“ als auch der Gästeblock noch sehr ruhig unterwegs. Insbesondere die Schalker wundern sich über das eigenartige Fangnetz – es deckt zwar die Sitzblöcke auf der Südtribüne, nicht jedoch den eigentlichen Gästeblock ab?! – und die Aufstellung. Naldo UND Sané in einer Dreierkette, dazu Stambouli? Die etatmäßigen Außenverteidiger Caligiuri und Oczipka rotieren wieder rein, statt Mascarell steht Rudy neben Serdar im defensiven Mittelfeld. Vorne dürfen Harit, Skrzybski und Teuchert ran, Kutucu muss wieder auf die Bank; Konoplyanka und Goller, im CL-Spiel gegen Lok Moskau durchaus mit ansprechenden Ansätzen, sind nicht einmal im Kader.

Tabelle

34. Spieltag
PlatzVereinSp.ToreDiff.Pkt.
12Mainz 053446:57-1143
13Freiburg3446:61-1536
14Schalke 043437:55-1833
15Augsburg3451:71-2032
16Stuttgart3432:70-3828

Eine schöne Tradition von „Augsburg Calling“ ist eine gemeinsame Stadionrunde von FCA- und Gästekindern während des Vereinslieds „Du bist Glanz und Gloooooria, unser FCA!“ Die kleinen Schalker recken ihre Schals inbrünstig und stolz inmitten der rot-weiß-grünen Übermacht hoch und bekommen natürlich entsprechenden Beifall des Gästeblocks. Die Partie ist mit 27.233 Zuschauern nicht ausverkauft.

Eine erste Halbzeit für die Tonne

Zum Einlaufen der Mannschaften stimmt der Schalker Block „Olé FC Schalke“ an, gefolgt vom „Königsblauen S 04“ und „Schalke ist der geilste Club der Welt“. Dieser geilste Club spielt jedoch leider ziemlich ungeil und lässt den Augsburgern, die die letzten vier Spiele sang- und klanglos verloren haben, so viel Platz, dass Gregoritsch, Khedira und wieder Gregoritsch bereits in den ersten Minuten mehrere gute Chancen herausspielen können. 

In der 13. Minute nimmt sich dann auch Kapitän Fährmann einen Patzer und boxt den Ball statt aus der Gefahrenzone mit einer schönen Bogenlampe auf den Scheitel von Gregoritsch, der sich prompt mit dem 1:0 bedankt. Sch…ade.

Die Gästekurve schaltet bereits leicht angenervt auf „Schalke hat die geilsten Fans der Welt“ um, dann keimt kurzfristig wieder Hoffnung auf: Teuchert köpft den Ball in das von Luthe gehütete Tor der Gastgeber, aber er steht leider im Abseits.

Wir woll’n Euch kämpfen seh’n!

Und es geht unerfreulich weiter, die Chancen liegen auf Augsburger Seite, Schalke fehlen nach vorne sämtliche Ideen. Als Koo nach 25 Minuten fast das 2:0 erzielt hätte, reicht es den Fans der Knappen: „Wir woll’n Euch kämpfen seh’n!“ schallt aus dem Block. Wer die Mentalität im Ruhrpott kennt, weiß: Die Fans verzeihen dem Verein ihres Herzens verdammt Vieles, aber nicht mangelnden Einsatz. Diese Aufforderung ist Vorwarnstufe dunkelrot vor der verbalen Höchststrafe „Wir sind Schalker und Ihr nicht!“

Bei einem Freistoß von Oczipka stehen sich Sané und Naldo im Weg, mehrere Ecken verpuffen irgendwo auf Kniehöhe. Vor dem Schalker Block fiebern und leiden die sich warmlaufenden Ersatzspieler mit. Das Liedgut ist entsprechend „Auf geht‘s Blau-Weiß, holt euch den Sieg für uns“, Auf geht’s Schalke, kämpfen und siegen!“, „ Auf geht‘s Schalke schieß‘ ein Tor“ und natürlich „Steht auf, wenn Ihr Schalker seid!“ sollen die Mannschaft nach vorne tragen, doch davon ist (zu) wenig zu sehen. Also nochmal „Wir woll‘n Euch kämpfen sehn“. Und nochmal. Und nochmal. Und ein sattes Pfeifkonzert zur Pause.

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PlatzVereinSp.ToreDiff.Pkt.
12Mainz 053446:57-1143
13Freiburg3446:61-1536
14Schalke 043437:55-1833
15Augsburg3451:71-2032
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