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Der Ende-einer-Ära-Spielbericht
Schalke feiert würdigen Abschied von der Steinkohle und ärgert sich über unwürdiges Spiel

(Foto: Hein-Reipen)
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Gelsenkirchen – Eine feierliche und sehr ergreifende Zeremonie und eine tolle Choreo vor dem Spiel, ein bombastisches Feuerwerk nach dem Schlusspfiff: Der FC Schalke 04 zieht alle Register, um sich vor den Bergleuten, die Verein, Ruhrgebiet und Land prägten, zu verneigen. Der Auftritt der Mannschaft bei der 1:2-Heimniederlage hingegen erzeugt blanke Wut. Susanne Hein-Reipen berichtet ausführlich über einen mehr als denkwürdigen Abend.

Dieser Tag steht komplett im Zeichen des Abschieds vom Steinkohlebergbau. Bereits beim nachmittäglichen Kräftemessen der beiden „Legenden-Mannschaften“ mischen sich Zuschauer mit Grubenhemden und -helmen unter das Publikum. Die Atmosphäre ist noch sehr relaxt, gelegentlich steht eine Legende quarzend vor der Sporthalle am Parkplatz 7, andere wie Ulf Kirsten, immer noch mit dem Kampfgewicht aus aktiven Tagen, werfen sich in das Spiel als wäre es ein Championsleaguefinale.

Ganz Schalke ist eine große Zeche

Die Arena könnte heute auch eine Zeche sein. Immer mehr Grubenhemden sind zu sehen, viele davon mit der Aufschrift „Danke Schalke!“ auf dem Rücken. Dazu gesellen sich zahlreiche Bergmannsuniformen, auch Stadionquatscher Dirk und Maskottchen Erwin sind stilecht gekleidet. Steiger-Outfits, Grubenwehr-Helme, Zechen-T-Shirts, sehr viele Fans bringen auch optisch ihre Verbundenheit mit den Kumpels zum Ausdruck.

Am Ausgang des Spielertunnels dampft eine Kohle-Lore vor sich hin, sogar das Vereinslogo wurde für diesen Tag geändert: Auf dem Würfel prangt das Wappen des „Kumpel- und Malocherclubs“ mit Schlägel und Eisen. Auf den Werbebanden laufen die Namen der ehemaligen Gelsenkirchener Zechen

von Alma bis Wilhelmine Victoria. Beim Veltins-Fanspiel treten Teams der beiden letzten aktiven Zechen Prosper Haniel und Ibbenbüren gegeneinander an, wobei sich insbesondere die Jungs von Prosper als deutlich treffsicherer erweisen als die Schalker Stürmer. Dann performt Rapper Muetze sein neues Lied „Schicht im Schacht“.

Über der Nordkurve hängt natürlich das Banner „Gegründet von Kumpeln und Malochern“. Die Mannschaft läuft wie angekündigt mit Zechennamen statt Werbung auf der Brust auf, die einzigartigen Trikots werden zugunsten von „Schalke hilft!“ versteigert. Die entsprechenden T-Shirts gehen weg wie geschnitten Brot.

Zeremonie rührt viele Fans zu Tränen

Dann heißt es ganz tief durchatmen: Das Vereinslied „Blau und Weiß wie lieb ich Dich“, sonst krönender Abschluss unmittelbar vor dem Spiel, bildet heute nur den Auftakt für die offizielle Verabschiedung der Bergleute. Einige Leverkusener stören die Stimmung durch komplett unpassende Gesänge, werden jedoch schnell niedergepfiffen und von Dirk zur Ordnung gerufen.

Unter dem feierlichen Motto „Zu Ehren unserer Kumpel und Malocher“ marschieren immer mehr Bergleute in die verdunkelte Arena ein. Ruhrkohle-Vorstandsvorsitzender Peter Schrimpf trifft in einer kurzen, aber markanten Ansprache den Nerv aller Menschen, die jemals ein Herz für das Ruhrgebiet hatten. Als er den überflüssigen Tod eines jungen Bergmann noch bei den Rückbauarbeiten betrauert (er hätte auf Schalke mit dabei sein sollen, seine Kumpels haben nunmehr auf dem ihm zugedachten Sitzplan eine Grubenlampe aufgestellt) und Schalke und den Fans für ihre unverbrüchliche Treue und Verbundenheit dankt, glitzern in vielen Augen Tränen. Die vielen „Danke Schalke“-Grubenhemden unterstreichen seine Worte eindrucksvoll.

Clemens Tönnies nimmt sichtlich schluckend das letzte Grubenlicht entgegen und schwört, dass Schalke es nie erlöschen lassen werde. Dann stimmt der Ruhrkohle-Chor das Steigerlied an und jeder der 61.548 Zuschauer, der nicht gerade vor lauter Kloß im Hals keinen Ton rausbringt, stimmt inbrünstig mit ein. Optisch untermalt wird dieser Gänsehautmoment von einem großen Funkenkreis, aus dem Schlägel und Eisen leuchten – und einer weiteren grandiosen Choreographie in der Nordkurve: Langsam steigt ein Bergmann, der eine Lore zieht, aus der Tiefe hoch, untermalt von tausenden schwarzen Fahnen mit Schlägel und Eisen. Im Oberrang ist dann zu sehen, wie der Kumpel sich in der Kaue seiner Bergmannsklamotten entledigt und in die blau-weiße Fußballkluft steigt. Besser kann man die Anfänge von Schalke nicht visualisieren!!!

Nach dem Steigerlied stimmt die Nordkurve noch „Kohle unter unser‘n Füßen“ an, auch die Einlaufkinder sind als Minibergleute gekleidet.

Erste Halbzeit als eiskalte Dusche

Nach so großen Gefühlen fällt der Umstieg auf das sportliche Geschehen nicht leicht, zumal die Aufstellung bei vielen Fans einmal mehr für großes Kopfschütteln sorgt. Rudy, teuerster Transfer und angeblich Wunschspieler von Tedesco, ist nicht einmal im Kader, vier weitere Wechsel würfeln die Elf, die in Augsburg in der zweiten Halbzeit wenigstens einen Punkt rettete, durcheinander. Es beginnen Fährmann, Caligiuri, Sané, Nastasic, Oczipka, Stambouli, Bentaleb, Schöpf, Harit, McKennie und Wright.

Die Nordkurve versucht, mit „Steht auf, wenn Ihr Schalker seid“, den Ruhrpottkanaken und dem Wechselgesang – zunächst das klassische SCHALKE – NULLVIER!, dann GLÜCK – AUF! mit allen anderen Tribünen, den Takt vorzugeben, aber die lebendige und emotionale Stimmung springt nicht auf den Rasen über. Nach wenigen Minuten lässt sich Schalke von den Gästen fast vollständig den Schneid abkaufen. Nach Großchancen für Bailey und Kohr und erneut Bailey (Innenpfosten) ist es Dragovic, der Fährmann tunnelt und das 1:0 erzielt (26.). Die kurzzeitige Schalker Hoffnung, dass es Abseits sei, zerstört der Videoschiedsrichter, wütende „Scheiß DFB!“-Rufe sind die Quittung. „Seitdem Nübel zeigen konnte, was er kann, ist Fährmann ein Nervenbündel“ kommentiert ein älterer Herr sorgenvoll den zweiten dicken Bock des Kapitäns innerhalb einer Woche.

Kippt die Stimmung?

Harit sieht gelb wegen angeblicher Schwalbe, der Kurve gefällt das nicht, aber die Szene ist nicht eindeutig und Harit hat leider den Ruf, bisweilen zu leicht abzuheben. Auch beim 0:2 durch Alario (35.) sehen Nastasic und Fährmann gar nicht gut aus. Nun ertönen wie bereits in Augsburg wütende „Wir woll‘n euch kämpfen sehn!“ und „Spieler kommen, Spieler geh’n“-Rufe aus der Nordkurve, dazu die Aufforderung „Auf geht‘s Schalke schieß‘ ein Tor“. Rückpässe auf Fährmann werden mit Pfiffen bedacht. Kippt die Stimmung?

Für eine Verschnaufpause sorgt in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit Wright, der eine von McKennie verlängerte Ecke an Hradecky vorbei ins Tor knallt. Nur noch 1:2, gefühlt der erste erfolgreiche Standard seit Monaten. Geht da noch was?

In der Fanbox dreht sich, na klar, auch alles um den Kohle-Abschied. Auch Thomas Kirschner spricht im Namen der Abteilung Fanbelange der Nordkurve ein dickes Dankeschön für die tolle Choreo aus und erzählt von dem rund 18 Tonnen schweren letzten Kohle-Hobel von Prosper-Haniel, der seit dieser Woche wunderschön blau-weiß lackiert auf schalke zu bewundern ist. Großen Anklang findet ein Spendenaufruf für die in Finanznöten steckende SG Wattenscheid, ist die Lohrheide doch vielen Besuchern Schalker Jugendspiele bestens vertraut. Kirsches Weihnachtswunsch, dass es „sportlich wieder etwas besser“ laufen möge, ist mehrheitsfähig, „nächste Saison wieder international“ ruft eher Heiterkeit hervor. Hinweise auf das Trainingslager in Benidorm und den gemeinsamen Weihnachtsmarktstand von UGE, Fanbelangen und Schalke hilft! runden die wie immer kurzweilige Info ab.

Sie waren stets bemüht…

Eine tödliche Floskel in Arbeitszeugnissen ist „Er hat sich stets bemüht“, weil dort unausgesprochen „…hat aber nix gebracht, weil er nix kann“ mitschwingt. Leider ist das eine treffende Zusammenfassung des Schalker Auftritts in der zweiten Halbzeit.

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  • Seite 2: Schicht im Schacht

 


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Tabelle

34. Spieltag
PlatzVereinSp.ToreDiff.Pkt.
12Mainz 053446:57-1143
13Freiburg3446:61-1536
14Schalke 043437:55-1833
15Augsburg3451:71-2032
16Stuttgart3432:70-3828

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