Der FC Schalke 04 auf Twitter & Facebook

Unser Service... Schalke-Artikel exklusiv auf Twitter @westline_s04 und Facebook

1:3 gegen den Tabellenführer
Schalke gegen Bayern: Der Abend der unbequemen Wahrheiten

(Foto: Hein-Reipen)
(Foto: Hein-Reipen)
(Foto: Hein-Reipen)
326

Gelsenkirchen – Im Ruhrpott pflegt man nicht lange um den heißen Brei zu quatschen, sondern schätzt offene Worte und direkte Ansprachen. Auch beim Topspiel Schalke 04 gegen Bayern München am Samstagabend wurde nicht an klaren Ansagen gespart…

Den größten Aufreger gibt es bereits vor Anpfiff der Partie: Der überwältigende Teil der Fans ist sich der angespannten Sicherheitslage und Nerven nach den Ereignissen der vergangenen Woche mit den Attentaten in Paris und der Absage des Länderspiels in Hannover bewusst und lässt geduldig die akribischen Zugangskontrollen über sich ergehen. Einige gewalttätige Bayern- und Bochumanhänger hingegen versuchen, den Eingang Nord zu stürmen und verletzen zahlreiche Schalker mit Flaschen und Faustschlägen. Die Polizei Gelsenkirchen spricht von einem „extrem gewalttätigen Übergriff“. Die Meinungen in der Arena sind klar: Extrem beschränkte Idioten, ausgerechnet in der derzeitigen Situation, wo sich der Fußball um die Rückkehr zur Normalität bemüht, wahllos auf Fans einzudreschen. Sehr ähnlich positioniert sich nach dem Spiel Bayern-Vorstandsvorsitzender Rummenigge, der verspricht, gegen die dem FC Bayern zugeordneten Gewalttäter vorzugehen.

In der Arena bekommt Manuel Neuer bereits beim Warmmachen die erste verbale Breitseite der Nordkurve ab: Neben gellenden Pfiffen gibt es einige nicht jugendfreie Vermutungen zur Profession seiner Mutter. (Königsblog-Autor Torsten Wieland hatte zum Thema hier bereits geschrieben)

In der Schweigeminute beider Teams zum Gedenken an die Opfer der Attentatsserie in der französischen Hauptstadt hingegen hätte man in der Arena die berühmte Stecknadel fallen hören können. Selten waren 61.000 Menschen so ruhig, selten fühlten sich alle so betroffen, dass auch kein Betrunkener meint, etwas Unpassendes in die Stille reinschreien zu müssen. „Terrorismus hat keine Religion!“ auf einem Banner in der Nordkurve mahnt vor Pauschalverurteilungen.

Mit der Ruhe ist es dann aber mit dem Anpfiff schlagartig vorbei. Die Fans in der Nordkurve treiben nicht nur von der ersten Sekunde an die Knappen nach vorne, sie zeigen auch mit zwei großen Transparenten „Tönnies nimm endlich Deinen Hut – dann wird auf Schalke alles wieder gut!“ deutlich, was sie vom Aktionismus des Aufsichtsratsvorsitzenden halten.

Auf dem Platz zeigt der S 04, bei dem Kapitän Benedikt Höwedes nach seinem Mittelhandbruch wieder in die Startelf rückt, zunächst zu viel Respekt vor dem ungeschlagenen Tabellenführer  und überlässt den Bayern früh die Kontrolle des Spiels, was sich bereits in der 9. Minute rächt: Mit einer von Goretzka noch abgefälschten Bogenlampe von Alaba ins rechte obere Toreck geht der Favorit aus München 1:0 in Führung. Die Kommentare auf den Rängen zu diesem frühen Rückstand sind größtenteils nicht druckreif.

Das befürchtete Debakel bleibt indes aus, die königsblaue Elf zeigt gute Moral und hervorragenden Einsatz und kann in der 17. Minute ausgleichen: Publikumsliebling Leroy Sané erobert das Leder in der eigenen Hälfte und passt nach schönem Solo auf Max Meyer, der Lahm ausspielt und Manuel Neuer mit einem Aufsetzer in die rechte untere Ecke verlädt. Diese wunderschöne Koproduktion der Knappenschmiede ausgerechnet gegen den ungeliebten „Judas“ wird natürlich von allen Schalkern frenetisch gefeiert. „Neuer ist nervös!“ schallt dem Nationalkeeper hämisch entgegen.

Danach entwickelt sich ein offener und weitgehender ausgeglichener Schlagabtausch, bei dem zwingende Chancen jedoch auf beiden Seiten Mangelware bleiben. Den Schalker Anhang stört das indes herzlich wenig, man vertreibt sich mit wechselseitigen Scha-lalala-lalalaaaa-SCHALKE-Anfeuerungsrufen die Zeit und bejubelt einen neuen Schalker, als der Stadionsprecher einem Fan via Lautsprecheranlage mitteilt, dass er gerade zum 04. Male Vater geworden ist.

Mit Applaus für die couragierte erste Halbzeit werden die Schalker in die Pause verabschiedet. Maskottchen Ährwin erhält eine „Sponsorenaufmerksamkeit“ für sein plüschiges Handgelenk; neben Gerstensaft findet auch Glühwein reißenden Absatz.

Nach dem Wiederanpfiff gibt es wieder Tacheles aus der Nordkurve „Die hässlichen Fratzen des Fußballs – FIFA, UEFA und der DFB!“ prangern die scheinbar allgegenwärtigen Korruptionsaffären an. Auf dem Rasen liefern sich beide Teams einen engagierten Kampf, bei dem Torszenen jedoch wie bereits in der ersten Halbzeit zunächst rar bleiben. Erst nach 69 Minuten und einem Patzer des ansonsten sehr aufmerksamen Schalker Kapitäns Höwedes kommt Javi Martinez nach einer Flanke von Arjen Robben im Fünfmeterraum ungestört zum Kopfball – 2:1 für die Bayern. Kurz darauf rettet Fährmann gegen Philipp Lahm.

Die Schalker Fans sind frustriert, dass sich die Abgezocktheit des Rekordmeisters trotz des großen Schalker Einsatzes wieder einmal durchzusetzen droht und skandieren lauthals „Ihr seid nur ein Hurensohnverein!“  Passend dazu gibt es das nächste drastische Banner: „Hoeneß, Rummenigge, Winterkorn, Beckenbauer - korrupte Schweinebande!!!“

Offensiv-Wechsel... und die "Faaaans"

Coach André Breitenreiter wechselt mit Eric-Maxim Choupo-Moting, Franco di Santo und Debütant Fabian Reese noch drei Offensivkräfte ein. Der Youngster verlängert in der 88. Minute eine Flanke per Kopf zu Joel Matip, dessen Schuss nur knapp am Kasten von Neuer vorbeistreicht. Auf der Gegenseite knallt Lewandowski aus vollem Lauf den Ball an den Pfosten, bevor Thomas Müller in der Nachspielzeit per Linksschuss den 3:1-Endstand erzielt. Der Sieg ist aufgrund des überlegenen Ballbesitzes und der besseren Chancen in der zweiten Halbzeit nicht unverdient, fällt aber zu hoch aus; Einsatz und Leistungen insbesondere der Schalker Youngster stimmten 104%ig.

Dementsprechend spenden die Schalker ihrer Mannschaft donnernden Applaus, als diese mit hängenden Köpfen in die Kurve schleichen – „wir sind die Faaaans, die auch zu Dir stehn, wenn Du verlierst… Du bist mehr als nur ein Club, Schalke meine Sucht!“ In Block O konstatiert ein Schnauzbartträger mit Huntelaar-Trikot trocken, „lieber ein Verlierer sein, als ein dummes Bayernschwein“, als einige feixende Rotgewandete die verbliebenen Schalker anmachen wollen.

Kapitän Höwedes spricht nach dem Spiel vielen Schalkern aus der Seele „Es ist am Ende bitter, dass wir uns nicht für den Aufwand, den wir betrieben haben, belohnt haben.“ Eine treffende Analyse liefert auch Sportvorstand Horst Heldt: „Am Ende entscheiden Kleinigkeiten über Sieg und Niederlage. Gegen die Bayern darf man sich keinen Fehler erlauben, denn das wird eiskalt bestraft. Wir haben uns beim Treffer von Javi Martinez leider einen erlaubt. … Aber man darf auch nicht vergessen, dass wir mit einer ganz jungen Mannschaft gegen eines der besten Teams der Welt gespielt haben. Wir lassen die Köpfe jetzt nicht hängen.“

Am Donnerstag (19 Uhr, Veltins-Arena) kann der FC Schalke 04 vor heimischer Kulisse gegen APOEL Nikosia das Weiterkommen in der Europaleague sichern.

PS: Eine Wahrheit für alle, die noch an der Niederlage zu knabbern haben: Seid froh, wenn Ihr Euch auch in Zukunft über Fußballspiele ärgern könnt – der todkranke junge Bayernfan, der heute mit dem „Wünschewagen“ ins Stadion transportiert wurde und auf einem Krankenbett festgeschnallt hinter Block M das wahrscheinlich letzte Spiel seines Lebens verfolgte, hat dieses Glück nicht…

 


Lade Forenbeiträge...
Zurück zur Übersichtsseite

Nächstes Liga-Spiel

Weitere Schalke-Termine

  derzeit keine weiteren Termine  

Tabelle

34. Spieltag
PlatzVereinSp.ToreDiff.Pkt.
12Mainz 053446:57-1143
13Freiburg3446:61-1536
14Schalke 043437:55-1833
15Augsburg3451:71-2032
16Stuttgart3432:70-3828

FC Schalke 04