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Susanne Hein-Reipen kommentiert
Die S04-Kolumne 180: Vor Gericht, auf hoher See und bei Spielen des FC Schalke 04

Momentan gibt der FC Schalke 04 kein allzu gutes Bild ab. Schalke-Kolumnistin Susanne Hein-Reipen würde den Verein derzeit mit unberechenbar beschreiben. Damit sich das ändert, hat sie auch ein paar Vorschläge im Gepäck. Einer davon, nicht wirklich überraschend, lautet: Das Derby gewinnen...

Königsblau, chaotisch, emotional, skandalumwittert, leidenschaftlich, pleite, heißgeliebt, gehasst, beneidet, belächelt, abenteuerlich, berauschend, größenwahnsinnig, authentisch, abgehoben, traditionsreich, einzigartig, bekloppt, faszinierend, tragisch, intensiv, gefürchtet, umjubelt, verdammt u. v. m. - es gibt viele Adjektive, mit denen man unseren FC Schalke 04 beschreiben kann. Momentan fällt mir aber in erster Linie eines ein: UNBERECHENBAR. Absolut unberechenbar.

Nun sind Überraschungen weder für Fußballfans im Allgemeinen noch Schalker im Besonderen etwas Ungewöhnliches, im Gegenteil; die Unvorhersehbarkeit der Spielergebnisse trotz aller Statistiken und Zahlen hat einen bedeutenden Anteil am Gesamtfaszinosum Fußball.

Das Salz in der Suppe

Wenn man nur auf die letzten Spiele oder - wie immer gerne von einigen Stammtischexperten postuliert - den Gehaltsetat der Mannschaften schauen müsste, um eine sichere Prognose für den Spielausgang zu erhalten, würde das Zuschauerinteresse rapide absinken.

Erst die Siege krasser Underdogs über haushohe Favoriten bringen nicht nur in Pokalwettbewerben das Salz in die Suppe. Kaum etwas ist schöner als Triumphe vermeintlich hoffnungslos unterlegener Teams, die durch mannschaftliche Geschlossenheit oder Kampfgeist das Unmögliche möglich machen, ich sach‘ nur Eurofighter 1997.

Gegen Frankfurt selber geschwächt

Leider geht die derzeitige Situation auf Schalke weit über diese "positive" Spannung hinaus: Bei uns passt derzeit überhaupt nichts zusammen! Prognosen überleben oft nicht einmal die nächsten 04 Minuten. Nach der ersten halben Stunde am Samstag hätte wohl kaum einer in unserer Arena noch einen Pfifferling auf unsere Mannschaft gesetzt, aber danach stimmte zumindest die kämpferische Leistung.

Doch gerade als Schalke Oberwasser hatte und die Frankfurter Eintracht den Verlust ihrer Zwei-Tore-Führung verdauen musste, schwächte sich die Mannschaft selber durch zwei ebenso unnötige wie dumme Platzverweise. Sowohl der selbsternannte Leader Boateng als auch Draxler sollten erfahren genug sein, die aufgrund der Verletzten ohnehin sehr angespannte Personalsituation nicht weiter zu verschärfen - fehlt es also an Disziplin?

In Gottes Hand?

Oder spielen sie gar gegen Keller? Dagegen spricht wiederum, dass nahezu immer, wenn "Schicksalsspiele" für Keller auf dem Programm standen, gewonnen oder zumindest Achtungserfolge erzielt wurden. Weder die Aufholjagd in der Rückrunde (übrigens die erfolgrei… ) noch die Punkte gegen Bayern und in London waren zu erwarten. Aber wieso kommt es dann immer wieder zu solchen spielerischen Offenbarungseiden wie in Dresden oder Mönchengladbach?

Auch abseits des Platzes drängt sich zunehmend der Eindruck auf, dass man nicht nur vor Gericht und auf hoher See, sondern auch beim FC Schalke 04 in Gottes Hand ist: AR-Vorsitzender Clemens Tönnies bringt es fertig, Trainer Keller am selben Tag sowohl den Rücken zu stärken und ihn gleichzeitig zu "enteiern", wenn er natürlich via Presse lautstark verkündet, dass man Tuchel nicht auf dem Zettel habe, weil man Keller vertraue; dass er sich aber auch in die "intensiven Motivationsgespräche mit den Spielern einschalte".

Mangelnde Körpersprache

Der Rest-Aufsichtsrat scheint in der Versenkung verschwunden, statt sein Alphatierchen einmal auszubremsen. Horst Heldt windet sich in Interviews zunehmend wie ein Aal in Öl und Jens Keller stößt nahezu vor jedem Mikrofon mit dem Allerwertesten um, was er sich vorne aufgebaut hat: Der Mann hat eine Körpersprache, bei der jedem rhetorisch auch nur durchschnittlich begabten Menschen die Tränen kommen. Und die Parolen, dass er Großes geleistet habe und keinen Konkurrenten fürchten müsse, wirken völlig unabhängig vom Wahrheitsgehalt auswendig gelernt, aufgesetzt und nicht im geringsten authentisch.

Demgemäß fordert insbesondere in den Foren und sozialen Netzwerken täglich der Mob seinen Kopf, während derlei Missfallenskundgebungen im Stadion bislang ausblieben.

Und nun? Ich glaube nicht, dass Keller unser einziges oder auch nur größtes Problem ist. Und ich halte bekanntermaßen überhaupt nichts von der "Tuchel ist der Erlöser!" -Theorie. Unabhängig von der Frage, ob er mit enormem finanziellen Aufwand a) überhaupt und b) zum jetzigen Zeitpunkt auf Schalke zu bekommen wäre, halte ich es für einen absoluten Trugschluss, dass man nur einen hyperaktiven Mainzer Trainer in den Pott versetzen müsse, um ein Fußballwunder zu erleben. Dabei ist allein der Wunsch der Vater des Gedankens!

Das alles und noch viel mehr...

Wenn ich in Anlehnung an den guten alten Rio Reiser "Königin von Schalke" wäre, würde ich bis zur Winterpause Folgendes anordnen:

1. Schluss mit der peinlichen Verlautbarungs-Kakophonie in der Öffentlichkeit! Eine KLARE Ansage, dass Trainer und Mannschaft das Vertrauen genießen UND in der Pflicht stehen. Und danach ist Ende mit täglichen sich widersprechenden Wasserstandsmeldungen, Absichtserklärungen und halbherzigen Dementis von Spielern, Manager, Trainer (!), AR-Vorsitzendem (!!), Putzfrau und Busfahrer. Es muss nicht unbedingt ein vollständiger Presseboykott sein, da dieser gerne Denkzettel seitens der Journalisten hervorruft, aber es sollte nur noch EINER für Schalke sprechen. Was macht eigentlich Jiri Nemec gerade?

2. Der Mannschaft nachhaltig einbläuen, dass sie für ihr fürstliches Salär einen professionellen Lebensstil zu pflegen und jedes Spiel ernsthaft anzugehen haben. Inklusive der entsprechenden Konsequenzen auch für "große Namen", wenn sie unter der Woche rauchend in Düsseldorfer Nobeldiscos abhängen. Ist Leuthard eigentlich auch vom FC Fulham freigestellt worden?

3. Jens Keller erhält eine unmissverständliche interne (!) Vorgabe, bis zur Winterpause das Wort "überragend" aus seinem Wortschatz zu streichen, mindestens auf Platz 6 und in der CL zu überwintern und eine erkennbare fußballerische Taktik zu entwickeln. Hat gerade einmal jemand die Tafel von Herrn Rangnick gesehen?

4. Am Samstag beim Derby muss das gesamte Stadion beben. Jeder Spieler, der da nicht kämpft bis zum Umfallen und jeder Fan, der nicht heiser nach Hause geht, sollte sich selber hinterfragen, ob Schalke der richtige Verein für ihn ist. Ob Gerald wohl schon etwas vor hat?

Natürlich macht ein Derbysieg alleine den grottigen Saisonstart nicht wieder wett, aber eine erfolgreiche gemeinsame Energieleistung der Mannschaft und der Fans in diesem ganz speziellen Spiel kann der dringend notwendige Wendepunkt zum Besseren sein!

Dann können wir auch wieder mit Schalke RECHNEN!
Wir sehen uns am Samstag.

Glückauf,
Susanne


Die Autorin:
Susanne Hein-Reipen

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