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Susanne Hein-Reipen kommentiert
Die S04-Kolumne 185: Malocherclub statt Hollywood, Clemens!

Clemens Tönnies ist weder Pressesprecher noch für das operative sportliche oder wirtschaftliche Geschehen beim FC Schalke 04 verantwortlich. Manchmal könnte man das aber denken, schreibt Kolumnistin Susanne Hein-Reipen. Und meint, manchmal schadet Tönnies dem Verein mehr als das er ihm hilft...

Nahezu keine Woche ohne "großes Kino” auf Schalke: Welches Genre darf es sein, der Pate 04? Auch wenn sich bislang kein Pferde- oder Schweinekopf aus der Tönniesschen Großschlachterei in Rheda-Wiedenbrück in das Bett aufmüpfiger Schalker verirrt hat: Wenn man hört, dass Aufsichtsratsentscheidungen auf Schalke ausnahmslos einstimmig fallen, beschleicht einen schon das vage Gefühl, dem einen oder anderen könnte ein Angebot gemacht worden sein, dass er nicht ablehnen konnte…

Ruhe? Nicht mit Tönnies!

Aber der allmächtige Regisseur der großen und kleinen Schalker Dramen kann nicht nur Gangsterfilm; nein, er toppt Hollywood auch in der Sparte Kitschfilm: Die Wiederwahl wackelt? Na, dann wollen wir doch einmal sehen, ob das Rührstück "wir fliegen Ala Urbans sterbliche Überreste nach Hause" nicht mehr Schalker Tränendrüsen kitzelt als Lovestory und Titanic zusammen. Die Meisterschale macht sich auch gut auf dem Grab des Bruders, wer kann dazu schon nein sagen? Und unseren Manuel, "den reißen wir den Bayern wieder aus dem Rachen".

(Tragi)Komödien wiederum sind bekanntlich am besten, wenn die Gags unfreiwillig und nicht inszeniert wirken. Und in der Kategorie "im garantiert falschen Moment das Falsche sagen" macht Clemens keiner etwas vor. Auf Schalke droht nach dem Trainerwechsel von Jens Keller zu Roberto di Matteo tatsächlich die dringend notwendige Ruhe einzukehren?

Schnell in ein Mikrofon trompeten, dass man eine Schalke-AG nicht mehr ausschließen könne. Dass das Leitbild, der Vorstand und nicht zuletzt er selber (!) sich nur wenige Wochen vorher eindeutig für die Rechtsform des eingetragenen Vereins ausgesprochen hatten, tja, was kümmert ihn sein Geschwätz von gestern. Publicity by Elefant im Porzellanladen.

Er redet und redet und redet und...

Die Beispiele für derlei mediale Brandfackeln, die flugs mit dem Gesäß sämtliche mühevolle Öffentlichkeitsarbeit des Vereins einreißen, sind zahllos. Kreml-Besuche auf dem Höhepunkt der Ukraine-Krise, demonstrative Schulterschlüsse mit Deutschlands prominentestem Steuerhinterzieher oder öffentliches Enteiern sämtlicher operativ Verantwortlicher...

Nein, auf Schalke ist der Vorsitzende des Kontrollgremiums nicht nur der propagierte und gefühlte "Vereinsboss", ja, hier motiviert der BigBoss in der Kabine noch selber per Machtwort, castet per Schnittchen und Streuselkuchen mögliche Trainer- und Managerkandidaten, jagt per Handycam Bengalozündler, verhandelt mit Sponsoren, schmettert in Talkrunden das Vereinslied und vor allem: Er redet und redet und redet. Oder, um Stefan Willekes genialen Zeit-Artikel zu zitieren: "Das Leck ist nicht einmal dann abgedichtet, wenn der Chef des Aufsichtsrates nur mit sich selbst tagt."

Nun könnte man über so viel kindlichen Mitteilungsdrang lächeln, aber: Die Außendarstellung unseres FC Schalke 04 wird nicht nur aufgrund seines guten Drahts zum unsäglichen Sportchef der Zeitung mit den vier großen Buchstaben neben den Spielergebnissen maßgeblich von Clemens Tönnies geprägt. Und ich halte es für fatal, wenn Schalke in der Öffentlichkeit nur als One-Man-Show eines großen Gönners wahrgenommen wird.

Zu Dank verpflichtet

Schalke ist Clemens Tönnies ohne Zweifel zu großem Dank verpflichtet, da er in der Vergangenheit z. B. mit der Ablösung der Schechter-Anleihe Liquiditätsengpässe überbrückt hat, als die Geldgeber sehr rar waren. Wir sind trotzdem NICHT Hoffenheim oder RedBull. Tönnies ist KEIN überlebensnotwendiger "Mäzen" la Hopp, Mateschitz oder Kühne, sondern hat sich seine Darlehen zu Recht mit guten Zinsen vergüten lassen.

Und das Wichtigste: Schalke ist KEIN Provinzplastikclub, der ohne genau diese Finanzspritzen wieder in die Bedeutungslosigkeit zurückschrumpft; unser Ziel muss es gerade nicht sein, Sugardaddy bei Laune zu halten. Unser Ziel sollte vielmehr sein, keinen solchen mehr zu benötigen.

Der Blick in die Satzung

Ich schreibe ausdrücklich nicht "Tönnies raus". Auch möchte ich ihm nicht unterstellen, nicht das Beste für unseren Verein zu wollen. Aber "gut gemeint" und "gut gemacht" trennen oft Welten und deshalb wünsche ich mir dringend, dass die anderen Funktionsträger im Verein, Vorstand, Ehrenrat und die übrigen gewählten Aufsichtsratsmitglieder und alle Schalker ihn endlich (!) einfangen und ihm klarmachen, was seine satzungsmäßige Aufgabe ist - und vor allem: Was NICHT dazugehört.

Ein Blick in die Satzung zeigt: Clemens, Du bist weder Pressesprecher noch für das operative sportliche oder wirtschaftliche Geschehen verantwortlich. Der Aufsichtsrat bestellt den Vorstand und beruft ihn ab und kontrolliert dessen Wahrnehmung der Vereinsaufgaben. Er kontrolliert. Er reißt sie ihm nicht aus den Händen…

Der Verein feiert derzeit Tönnies zwanzigjähriges Dienstjubiläum und bejubelt, "als Mitglied des Aufsichtsrats und seit 2001 als Vorsitzender des Aufsichtsrats hat er Rahmenbedingungen für die sportliche Rückkehr des FC Schalke 04 als einer der Spitzenclubs der Bundesliga und europäische Fußballgröße entscheidend mitgestaltet".

Ich vermisse dort allerdings jeglichen Hinweis, dass er ebenso entscheidend den zwischenzeitlichen Rekordschuldenberg und die nach wie vor stark auf Kante genähte Finanzsituation mit zu verantworten hat. Und dass ein noch größerer Batzen an der Wiedererstarkung des Vereins wie z. B. die Zusammenstellung des 1997er Kaders und der seinerzeit absolut zukunftsweisende Bau der Arena Rudi Assauer gebührt.

Keine Ego-Show

So schön es sich liest, dass Clemens Tönnies "bei seinem toten Bruder im Wort steht" und "noch viel vor hat": Die Entscheidung, ob das zwanzigjährige Dienstjubiläum das letzte war, wird ausschließlich von den Vereinsmitgliedern getroffen! Wir sind keine Erbmonarchie, sondern - aufgepasst - ein eingetragener Verein!
Engagement sehr gerne, Ego-Show und Alleinvertretungsanspruch nein danke!

Und um Himmelswillen nicht das Tönniessche Vermögen ewig als Rettungsring in der Hinterhand haben müssen: Unser Ziel muss kein möglichst finanzstarker AR-Vorsitzender sein - denn damit wäre Tönnies in der Tat zu seinen Lebzeiten alternativlos, solange nicht Bill Gates sein Herz für Schalke entdeckt - , sondern eine stabile und unabhängige finanzielle Situation, in der alle Schalker ihre Wahlentscheidungen alleine nach fachlicher Qualifikation der Kandidaten und nicht nach der Dicke des Portemonnaies als Notanker treffen können. Und in der nicht mehr alle zurückrudern müssen, weil vor öffentlicher Inbetriebnahme des Mundwerkes leider wieder einmal vergessen wurde, das Gehirn einzuschalten.

Kritisch hinterfragen

Wenn Schalke jemals in ruhigeres Fahrwasser kommen soll, darf man nicht als nächste Sau nach Jens Keller Heldt oder gar Di Matteo durchs Dorf treiben. Es ist es vielmehr höchste Zeit, die Rolle und das Wirken von Clemens Tönnies sowohl intern als auch extern kritisch zu hinterfragen.

Für die Beurteilung der internen Tätigkeiten gibt es sicher Berufenere als mich, aber ich bin überzeugt: Die ständigen medialen Inszenierungen als großer Oberboss, Macher und Lautsprecher schaden unserem Verein, weil sie ein ständiger Unruhe- und Konfliktherd sind. Nein, es geht nicht um ein Denkverbot, aber Tönnies scheint immer noch nicht begriffen zu haben, dass er eben nicht nur seine Privatmeinung äußert, wenn er jede noch so unausgegorene Überlegung und Handlung sofort via Medien in die Welt pustet. Wenn schon unbedingt ein "Star" benötigt wird, sollte dies die Mannschaft und nicht der AR-Vorsitzende sein!

Ich gebe zu, ich reiße mich auch nicht um den Job, Clemens Tönnies einen Maulkorb verpassen zu müssen. Aber in Aufsichtsrat und Ehrenrat sollten sich eigentlich noch ein paar Silberrücken finden, die ihm klarmachen können, dass der Aufsichtsrat ein Kollegialorgan (und sein erster Ansprechpartner vor der Presse!) ist und Schalke keine Abteilung seines Fleischimperiums.

Und dass er seinem, unserem geliebten Schalke am allermeisten hilft, wenn er keine ebenso hollywoodreifen wie populistischen Storys mehr produziert. Sondern malochermäßig lieber endlich die angekündigten Bagger zum Gräben zuschütten anrücken lässt…

Glückauf,

Susanne


Die Autorin:
Susanne Hein-Reipen

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