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Susanne Hein-Reipen kommentiert
Die Schalke-Kolumne 138: Der Feind in meinem Block

Eigentlich kommt Susanne Hein-Reipen ja auch mit Gästefans aus. Ist ja auch nett, sich mal mit Fans anderer Vereine zu unterhalten und auszutauschen. Doch eine Einschränkung gibt es: neben sich im Block möchte sie die "Andersfarbigen" eigentlich nicht sitzen haben! Ein Plädoyer.

Ich bin eine absolute Verfechterin des Völkerverständigungsgedankens beim Fußball. Es gibt kaum etwas Spannenderes, als rund ums Spielgeschehen mit Fans anderer Vereine, anderer Farben ins Gespräch zu kommen und sich zu frotzeln, Gemeinsamkeiten zu entdecken und Unterschiede zu erörtern.

Auf diese Weise habe ich mit blutjungen Ultras von HSC Montpellier in einer düsteren Kaschemme einen famosen Abend mit reichlich Pastis verbracht, mit Berliner Rentnern rund ums Pokalfinale 2002 in einer Laubenpieperkolonie die besten Frikadellen meines Lebens verspeist, Ecken von Bilbao zu sehen bekommen, die ich ohne die überwältigende Gastfreundschaft der Athletic-Anhänger nie besucht hätte und zahlreiche interessante Menschen rund um die Stadien der Republik kennengelernt. Man ist bei allem Trennenden doch irgendwo, irgendwie in seiner Leidenschaft vereint.

Fan-Verständigung

Ich habe nacheinander in einem Haufen Hardcore-Fortunen, mit diversen leidgewöhnten Geißböcken und jetzt in einem von Gladbacher Fohlen wimmelnden Umfeld gearbeitet und mich immer wunderbar mit meinen Kollegen verstanden. In meinem Bekanntenkreis gibt’s neben vielen, vielen Schalkern auch einige Schwatzgelbe, mit denen ich 363 Tage im Jahr gut auskomme; ebenso mit zwei (angeheirateten!) Bazis in der weiteren Verwandtschaft.

Und das Miteinander auf der vereinsübergreifenden Fanplattform von fankultur.com ist allererste Sahne. Nicht erst anhand der spontanen Solidarisierung der anderen Fankurven nach dem absurden Pfefferblocksturm beim CL-Quali-Spiel gegen PAOL Saloniki konnte man in vielen Diskussionen feststellen, dass "in den Farben getrennt, in der Sache vereint" bei vielen vernünftigen Fußballfans nicht nur eine hohle Phrase ist.

Keine Gästefans im Block!

Dennoch ist es für mich ein absolutes No-Go, wenn in meinem Block in der Arena, der eigentlich ein reiner Schalker Dauerkartenblock ist, bei den Spielen mehr und mehr Gästefans auftauchen. Konkret gesagt: In den 90 Minuten, in denen ich mit Schalke jubeln und leiden, schreien, singen und stöhnen will, möchte ich keine gegnerische Visage sehen! Und am allerwenigsten möchte ich schwatzgelben oder roten Jubel hören müssen.

Die "Gäste", die sich auf diese Weise einschleichen, treten bevorzugt in den Kategorien "Dumpfbacke/Feigling" (kommt in betont neutralem Outfit, guckt aber beim Absingen unseres Vereinsliedes doof aus der Wäsche und bleibt bei "steht auf, wenn Ihr Schalker seid!" gaaaanz unauffällig sitzen) oder "Provokateur" (trägt demonstrativ seine fiesen Farben zur Schau und jubelt nicht, ohne sich ausführlich hämisch und triumphierend in alle Richtungen umzudrehen) auf. Kategorie 1 hatte ich am Samstag rechts neben mir, eine kleine Schl*piiiiiiep* der Kategorie 2 befand sich zwei Reihen vor mir.

Ein lebensmüder Bajuware

Einem Bekannten von mir, normalerweise ein nicht aus der Ruhe zu bringender Gemütsmensch, ist die seltene Kategorie 3 "Lebensmüder" begegnet: Nach der schrecklich witzigen *haha* Bemerkung "bleibt Euch ja nix anderes übrig, sonst habt Ihr keinen Verein mehr" als Reaktion auf "wir sind die Faaaans, die auch zu Dir steh’n wenn Du verlierst, Du bist mehr als nur ein Cluuuub, Schalke meine Sucht…" meinte dieses tollkühne Exemplar just nach dem 0:4, "hier - regiert - der - F-C-B!" skandieren zu müssen.

Und obwohl ich körperliche Gewalt beim Fußball strikt ablehne, kann ich nachvollziehen, dass er in diesem Moment im wahrsten Sinne des Wortes rot gesehen hat. Auch ich möchte in solchen Momenten am liebsten wie ein T-Rex, eine Anakonda mit ausgeklinktem Unterkiefer oder gar ein furchterregender Klopp am liebsten den Eindringling in der Mitte durchbeißen.

Mehr Farbtrennung im Stadion

Gewalt ist aber bekanntlich keine Lösung, deshalb würde ich es sehr begrüßen, wenn die Fan- und Farbtrennung innerhalb der Stadien stärker durchgesetzt würde oder die "Immis" wenigstens genug Gehirnzellen und Anstand aufbrächten, in einem in diesem Moment eh adrenalin- und testosterongeschwängerten Block auf Provokationen zu verzichten.

Noch viel besser aber wäre es, wenn keine diesbezüglichen Eingriffe nötig wären, weil Schalker gottverdammtnochmal aufhören, ihre Dauerkarten meistbietend an den nächsten Bajuffen, irgendeinen dahergelaufenen Lüdenscheider oder wie im März direkt in Scharen an die anatolischen Heißsporne von Galatasaray zu verticken! Es hilft wenig, sich über Abzockbörsen wie viagogo zu empören, wenn Schalkern der Blutdruck ihrer Sitznachbarn schnuppe ist.

Gegentore sind schon ärgerlich genug

In Rechtswissenschaft und höchstrichterlicher Rechtsprechung gibt es den schönen Begriff der "Gegnerfreiheit" oder "Koalitionsreinheit" als Wesensmerkmal von Verbänden im Sinne von Art 9 Abs. 3 des Grundgesetzes: Er besagt, dass eine wirksame Interessenvertretung z. B. durch einen Arbeitnehmerverband nur gegeben ist, wenn dieser nicht finanziell oder personell (beispielsweise durch die Mitgliedschaft von Arbeitgebern) mit der "Gegenseite" verquickt ist.

Dieser Gedanke lässt sich für mich auf das Dasein in den Fanblöcken übertragen: Ein "wirksames", d. h. ungestörtes Fußballerlebnis setzt für mich voraus, dass ich während des Spiels von gegnerischer Häme und dummen Bemerkungen wenigstens in meiner unmittelbaren Umgebung verschont bleibe. Bei einem Gegentor ärgere ich mich auch so schon genug, ohne dazu noch Bajuffenkunden quieken zu hören.

Keine Ungläubigen im Tempel

Nach dem Spiel bin ich gerne mit allen (ok, sagen wir fast allen) zum verbalen Schlagabtausch, zur Diskussion oder auch zu einem Versöhnungsbier bereit, aber während der 90 Minuten möchte ich sie außerhalb des Gästeblockes nicht wahrnehmen. Ich will mit Freunden und Gleichgesinnten das Erlebnis Schalke genießen oder wie am Samstag durchleiden und dabei nicht von "Ungläubigen" gestört werden.

In diesem Sinne: Bleibt mir im Tempel von der Pelle, Ihr Bajuffen, Lüdenscheider und anderen Fehlfarbigen der Republik. "Liebe Deinen Nächsten" wird erst nach dem Abpfiff wieder beherzigt, aber jede gute Beziehung braucht auch mal eine Auszeit, damit man sich nicht an die Gurgel springt. Pro Gegnerfreier Block!

Glückauf,

Susanne


Die Autorin:
Susanne Hein-Reipen

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