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Susanne Hein-Reipen kommentiert
Die Schalke-Kolumne 144: Auswärtsfahrten auf Rezept

In den letzten Wochen ging auf Schalke öfter mal die Welt unter - zumindest, wenn es nach dem Tenor in manchen Internetforen ging. Dabei haben die Auswärtsfahrer oft eine ganz andere Wahrnehmung , hat Susanne Hein-Reipen festgestellt und wünscht sich manchmal mehr Auswärtsspirit in der heimischen Arena. Denn der ist einfach etwas Besonderes!

Mir ist in letzter Zeit mehrfach beim Nachlesen der Spielthreads aufgefallen, wie stark die Bewertungen unserer Spiele der Fernsehzuschauer und der Stadionbesucher auseinanderfallen. Oft musste ich mich nach einem unterhaltsamen Nachmittag fragen, ob ich wirklich auf der verrissenen Sportveranstaltung, dem miesen, lustlosen, statischen, uninspirierten Grottenkick der überbezahlten Luschen mit der Träne auf der Trainerbank war…

Besonders groß ist der Unterschied zwischen TV-Guckern und Livezuschauern bei Auswärtsspielen. So kehrten unlängst alle Basel-Fahrer zufrieden mit einem CL-zu-Null-Auswärtssieg nach einem durchaus abwechslungsreichen Tag mit Marsch, Gummigeschossen, Pyroshow, Greenpeacelern, einer geilen Bude und dem Glücksgefühl, keine Schweizer Preise zu haben, zurück, um erstaunt zu erfahren, wie schrecklich unverdient und unattraktiv der Schalker Sieg doch gewesen sei.

Weltuntergang im Forum

Auch in Braunschweig verbrachte die königsblaue Auswärtsmeute bei Kaiserwetter und ausgesprochen begeisterungsfähigen Gastgebern einen schönen Old-School-Fussek-Nachmittag, um mit einem (okay: glücklichen, aber tabellarisch eminent wichtigen) Auswärtssieg beglückt in den Ruhrpott zurückzukehren. Derweil ging in den Foren bereits wieder die Welt unter, wie scheußlich und unverdient dieser Sieg doch gewesen sei. Und auch an dem nicht unbedingt zu erwartenden Schalker Auswärtssieg bei den bislang stark auftrumpfenden Herthanern wird in vielerlei Hinsicht herumgekrittelt, während eine fünfstellige Anzahl von Schalkern in der Hauptstadt fröhlich die Nacht zum Tage machte und den Gastgebern den Gerstensaft wegsüppelte.

Woran liegt es, dass gerade die, die Zeit, Geld und Nerven auf überfüllten Autobahnen, in klapprigen Bussen oder versifften DB-Zügen investieren, auch mit suboptimalen fußballerischen Leistungen besser leben können als diejenigen, die es gemütlich im heimischen Sessel verfolgen können? Sollte man nicht eher meinen, dass der Unmut mit spielerischer Magerkost umso größer ist, je weiter man dafür durch die Pampa gereist ist, gerne noch garniert mit Nässe, Kälte, Anmache wahlweise durch Heimfans oder Staatsmacht und idiotischen Bezahlkarten- und Pfandsystemen?

Mehr Auswärtsspirit in der Arena!

Ist der Homo auswärtsfahrensis ein anderer Menschenschlag als der Heimfan oder gar Fernsehschalker? Woran liegt es, dass der Support in der Fremde oft besser, geschlossener und inbrünstiger ist als in der heimischen Arena? Warum schaffen es Schalker in Berlin, Basel oder Bukarest, sich verschwörerisch zuzulächeln und die Tipps für die besten Bierquellen auszutauschen, sich in Gelsenkirchen aber keines Blickes zu würdigen und um jeden Zentimeter Parkplatzabfahrt zu kämpfen?

Nein, dies soll keine Besserschalker-Debatte werden; nicht jeder Schalker hat die organisatorischen und finanziellen Möglichkeiten, häufig auswärts zu fahren. Es soll aber ein Plädoyer sein, mehr Auswärtsspirit in die Arena zu tragen - und für Bislang-Nicht-Auswärtsfahrer ein kleiner Appell: Versucht es doch mal! Ihr werdet auswärts Etliches von dem wiederfinden, was oft mit "datt is mein Schalke!" umschrieben wird - nicht umsonst zieht mancher altgedienter Schalker Auswärtsspiele mittlerweile vor…

Klassenfahrtfeeling und Slapstick-Einlagen

Solidarität bis hin zu spontanen Sammelaktionen für Schalker, die beklaut wurden oder sonstwie gestrandet sind. Dieses herrliche Gefühl, "keiner mag uns, scheixxegal", wenn die Heimfans feststellen, dass Schalke zwar irgendwie doof, aber eben doch was ganz besonderes ist. Klassenfahrtfeeling, bei dem gestandene Familienoberhäupter und Menschen mit verantwortlichen Funktionen zu feixenden Teenies werden, die die Freiheit vom Alltag genießen und begießen.

Live-Slapsticknummern wie der geschätzte Mitforist (Username unterbleibt aus Datenschutzgründen ;-), der nach einem geselligen Abend im Hofbräuhaus Flugbahn und Sprungkraft falsch berechnete und statt ins Bett auf seinen selig schlummernden Zimmergenossen sprang. Unvergessliche Spontanfeten wie das von 200 feierwütigen Schalkern geflutete A tasca in Lissabon und gerade jetzt wieder eine herrlich versumpfte Sportsbar mit vermeintlichen Herthaner Konkurrenten. Lachen und leiden, die komplette emotionale Achterbahn - Schalke halt.

Grundleidensfähigkeit wird benötigt

Natürlich müssen auch Auswärtsfahrer bisweilen mit den Tücken des Lebens kämpfen, belächelt von der weniger fußballaffinen Umwelt ("550 km für ein Spiel?! Wie bescheuert kann man sein, ey?!"), gebeutelt von den Marotten der DFL-Terminplanung und ausgestattet mit einer gewissen Grundleidensfähigkeit, quer durch die Republik zu gurken, um gelegentlich auch durchfroren, ausgelacht und mit einer satten Packung zurückzukehren.

Als "Halbwegsvielfahrerin" ziehe ich meinen Hut vor allen Allesfahrern, die wirklich keine Mühen scheuen, unseren Verein bei jeder Gelegenheit zu begleiten und nach vorne zu schreien. Nicht wenige von ihnen haben einen Nebenjob, um sich dieses auch bei guter Planung nicht ganz billige Hobby erlauben zu können; die Urlaubsplanung erfordert einen Großrechner.

Blick über den Tellerrand

Die Erlebnisse und das Zusammengehörigkeitsgefühl, das man auf Schalker Auswärtstouren national und international erleben darf, sind es wert - und das nicht nur, weil Auswärtssiege aus Auswärtsfahrersicht grundsätzlich niemals unverdient sind. Der Fußball sieht im Stadion nicht zwingend besser aus als am Fernseher, aber das Drumherum entschädigt für Vieles. Man trifft die "üblichen Verdächtigen", irgendeiner kennt immer einen, der einen kennt, der den ultimativen Tipp hat - oder man lernt vollkommen neue und interessante Gesprächspartner aus den eigenen Reihen oder mit den gegnerischen Farben kennen.

So kann man unverfälscht über den Tellerrand blicken und erfreulich oft feststellen, dass andere Vereine mit ganz ähnlichen Tücken und Unzufriedenheiten mit dem eigenen Verein zu kämpfen haben und uns Schalker oft um unsere vergleichsweise komfortable Lage beneiden. Das Gras in Nachbars Garten ist eben bei genauerer Betrachtung nicht immer grüner; eine Erkenntnis, die ich auch dem einen oder anderen Internet-Dauernörgler wünsche. Wenn es Auswärtsfahrten nicht gäbe, man müsste sie erfinden und als Rezept gegen Schalkefrust und Fußballüberdruss verschreiben!

Man muss Prioritäten setzen

Ein bekannter Allesfahrer pflegt gerne auf die Frage, warum er sich "das denn alles antue", mit großen Unschuldsaugen zu antworten "weil es mein Leben ist". Diese Priorität muss selbstverständlich jeder für sich selbst entscheiden, aber für mich gilt auf jeden Fall: "Und gehn die Schalker auf die Reise, wünsch ich mir nur, dabei zu sein…".

Und ich wünsche allen Schalkern, dieses Gefühl ebenfalls genießen und daraus etwas für das Miteinander in der Arena (und manchmal auch im Forum…) mitnehmen zu können. Daher grüße ich an dieser Stelle herzlich alle glühend von mir beneideten Londonfahrer, schreit bitte für mich mit und rockt Hütte & City!

Glückauf,

Susanne


Die Autorin:
Susanne Hein-Reipen

Alle Schalker Gast-Kolumnisten

 

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