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Susanne Hein-Reipen kommentiert
Die Schalke-Kolumne 151: Hätte, hätte, Fahrradkette...

Fußball ist ja grad nicht - es sei denn, man würde "Testspiele" gegen Wüstenteams in Doha ernsthaft als Fußball bezeichnen. Folgerichtig meint Susanne Hein-Reipen, unsere Schalke-Kolumnistin, könnte man ja auch mal ein bisschen "Was wäre, wenn..." spielen. Königsblaue Theorie, das alles...

Winterpause, Jahreswechsel, Zeit für Besinnung und gute Vorsätze, das eine oder andere künftig besser zu machen. Unsere Mannschaft sollte da (genau wie die meisten Menschen…!) durchaus Ansatzpunkte finden, beispielsweise erhöhte Laufbereitschaft, bessere Konzentration bei vermeintlich klarem Spielstand - Hoffenheim und Frankfurt lassen grüßen - und eine stabilere Defensive.

Aber auch wenn Fußball bekanntlich nicht im Konjunktiv gespielt wird, schleichen sich bei mir bei derartigen Überlegungen, wie die Saison bestmöglich weitergehen sollte, gerne einmal ein paar hypothetische Gedanken ein: Was wäre eigentlich, wenn wir vom Verletzungspech verschont geblieben wären und Spieler wie Hunter, Papa, Höger, Aogo, Benni und Farfan die ganze Hinrunde fit zur Verfügung gestanden hätten…? Oder sich Jens Keller bereits am Anfang der Saison auf Ralf Fährmann als Nummer 1 zwischen den Pfosten festgelegt hätte, mit dem sich die Zahl der Gegentore deutlich verringert hat? Meine königsblaue Glaskugel sagt, dass unsere derzeit durchaus ausbaufähige Situation dann um einiges besser wäre.

Das Pendel... hätte ja auch mal...

Bei knappen Situationen auf dem Platz gab es ebenfalls genug, wo das Pendel auch zur jeweils anderen Seite hätte ausschlagen können. So wären die knappen Niederlagen in Hannover, die den besch…eidenen Saisonstart zementierte, und Gladbach, die uns im Rennen um die CL-Qualifikation zurückgeworfen hat, bei minimal anderem Spielverlauf sicher vermeidbar gewesen. Man darf allerdings nicht verkennen, dass wir z. B. in Braunschweig den Papst in der Tasche hatten oder der Linienrichter vom entscheidenden CL-Spiel gegen den FC Basel ja auch seine Kontaktlinsen hätte tragen können.

Gleicht sich also am Ende doch alles aus, gibt es eine übergeordnete Gerechtigkeit, die Glück und Pech und Fehlentscheidungen letztlich gerecht verteilt, quasi die "wahre Tabelle der Ewigkeit"? Steigen wir doch einmal kurz in die königsblaue Zeitmaschine und schauen selber nach…

Mai 1904, Gelsenkirchen, die boomende Industriestadt im Revier. Ich sach ma: Glück gehabt, dass Willy Gies und seine Freunde gerne vor das runde Leder traten und nicht die seinerzeit durchaus populären Sportarten Tauziehen oder Bogenschießen vorzogen! Okay, fünf Jahre später und einige Kilometer weiter östlich hätte man dann Kaplan Dewald größere Durchsetzungsfähigkeit gegönnt, um das Übel im Keim zu ersticken.

Die 30er...

Danach gibt es für uns Zeitreisende zunächst wenig Anlass, korrigierend einzugreifen, der Verein entwickelt sich dank herausragender Persönlichkeiten wie Thomas Student, Fritz Unkel und natürlich dem kongenialen Freundes- und Schwagerpaar Ernst Kuzorra und Fritz Szepan ausgezeichnet. Im Jahre 1930 könnte man dann allerdings die Spesenzahlungen etwas kürzen und somit den armen Willy Nier vor dem nassen Freitod im Rhein-Herne-Kanal bewahren. Ansonsten sind die Jahre 1930-1945 fußballerisch ein einziger Triumphzug des Schalker Kreisels, menschlich aber das Furchtbarste, das Europa je passiert ist.

In den 50er Jahren hätte es mit einigen kleinen Veränderungen - z. B. 1951 zwei Törchen mehr gegen Kaiserslautern oder 1956 der bessere "Torquotient" gegenüber dem KSC - durchaus noch mehr Titel für den FC Schalke 04 geben können; in den 60ern war die Glücksgöttin hingegen zunächst deutlich auf unserer Seite: Wäre die Liga 1965 nicht aufgestockt worden, wäre der erste Abstieg unvermeidbar gewesen.

In den 70ern muss die Zeitmaschinenbesatzung dann allerdings eingreifen und Libuda, Fichtel, Fischer und Co. - sorry - kräftig auf die Fresse hauen, als das unmoralische 40.000 DM-Angebot aus Bielefeld ins Haus flattert. Wenn das Team, das 1972 Vizemeister und Pokalsieger geworden ist, hätte ohne Sperren zusammenbleiben können - ich glaube, die deutsche Fußballgeschichte wäre heute eine andere! Die Wahrscheinlichkeit, dass nicht nur Bayern und die Gladbacher Fohlen die Grundsteine für eine grandiose finanzielle Zukunft hätten legen können, ist jedenfalls verdammt hoch. Ach ja, am 21.05.1977 stellen wir noch kurz den Herren Vogts, Bonhof, Stielike und Heynckes ein Beinchen.

Ohweia...

Die 80er Jahre - ohweia, so viele Steilvorlagen, dem Schicksal ein wenig ins Handwerk zu pfuschen. Was wäre, wenn wir Bayer Uerdingen nicht sträflich unterschätzt hätten und uns zumindest den zweiten Abstieg 1983 erspart hätten? Wenn Olaf Thon nicht aus finanziellen Gründen an die Bayern hätte verhökert werden müssen? Wenn statt des "Sonnenkönigs" Eichberg ein echter Finanzfachmann an der Spitze gestanden hätte…? So aber muss man sagen: Bedankt, Fortuna, dass wenigstens mit dem 4:1-Sieg gegen Blau-Weiß 90 Berlin Eier gezeigt und der drohende Abstieg in die Drittklassigkeit verhindert wurde. Es war haarscharf - ob es unseren geliebten Verein noch gäbe, wenn…?

Um bei den Personalien zu bleiben: Was (und wer…) wäre uns erspart geblieben, wenn Bernd Tönnies eine unkaputtbare Gesundheit besessen hätte? Hätten wir dann womöglich über Jahrzehnte hinweg bis heute personelle Kontinuität und - huch! - seriöse Wirtschaftsführung gehabt? Andrerseits: Wenn die Spieler, die sich in den 90er Jahren im Schalker Profiteam gesammelt haben, einfach nur größtenteils limitierte Einzelspieler geblieben wären, statt sich zur verschworensten Mannschaft in der Schalker Geschichte zu entwickeln, wir hätten niemals das Wunder der Eurofighter feiern dürfen. Und ohne Rudi Assauers Visionen würden wir uns vermutlich immer noch im Parkstadion den Allerwertesten abfrieren, hätten aber einige Euro Verbindlichkeiten weniger.

Der Merk!!

Tja, die nächste Mission impossible steht dem Zeitkapselteam am 18.5.2001 bevor: Findet Markus Merk und setzt ihn für den Folgetag außer Gefecht!!! Macht ihn besoffen, schleppt ihn in den Darkroom oder sperrt ihn im Taubenkäfig ein, er darf NICHT pfeifen! Auch hier könnte man den Lauf der deutschen Fußballgeschichte nachhaltig verändern… 2007 wünscht man sich dann einige verdorbene Maultaschen in die schwäbische Mannschaftsverpflegung.

Wenn der Fußballgott Christian Pander mit einer robusten Gesundheit ausgestattet hätte, die Chancen wären verdammt gut, dass wir seit Jahren den besten Linksverteidiger Deutschlands mit einem königsblauen Herzen in unseren Reihen und etliche Probleme weniger hätten. Und was wäre, wenn Andreas Müller auf den Kauf von Ivan Rakitic verzichtet und Mesut Özil die 10 gegeben hätte…? Oder wenn man sich - nein, lieber nicht drüber nachdenken - 2008 für Jürgen Klopp statt Fred Rutten entschieden hätte? Oder ein Ex-Torwart sein Herz statt einer Münchener Schickse einem hübschen Gelsenkirchener Mädel geschenkt und Uli Hoeneß im Biergarten ins Gesicht gelacht hätte, dass Heimat eben nicht nur ein Wort und er nicht käuflich sei…?

Wir sehen, theoretische Möglichkeiten, hätte, wenn und aber gibt es zuhauf, aber in beide Richtungen. Spricht doch stark dafür, im Hier und Jetzt zu bleiben und das Beste draus zu machen. Vielleicht heißt es ja dann in einigen Jahren an dieser Stelle "boah, war das damals knapp - stell Dir vor, die hätten unseren Meistertrainer Keller damals rausgeworfen, ob wir dann von 2015-2017 auch den Titelhattrick geholt hätten…?!" ;-)

Glückauf,
Susanne


Die Autorin:
Susanne Hein-Reipen

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