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Susanne Hein-Reipen kommentiert
Die Schalke-Kolumne 192: Fußballfans sind keine Verbrecher!

Es ist nicht mehr allzu weit, bis das Christkind uns Geschenke in die Häuser bringt. Schalke-Kolumnistin Susanne Hein-Reipen hat einen Wunsch, den sie liebend gern erfüllt bekommen möchte: eine andere, realistische Darstellung von Fußballfans in den Medien.

Weihnachtszeit ist bekanntlich Wunschzettelzeit und da möchte ich ganz oben auf meine Liste setzen: Eine bessere, oder sagen wir einfach realistische Darstellung der Fußballfans insbesondere in Deutschland, die sich nicht an kriminellen Einzelfällen hochzieht und damit Millionen friedlicher Anhänger als brandschatzende und gewalttätige Gefahren für die öffentliche Sicherheit verkaufen will.

Beispiele allein aus der letzten Woche gefällig? Ein Fanforscher ruft nach lebenslangen Stadionverboten, in der "Welt" erfahren wir, "wie Crystal Meth in deutschen Stadien wütet" - illustriert mit einem schönen Bild aus unserem I-Block, als die Hugos ein einziges Mal in der eigenen Arena gezündelt haben - und den "Triumph des Bösen und die Macht der Hooligans".

Die rechte Mischpoke HoGeSa & Co sind in den Medien sowieso allesamt "gewalttätige Fußballfans" (wohingegen Pyrozündler ganz schnell zu "sogenannten Fans" werden, als hätten die Boulevardblätter die Deutungshoheit, wer den Sport genug liebt, um sich Fan nennen zu dürfen) und unser Spiel gegen Köln findet in der öffentlichen Wahrnehmung nur noch mit dem Feuerzeugwurf gegen Sven Hübscher statt. So verabscheuungswürdig der Vorfall auch ist: Es handelt sich auch hier um einen Einzelfall, der hoffentlich aufgeklärt und einer empfindlichen Strafe zugeführt wird. Ein Einzelfall übrigens von den teuersten Plätzen der Haupttribüne. Die Kameras waren derweil auf den "Pöbel" in den Kurven gerichtet…

ACAB-Day

Der 13.12. alias ACAB-Day war für die Polizei in Gelsenkirchen und bundesweit Grund genug, mit der kompletten Flotte auszurücken und die Besucher mit Wasserwerfern, Hubschraubern, Mannschaftswagen, Pferde- und Hundestaffeln und allein auf Schalke 5.000 Polizeibeamten in Empfang zu nehmen, das viel beweinte Überstundenkonto lässt grüßen. Fehlten nur noch Panzer und Flugzeugträger auf der Emscher. Und auf der Schalker Homepage wurden die zum entscheidenden CL-Gruppenspiel nach Maribor mitgereisten Fans gewarnt, bestimmte Areale der Stadt unbedingt zu meiden, weil dort gewalttätige Übergriffe zu befürchten seien. Derweil vernichteten Schalker und NK Maribor-Fans Arm in Arm fröhlich die Glühwein- und Biervorräte.

Apropos Maribor: Gegen Ende der ersten HZ entfachten die NK-Anhänger eine Pyro-Show, die sich gewaschen hatte, die gesamte Kurve stand in Flammen. Und siehe da: In den slowenischen Gazetten wurde am nächsten Tag das "Spektakel" abgefeiert, Maribor war stolz, dass seine Fans mit besagter Pyro-Aktion, einem Feuerwerk und zwei Choreos die "europäische Klasse" bewiesen hatten, welche die Mannschaft bei ihrem Ausscheiden vermissen ließ.

Millionen reisen durchs Land - ein Bruchteil fällt auf

Man braucht nicht viel Phantasie, dass in Deutschland wieder von einer "Fußballschande" und "zündelnden Idioten" die Rede gewesen wäre. Und zahlreiche Schalker standen den slowenischen Fans und Kamerateams, die bewundernd den für Schalker Verhältnisse winzigen königsblauen Tross bestaunten, Rede und Antwort zum Fußball in Deutschland und bauten gegenseitige Missverständnisse ab.

Dieser Punkt kommt mir bei allen Unkenrufen und Horrorszenarien rund um den Fußball viel zu kurz: Millionen Fußballfans fahren Woche für Woche durch die Republik oder auch Europa, um ihr Team anzufeuern und mit Gleichgesinnten Spaß zu haben. Millionen sind dabei friedlich, kurbeln den Getränkeumsatz an und tun mehr für das menschliche Miteinander als alle Sonntagsreden. Berichtet wird aber fast ausschließlich über den verschwindend kleinen Bruchteil, der im negativen Sinne auffällig wird.

Wenn man im Dunklen aus dem Flugzeug auf Europa schaut, ändern sich die Landschaften - aber in nahezu jeder Ortschaft finden sich erleuchtete grüne Rechtecke und man weiß: Auch da unten gibt es Leute, die den schönsten Sport der Welt so sehr lieben, dass sie auch in klirrender Kälte und unter widrigen Umständen als Spieler, Ehrenamtlicher oder Fan unterwegs sind. Aber darüber wird eigenartiger Weise kaum berichtet.

Keine Weihnachtsengel

Der Völkerverständigungscharakter des Fußballs wird von den Medien in erster Linie bei durchkommerzialisierten und FIFArisierten Großveranstaltungen wie der Weltmeisterschaft bemüht, dabei tut jeder einzelne Fan jedes einzelnen Popelvereins, der seine Mannschaft unterstützt und dabei vernünftig mit seinen Mitfans und Gegnern umgeht, mehr für den Fairnessgedanken als Herr Blatter und Co und sämtliche Politiker in Brüssel.

Ich behaupte nicht, dass alle Fußballfans Weihnachtsengelchen sind. Aber ich glaube, dass die Gewalttäter eine absolute Randgruppe sind; eine Randgruppe, die sich auch bei anderen gesellschaftlichen Großereignissen zeigt, eine Randgruppe, die in der Gesellschaft vorhanden ist und KEIN fußballspezifisches Problem darstellt.

Verhältnisse anerkennen

Und ich wünsche mir, dass die Berichterstattung diese Verhältnisse anerkennt und aufhört, mit Panikmache und Pauschalisierungen den Eindruck zu erwecken, als sei man im Stadion seines Lebens nicht mehr sicher, weil durchgeknallte, zugekokste Gewalttäter über einem Bengalofeuer Jungfrauen und Kleinkinder rösten und die dazugehörigen Familienväter zusammenschlagen.

Und dass auch die Polizei aufhört, Fußballfans als Gegner zu betrachten, denen man generell mit brutalstmöglicher Härte gegenübertreten muss. Deutsche Stadien waren noch nie so sicher wie heute, auf jedem Weihnachtsmarkt, jedem Volksfest ist die Gefahr, in eine Schlägerei unter Besoffenen zu geraten, höher.

Die Rufe nach Kostenerstattung und immer schärferen Sicherheitsvorkehrungen sind übertrieben.
In diesem Sinne hoffe ich, dass 2015 mehr der Fußball als schönste Nebensache der Welt und die verrückte, bunte, vielfältige, leidenschaftliche Fankultur im Mittelpunkt steht als die oft nur gefühlten und hochgeputschten Ausschreitungen. Allen Fußballfans ein friedliches Weihnachtsfest und ein ebensolches neues Jahr, wir sehen uns…!

Glückauf,

Susanne


Die Autorin:
Susanne Hein-Reipen

Alle Schalker Gast-Kolumnisten

 

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