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Der versöhnliche Spielbericht
Schalke verblüfft treue Fans mit zwei grundverschiedenen Halbzeiten und erkämpft ein 1:1

(Foto: Hein-Reipen)

Das einzig Berechenbare an Schalke ist das vollständig Unberechenbare! Als sich die königsblauen Fans nach einer erschreckend schwachen ersten Halbzeit bereits mit einem weiteren Grottenkick abgefunden haben, spielt Schalke in der zweiten Halbzeit tatsächlich Fußball und kommt zu einem verdienten 1:1 bei CL-Aspirant Bayer Leverkusen. Susanne Hein-Reipen über gefühlte Heimspiele, gute Stimmung und eine erstaunliche Wiederauferstehung.

Schalke und Leverkusen trennen gerade einmal 80 km, für die bekannt reisefreudigen Schalkefans also ein niedlicher kleiner Ausflug. Neben der kurzen Anreise sorgen der prima Shuttleservice und die so herrlich an die Wand zu singenden Heimfans für beste Laune bei der Invasion aus dem Pott, auch wenn die sportlichen Aussichten eher überschaubar sind: Erst letzten Samstag hat die Heimmannschaft die Eurolieblinge aus Frankfurt mit 6:1 vertrimmt…

Wenn das Bier von unten sprudelt…

Leverkusen begeht „40 Jahre Bundesliga“ seit dem Aufstieg 1979. Zu diesem Anlass werden an den Eingängen der BayArena feuerrote Shirts an alle Fans der Werkself verteilt. Schalker, die auf einen kostenlosen Putzlappen spekulieren, gehen leer aus. 

Nicht leer, sondern blitzschnell voll werden hingegen die Bierbecher am „Fast Lane Bierstand“: Das Bier sprudelt von unten in die Becher, die zu diesem Zweck mit einem One-Way-Ventil ausgestattet sind. Genau abgestimmte Füllmenge, perfekte Schaumkrone, Rekordtempo: Das Staunen und die Begeisterung sind groß – vielleicht ist das ja auch etwas für die vielen durstigen Kehlen in der Veltins-Arena…?

Im Inneren der BayArena ist bereits deutlich vor dem Spiel erkennbar, dass sich beide Fanlager etwas vorgenommen haben: Jede Menge rote Glitzerfolie im Heimbereich, hunderte blau-weiße Fähnchen in der Gästekurve. Doch vorher herzt sich Maskottchen „Brian the Lion“, der einige Gästefans eher an einen freundlichen gelben Blumenkohl als einen Löwen erinnert, noch durch die Reihen, dann verabschiedet Geschäftsführer Rudi Völler Ersatzkeeper Thorsten Kirschbaum und Isaac Kiese Thelin und den auch bei Schalke ins Gespräch gebrachten Jonas Boldt.

40 Jahre Bundesliga unter’m Bayerkreuz – doch das Vereinslied können sie immer noch nicht!

Nun sollte man meinen: 40 Jahre Bundesliga reichen, um sich das aus gerade einmal drei Strophen mit nicht übermäßig schweren Reimen der Marke „Leverkusen, wir sind die Macht am Rhein, Leverkusen, und das wird immer so sein…“ bestehende Vereinslied zu merken – aber nix, als der „Werkself-Cowboy“ (…!) auf seiner Hebebühne ins Mikro röhrt, müssen Untertitel her. Der Schalker Anhang weiß nicht so recht, ob er darüber lachen oder weinen soll.

Dann rüstet sich das Stadionsprecherduo dazu, zahlreiche Leverkusener Größen aus den vergangenen 40 Jahren auf den Rasen zu bitten: Die Namen der 1979er Aufstiegsmannschaft sind vornehmlich Eingeweihten ein Begriff, die UEFA-Pokalsieger von 1988 und die „Vizehelden“ von 2002 sind noch deutlich präsenter. In der langen Reihe von Adler bis Ziegler gibt’s Sonderapplaus für Bum Kun Cha, Christoph Daum, Ulf Kirsten, Rüdiger Vollborn und Ze Roberto; die Gäste vermissen allerdings Rainer Calmund und Michael Ballack. 

Während die alten Recken einlaufen, erscheint in der Fankurve ein riesiges Banner „40 Jahre Bundesliga unter’m Bayerkreuz“, auf der Gegengeraden plaudern zwei Männer in Bayer-Trainingsanzügen über den Aufstieg 1979: „Nä, wat is dat schön!“ Schön findet auch der Schalker Anhang, dass alle Augen auf die Choreo gerichtet sind, denn so können einige Fans nahezu unbeobachtet und unbehelligt über den Zaun in den begehrten Stehblock klettern.    

Berg und Tal mit S 04

Doch egal, wie viel Mühe sich die „Werkself“ mit ihrer Choreo macht: Die akustische Lufthoheit gehört den Schalkern! Unter dem Motto „Berg und Tal mit S 04“ verwandelt sich der ca. 6.000 Köpfe starke Gästebereich in ein wogendes blau-weiß-kariertes Fahnenmeer, das mit dröhnend lautem „Olé olé, FC Schalke 04“ den Rest der mit 30.210 Zuschauern ausverkauften BayArena locker an die Wand singt. Same procedure as every year, Miss Sophie.

Die Schalker Aufstellung kommt ohne Überraschungen aus, Huub Stevens ersetzt lediglich den angeschlagenen Serdar und Ahmet Kutucu, der gerade die U 19 zur überraschenden westdeutschen Meisterschaft schießt, durch Boujellab und Neu-Papa Burgstaller. Ein Bild von Youngster Boujellab konnte die Leverkusener Stadionregie offenbar nicht auftreiben; Nübel, McKennie, Stambouli, Nastasic, Caligiuri, Oczipka, Mascarell, Rudy, Embolo und Burgstaller haben da mehr Glück.

Schalke regiert auf den Rängen, Leverkusen auf dem Rasen

Nach der ersten Abtastphase nehmen die Hausherren das Heft in die Hand, Schalke beschränkt sich weitgehend darauf, die Vorstöße zu verhindern. Auf den Rängen ist es glatt umgekehrt, die Gäste können nach Belieben schalten und walten und ungestört den „Königsblauen S 04“ und nach langer Zeit wieder einmal „Hey, Schalke ist die Macht“ performen. Heimspiel in Leverkusen! Doch man merkt, dass die zurückliegende Saison einige Wunden geschlagen hat: „Nie mehr zweite Liga, nie mehr, nie mehr…“ war gut 25 Jahre aus dem Schalker Liedgut verschwunden…

Nach gut zehn Minuten heißt es dann kräftig Durchschnaufen: Stambouli leistet sich einen unnötigen Ballverlust, Aranguiz schnappt sich den Ball und donnert ihn an die Latte, der postwendende Nachschuss von Brandt knallt gegen den Pfosten. Uiiii…  Und Leverkusen bleibt im Vorwärtsgang und schnürt Schalke in der eigenen Hälfte ein. Auf den ersten Entlastungsangriff durch McKennie müssen die königsblauen Fans und der an der Seitenlinie herumbrüllende Stevens bis zur 24. Minute warten. 

In der 31. Minute ist es dann soweit: Die Leverkusener Überlegenheit mündet trotz ungebrochenen Supports der Gästekurve mit „Auf geht‘s Blau-Weiß, holt euch den Sieg für uns“, „Fußballclub Schalke denn du bis das was zählt“, „Steht auf“ und sogar „Schalke ist der geilste Club der Welt“ in das verdiente 1:0: Flanke Brandt, Stambouli und McKennie bekommen den Ball nicht aus der Gefahrenzone, Havertz hat keine Mühe, aus elf Metern zu vollstrecken. 

Die Gästekurve schüttelt sich einmal kurz und macht dann ungerührt mit den „Asozialen Schalkern“, „Geh‘n mit Dir auf jede Reise“ und den Grüßen an Twente Enschede weiter, doch mehr als ein gefährlicher Schuss von Boujellab, für den sich Hradecky ordentlich langmachen muss, springt vor der Pause nicht mehr heraus.

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Tabelle

34. Spieltag
PlatzVereinSp.ToreDiff.Pkt.
12Mainz 053446:57-1143
13Freiburg3446:61-1536
14Schalke 043437:55-1833
15Augsburg3451:71-2032
16Stuttgart3432:70-3828

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