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Königsblauer Kommentar
Tedesco entlassen – der Kopf sagt Ja, das Herz schreit NEIN

(Foto: dpa)
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Der FC Schalke 04 hat Cheftrainer Domenico Tedesco freigestellt. Bei Susanne Hein-Reipen löst diese Entscheidung extrem zwiespältige Gefühle und eine Riesenportion Wehmut aus. 

Die Reißleine…

Die Nachricht, dass Tedesco und seine Co-Trainer von ihren Aufgaben entbunden worden sind, kam nicht überraschend. Rational betrachtet ist die Demission eines Trainers nach einer zunehmend rasanteren Talfahrt – 0:3 in Mainz, 0:4 gegen Düsseldorf, 2:4 in Bremen, 0:7 in Manchester – bis in den Abstiegskampf keine ungewöhnliche Entscheidung. So wie in den letzten Spielen konnte es auf Schalke nicht weitergehen, wenn der Klassenerhalt nicht ernsthaft gefährdet werden sollte. 

…tut weh!

Trotzdem: Die Entlassung fühlt sich einfach falsch an – und sie schmerzt erheblich mehr als jeder andere der durchaus zahlreichen Schalker Trainer-Rauswürfe in den letzten 15 Jahren! 

Es ist KEIN Zufall, dass es trotz der teilweise unterirdischen Spiele im Stadion keine Tedesco-raus-Rufe gab. Der junge Deutsch-Italiener hat die Schalker Fans emotional erheblich mehr gepackt als seine Vorgänger. Dieser Respekt, die Zuneigung beruhen teilweise auf der untrennbar mit Tedesco verbundenen Vizemeistersaison, die zwar selten spielerische Highlights, dafür aber emotional und kämpferisch alles bot, was sich das Schalker Herz wünscht: Drama. Leidenschaft. Teamgeist. Kämpfen bis zur allerletzten Sekunde. Nie aufgeben. Spiele wie das 4:4-Jahrhundertderby sind „für jetzt und alle Zeit“ in die Schalker Herzen und Geschichtsbücher eingebrannt.

Es hat den Falschen getroffen…

Noch wichtiger als der Erfolg war das Gefühl, endlich einen Trainer gefunden zu haben, der Schalke versteht und lebt: Wenn Tedesco nach einem Sieg völlig losgelöst über den Platz rannte, um Fährmann in die Arme zu springen oder nach dem Heimsieg im Derby vor Begeisterung auf den Boden trommelte, musste man ihn einfach lieben. Seine Hingabe und sein Schalker Herzblut kamen so authentisch rüber, dass er sogar als einziger Trainer der Vereinsgeschichte auf dem Ultra-Podest in der Nordkurve abgefeiert wurde. Auch seine Vertragsverlängerung bis 2022 wurde auf dem Schalke-Tag allseits freudig begrüßt.

Selbst in der Krise konnte man Tedesco seine Identifikation mit Schalke ansehen. Auf jeder Pressekonferenz war deutlich zu erkennen, wie sehr er litt, der Misserfolg an ihm nagte; er sah in den letzten Wochen zunehmend schlechter und gestresster auch, während einige Spieler selbst nach bösen Klatschen Minuten nach dem Abpfiff wieder mit den Gegenspielern scherzten und lachend vom Platz gingen.

…obwohl auch er Fehler gemacht hat

Nun ist es schwierig, eine ganze Mannschaft rauszuwerfen; zudem ist auch die Gleichung „Tedesco = guter Malocher, Spieler = böse Söldner“ in dieser Plattheit nicht richtig. Auch in der Mannschaft gibt es Kämpfer, auch Tedesco hat nicht alles richtig gemacht. Durch ständige Rotation, die nur zum Teil verletzungsbedingt erforderlich war, konnte sich keine Stammformation einspielen und Automatismen und Sicherheit finden, zudem muss man die Frage stellen, ob Tedescos Umgang mit den Führungsspielern Naldo und Fährmann richtig war.

Für mich ist Tedesco trotzdem bei weitem nicht der Hauptschuldige, dass in dieser Saison eine fast beispiellose Negativspirale in Gang gekommen ist. Die teilweise unmotiviert und unter ihren Möglichkeiten auftretenden Spieler, die in der Summe extrem unglücklichen Schiedsrichter-Entscheidungen und das erfolglose Wirken von Ex-Sportvorstand Christian Heidel haben einen gerüttelten Teil dazu beigetragen!

Tedesco hat Eier

Im Gegensatz zu Heidel hat sich Tedesco nicht verp..., pardon, aus dem Staub gemacht, als es richtig ungemütlich wurde, im Gegenteil: Nach der bitteren  Heimniederlage gegen Fortuna ging er noch vor der Mannschaft in die vor Wut tobende Nordkurve und stellte sich dem Frust und den Beschimpfungen. 

Tedesco versuchte mit aller Gewalt, den Karren wieder aus dem Dreck zu ziehen - und ich glaube nicht, dass er dabei primär an seine Abfindung dachte. Er wollte den Erfolg, er wollte es wieder gut machen, er wollte Schalke wieder nach oben führen.  

Ich finde es ungeheuer schade, dass es dazu nicht mehr kommen kann. Nicht nur, dass ich es menschlich äußerst traurig finde, Tedesco zu verlieren: Wir verabschieden uns damit auch - wieder einmal – mit Karacho von Kontinuität und langfristigem Aufbau, obwohl Aufsichtsrat und Vorstand länger Geduld gezeigt als zuvor in vergleichbaren Situationen.

Alles Gute, Domenico, Glückauf, Huub und Buyo!

Danke für dein Wirken auf Schalke, lieber Domenico Tedesco! Erhol Dich erst einmal - und vielleicht sehen wir uns irgendwann wieder…

Apropos Wiedersehen: Glückauf, Huub Stevens und Mike Büskens! Viel Erfolg bei der Mission Klassenerhalt und im DFB-Pokal! Euer Schalker Herzblut und die Malochermentalität sind über jeden Zweifel erhaben. Hoffentlich spielt die Gesundheit mit und Ihr könnt den Spielern, die nicht 104 Prozent für den geilsten Club der Welt geben, den Hintern bis zu den Ohren aufreißen. 

Glückauf!  

 


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Tabelle

34. Spieltag
PlatzVereinSp.ToreDiff.Pkt.
12Mainz 053446:57-1143
13Freiburg3446:61-1536
14Schalke 043437:55-1833
15Augsburg3451:71-2032
16Stuttgart3432:70-3828

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