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Schalke vs. Hertha
Ziemlich beste Feinde

Szenen vom jüngsten 2:2 zwischen Hertha und Schalke im März 2015. (Foto: dpa)
Szenen vom jüngsten 2:2 zwischen Hertha und Schalke im März 2015. (Foto: dpa)
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Gelsenkirchen – Hertha-Fans verbinden mit Schalke 04 eine tiefe Rivalität. Die Fans der Königsblauen hingegen verbinden mit der Hertha nichts. Die Geschichte der einseitigsten Rivalität der Liga. 

Nur eingefleischte Bundesliga-Kenner erinnern sich noch an Zoltán Varga. Der Ungar, der 2010 bei einem Altherren-Spiel an Herzversagen verstarb, hinterließ als Stürmer für die Hertha, in der zweiten Liga für den BVB und in Augsburg kaum nennenswerte Spuren. Und dennoch führen ihn die Anhänger des Hauptstadtclubs heute noch regelmäßig im Munde, wenn es darum geht, ihre Abneigung gegen den S04 zu begründen.

Varga war wegen seiner Verwicklung in den Bundesliga-Skandal 1971 mit einer Vorsperre belegt worden, was für die Berliner nicht folgenlos bleiben sollte: Beim DFB-Pokal-Match gegen den S04 kam der Ungar nämlich dennoch zum Einsatz. Hertha BSC  hatte dazu eine einstweilige Verfügung vor einem Berliner Gericht erstritten. Die Knappen gewannen die sportlich schon verlorene Partie – damals noch in Hin- und Rückspiel ausgetragen – am grünen Tisch, denn im Januar 1972 annullierte das DFB-Sportgericht das Rückspiel und wertete es mit 2:0 für Schalke. Hertha war wieder einmal im DFB-Pokal ausgeschieden.

Skandal-Sünder auf dem Feld

Einen besonderen Groll hinterließ bei den Hertha-Fans im Nachhinein, dass auch auf Schalker Seite mehrere Skandal-Sünder auf dem Feld gestanden hatten, die allerdings zu diesem Zeitpunkt noch nicht im Fokus der Ermittlungen standen. Und dann holten die Königsblauen schließlich 1972 auch noch mit einem grandiosen 5-0 Sieg über den 1. FC Kaiserslautern den Cup nach Gelsenkirchen. 

Dass die Abneigung bei den Hertha-Fans durchaus tief sitzt, erfuhr vor allem Schalkes Jahrhundert-Trainer Huub Stevens bei seinem glücklosen Engagement an der Spree. Die Hertha-Fans hätten ihn nicht als ihren Trainer, sondern nur als Schalker gesehen, klagte der Holländer später, dem die Rivalität zuvor nicht bekannt gewesen war. Wie auch? Am Schalker Markt spielte sie ja schließlich nie eine Rolle.

So sehr sich die Geschichte vom Pokalaus am grünen Tisch inzwischen als Erklärung für die Feindseligkeiten im Berliner Lager manifestiert hat, so schwer glaubhaft erscheint sie. Eine singuläres Ereignis vor mehr als 40 Jahren, das über Generationen weitergetragen wird? Eher müsste die heutige Fangeneration der Alten Dame doch eine Rivalität zur Düsseldorfer Fortuna pflegen, denn immerhin kostete der Platzsturm der Fortuna-Fans im Relegationsmatch der Hertha 2012 die letzte Chance auf den Klassenerhalt.
 


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Hertha BSC ist dann eher auch unfreiwillig ein Beispiel dafür, was dem Fußball ohne lokale Rivalitäten, gewachsene historische Gegnerschaften und traditionsreiche Derbys fehlt – ein wesentlicher Reiz für Fans nämlich.

 Denn die tiefere Wurzel dieser wohl kuriosesten Fanrivalität in der Bundesliga liegt eher im Mauerblümchendasein der Hertha während des kalten Krieges begründet.  S04 und BVB wetteifern seit Oberliga-Zeiten um die Vormacht im Revier, Hannover und Braunschweig verbindet eine historische Städtekonkurrenz, Karlsruhe und Stuttgart gar Stammesfehden in einem künstlich zusammengefügten Bundesland und die Rivalität zwischen dem HSV und St.Pauli hat ihren Ursprung in verfeindeten politischen Jugendkulturen der 1980er Jahre.

Hertha BSC-Anhänger lebten hingegen zwischen Mauerbau und -fall unter einer Käseglocke. Die kürzesten Auswärtsfahrten führten Transit durch die DDR nach Braunschweig, Hamburg oder Nürnberg – von Derbys keine Spur.

Lokale Konkurrenz taugt nix

Die lokale Konkurrenz der Hertha taugte mangels sportlicher Erfolge auch nicht für Derbygefühle. Tasmania Berlin ging am katastrophalen Bundesligajahr zugrunde. Tennis Borussia hatte seine Glanzzeiten in den 1970ern, als Showmaster Hans Rosenthal dem Verein vorstand und die West-Berliner Prominenz mit den Veilchen sympathisierte. Später stürzte ein größenwahnsinniger Sponsor TeBe in den Abgrund. Heute wird der Club von einer linksalternativen Fanszene getragen – ein Zuschauermagnet war Tennis Borussia aber nie. Blau-Weiß 90 schließlich zog durchaus junge, der Hertha abgeneigte Supporter an, tanzte aber auch nur einen Sommer. Wer in West-Berlin wie Hertha BSC Ende der 80er Jahre ganz aus dem Profifußball fiel, musste sich gar in der Berliner Amateurliga mit Vereinen wie Rapide Wedding oder dem Traber FC messen.
Auch nach der Wiedervereinigung erwuchsen den Hertha-Fans keine Derbygegner. Die natürlichen regionalen Gegner aus Cottbus, Dresden oder Leipzig erlitten wie der gesamte ostdeutsche Fußball Schiffbruch. Außerdem hängt der Fußball-Fan in den neuen Bundesländern nach wie vor den Rivalitäten aus dem DDR-Fußball nach – da bleibt der West-Club Hertha außen vor.

Bleibt also nur Schalke. Warum Schalke? Wegen eines vermeintlich gestohlenen Pokalsiegs? Die Erinnerung daran hielt sich wohl auch deshalb so hartnäckig, weil der S04 schon in den 70ern und 80ern Jahren eine reisefreudige Anhängerschaft mit in die Hauptstadt brachte. Und weil die Hooligans auf beiden Seiten dies gern auch zur Konfrontation nutzten. Da mag manche Erinnerung an geschlagene Schlachten an den Nachwuchs weitergegeben worden sein – sicher eher als das Gedenken an Zoltán Varga.

Bleibt nur die Hoffnung auf einen Aufstieg von Union Berlin. Die Köpenicker könnten in der Erstklassigkeit endlich das Erbe der Schalker als Lieblingsfeinde der Hertha-Fans antreten. Zwar verband die beiden Berliner Fanlager zu den Zeiten der Teilung eine Freundschaft – doch die ist längst vergessen. So lange sich die beiden Berliner Clubs – an den entgegengesetzten Enden der Stadt beheimatet – allerdings noch aus dem Weg gehen, werden die Königsblauen wohl weiterhin als einziger Club auf der Homepage der Hertha-Ultras nicht beim Namen genannt – sondern schlicht als Gelsenkirchen aufgeführt. 

 


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34. Spieltag
PlatzVereinSp.ToreDiff.Pkt.
1FC Bayern3492:286484
2Schalke 043453:371663
3Hoffenheim3466:481855
4Dortmund3464:471755

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