Berichte aus dem Krombacher-Pokal

Bezirksligist im Westfalenpokal
Westfalia Kinderhaus bastelt am eigenen Fußball-Wunder: FC Gütersloh kommt

Trainer Frank Busch und Fußball-Abteilungsleiter Franz-Josef Rensing freuen sich auf das Spiel. (Foto: Schulte)

Münster – Bei Westfalia Kinderhaus arbeiten sie gerade an ihrem kleinen Fußball-Wunder. Am kommenden Samstag schaut der FC Gütersloh im Westfalenpokal vorbei. Und der wackere Bezirksligist aus Münsters Norden träumt ein bisschen...

Der Westfalenpokal. Für die "großen" Klubs aus Münster, aus Paderborn oder Lotte ist der Wettbewerb nur der Weg in den DFB-Pokal. Solche Ziele hat Bezirksligist Westfalia Kinderhaus nun nicht gerade. Hinten, an der Großen Wiese in Münster-Kinderhaus, einem Stadtteil im Norden, bleiben sie mit beiden Beinen auf dem Boden. Ohnehin ist der Bezirksligist der letzte "David" unter lauter Goliaths. Und wenn am kommenden Samstag der FC Gütersloh im Achtelfinale des Westfalenpokals anreist, dann weiß jeder Bescheid. Läuft alles nach Plan, hat sich der kurze Höhenflug der Westfalia im Pokal schnell erledigt.

Aber wer weiß? Im Pokal gelten - ja, ja - eigene Gesetze und auch die "Großen" bekleckern sich nicht mit Ruhm. Die schwarz-weiß-grünen Kollegen von Preußen Münster beispielsweise taten sich am Samstag beim 2:1 gegen Neuenkirchen ja auch schwer... Und ein bisschen Hoffnung, ein wenig Träumerei kann man sich ja wohl erlauben.

Dass beim SC Westfalia alle wissen, wie realistisch eine sportliche Überraschung ist, tut dem keinen Abbruch. Frank Busch ist seit Sommer 2014 Trainer in Kinderhaus und freut sich wie seine Truppe auf den Pokal-Kick. "Das ist doch ein echtes Highlight, gegen einen Oberligisten zu spielen..."

Tatsächlich war Westfalia noch nie so weit im Westfalenpokal. Der Klub musste dazu (erstmals) den Kreispokal gewinnen. Anfang Mai gewann Westfalia gegen den SV Bösensell mit 3:1 und belohnte die Arbeit später mit Erfolgen im Westfalenpokal.

In Runde 1 setzte sich Westfalia in letzter Sekunde gegen den Westfalenligisten Westfalia Wickede mit 2:1 durch. In Runde 2 fiel erneut ein spätes Siegtor für Kinderhaus. Gegen den Landesligisten CSV Bochum-Linden gewann das Busch-Team mit 1:0. Stefan Schwinn traf ebenfalls in der Nachspielzeit, praktisch mit der letzten Aktion, zum Sieg und sorgte für eine Mega-Party im schmucken Sportzentrum der Westfalia.

Jetzt also der FC Gütersloh. Frank Busch muss grinsen, als er den Matchplan formuliert. "Bestenfalls in der 93. Minute das Siegtor erzielen", sagt er. Wenn das klappt, bekäme es der Sieger mit einem hoch "größeren" Gegner zu tun. Drittligist SF Lotte wartet im Viertelfinale. "Also sooo chancenlos sehe ich das alles nicht", sagt Busch aber auch. Wenn man kein schnelles Gegentor kassiere, dann wolle er mal sehen, wie sich das entwickele. "Wir haben ja auch was zu bieten."

Recht hat er. Denn so knapp die ersten beiden Runden an Westfalia gingen, so verdient war es auch. In beiden Spielen investierte Kinderhaus viel und belohnte sich für den Aufwand. Glücklich wegen der späten Tore vielleicht, aber eben weder zufällig noch unverdient.

Im Klub macht man jetzt allerdings keine "Sonderlocken". Es gibt keine Sieg-Prämie, die Mannschaft bezieht kein Tageshotel, es sind keine Scouts beim FC Gütersloh. Für Westfalia ist die Liga wichtig - in der Bezirksliga 12 rangiert das Team aktuell auf Platz 2. Zuletzt schickte Kinderhaus die Gäste von Germania Hauenhorst mit einem 4:0 nach Hause...

Insgesamt also ist die Laune gut, zu verlieren hat Westfalia nichts, also wäre noch Platz für eine schöne Pokalsensation.

Drumherum

So zweihundert, dreihundert Fans schauen normalerweise zu, wenn Westfalia in der Liga antritt. Im Sommer 2015 waren mal über 1.000 Zuschauer da, als Preußen Münster zu einem Testspiel anreiste. "Ausverkauft" war die Anlage Große Wiese bisher noch nicht. Mal schauen, was gegen den FC Gütersloh möglich ist.

Gespielt wird aber in jedem Fall. Wenn der Rasenplatz nicht bespielbar sein sollte, zieht Westfalia ein paar Meter weiter auf die anderen Seite zum Kunstrasenplatz. Dort wäre es dann aber ein bisschen enger...

Der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) plant übrigens schon voraus. Auch in Kinderhaus meldete sich der Verband bereits, um für ein mögliches Viertelfinale einen Termin abzustimmen. Eine reine Routine-Abfrage, aber eben auch ein schöner Beleg für den Pokal-Höhenflug in Kinderhaus.

SC Westfalia Kinderhaus - FC Gütersloh

Samstag, 19. November, 13.30 Uhr

Sportanlage Große Wiese

 

Westfalias sportlicher Höhepunkt? (Foto: Schulte)