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Spiel-Kommentar
Belgien gegen Japan: Wenn der Fußball die Liebe erwidert

Später Jubel. (Foto: dpa)
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Leicht haben es Fußballfans nicht, denn es gibt so viele Möglichkeiten, sich über den Volkssport aufzuregen. Die Weltmeisterschaft in Russland ist ein Paradebeispiel, vom großen Ganzen der Vergabe bis hin zum einzelnen Sportler, der seine Rolle als Weltstar für Spirenzchen ausnutzt. Belgien gegen Japan war erfrischend anders und es wert, sich neu in den Fußball zu vergucken.

Die Sympathien waren vor dem Spiel ausgeglichen verteilt. Ganz ehrlich: Ein bisschen pochte es doch in der Brust für den Underdog aus Asien, ein logischer Reflex. Außenseiter sind attraktiv. Selbst die biedere, von Dopingvorwürfen überschattete, politisch umstrittene russische Mannschaft wurde mit ihrem beherzten Auftritt gegen Spanien vielen unverblümt wie ungewollt sympathisch. Andererseits würde im Viertelfinale das Duell zwischen Belgien und Brasilien winken. Nicht weniger als ein vorgezogenes Finale, rein nominell. Verlockende Aussichten.

Dann kamen sie, die Belgier, die Japaner, und nach zehn, zwanzig Minuten hatte das Spiel seine Würze bekommen. Belgien versuchte zu zaubern, die unglaubliche spielerische Qualität des deutschen Nachbarn wollte geradezu in jedem Spielzug verdeutlicht werden. Japan hielt mit großer Intensität dagegen, machte körperliche Defizite mit Einsatz und weiten Laufstrecken wett, verhaspelte sich aber in seinen wenigen Angriffen gerne. Es machte Spaß, zuzuschauen, wie belgische Topstars Japan forderte und japanische Arbeitstiere Belgien das Leben schwer machten.

Nach 52 Minuten war Japan dem Viertelfinale nah, verdammt nah. Vor den Fernsehern fieberten auch Millionen Deutsche mit, schlossen die Mannschaft mit ihren vielen Bundesliga-Profis in ihr Herz. Belgien wankte und fiel doch nicht. Es schlug noch meisterhafter zurück als Frankreich gegen Argentinien, ganz im Stile eines Champions. Das erste Tor noch glücklich, war das zweite schon raffiniert und der entscheidende Konter in der Nachspielzeit eine Augenweide. Es war das beste, das intelligenteste Tor dieser Weltmeisterschaft, und das emotionalste dazu.

Trost nach Abpfiff. (Foto: dpa)

Beispielhafter, fairer Sport 

Fußball als mitreißender Blockbuster zum Abend – daran könnte man sich gewöhnen. Wahrscheinlich aber wird es dazu nicht kommen, zumindest nicht bei dieser Weltmeisterschaft. Während Russland mit einem Verteidiger, der in seinen 75 Minuten Spielzeit nicht einen Pass zum Mitspieler bringt, das Viertelfinale erreicht, wird Japan eine abgefangene Ecke zum Verhängnis. Ihr munterer wie mutiger Ansatz ist nicht belohnt worden. Die Defensive gewinnt eben Titel.

Sich darin zu verstricken, ist nach diesem Spiel der falsche Ansatz. Es war ein tolles Match auf der einen Seite, ein unglaublich faires auf der anderen. Hatte Brasiliens Weltstar Neymar wenige Stunden zuvor wieder einmal versucht, einen Platzverweis mit viel Geschrei zu provozieren, so lieferten Belgien und Japan in Rostov am Don ein Beispiel an gegenseitigem Respekt, an gutem Sport ohne grobe Fouls, ohne Zeitspiel, ohne Schwalben. Was sich auch daran zeigte, dass die Sieger den völlig entkräfteten Verlierern auf die Beine halfen und ihnen zu ihrer großartigen Leistung gratulierten.

Vielleicht wollte der Sport den vielen Millionen Menschen, die ihn einerseits finanzieren und sich andererseits schon durch so einige frustrierende WM-Momente gequält haben, mit dieser versteckten Perle etwas zurückgeben. Der Fußball hat am Montagabend nicht als kommerzielle Marke, sondern als authentischer, leidenschaftlicher Sport für sich geworben. Das darf er gerne öfter machen.

 


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