Talente im Visier
BVB-Star Youssoufa Moukoko und andere goldene Jungs

Youssoufa Moukoko (Bildmitte vorn). (Foto: dpa)
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Dortmund – Über kaum ein BVB-Talent wurde und wird so viel geschrieben und gesprochen wie über Youssoufa Moukoko. In der U17 sorgt der erst 14 Jahre alte "Ministar" für Aufsehen. Wie er im Fokus steht und behandelt wird, ist Teil der neuen Fußballwelt. 

"Das BVB-Wunderkind bricht sein Schweigen" fasst die "Welt" am Mittwoch ein Interview mit dem BVB-Talent Youssoufa Moukoko in der "Sportbild" zusammen. Darin formuliert der 14-Jährige seine Ziele ganz klar: Profi beim BVB werden, mit Borussia die Champions League holen und den Ballon d'Or gewinnen. Halt so die ganz normalen Ziele eines Fußballtalents, das in der B-Jugend-Bundesliga spielt, oder?

Dem BVB kann man wahrlich nicht vorwerfen, den jungen Spieler irgendwie zu "verheizen". Im Gegenteil wird der Spieler weitgehend abgeschottet, Interviews sind ausgesprochen rar. Dass Moukoko selbst sagt, der "Paradiesvogel" Aubameyang sei wie ein "großer Bruder" für ihn, macht allerdings nicht unbedingt Mut. 

Alles im Leben des BVB-Talents wird dem Erfolg untergeordnet. Und das ist typisch für die schöne, neue Fußballwelt. Immer jünger werden die Stars in den Profi-Ligen. Nicht zufällig wurde jüngst darüber gesprochen, dass Fußballer ihren Zenit heute immer früher erreichen. Wer heute Ende 20 ist, steckt nicht mehr im besten Fußballalter, sondern gehört fast schon zu den "Altersweisen". Da hat sich einiges verschoben; und das nicht erst seit gestern.

Es ist noch nicht lang her, da kutschierte der FC Schalke das überlebensgroße Bild von Julian Draxler durchs Ruhrgebiet. Mit den Talenten brüsten sich nicht nur die Klubs, sondern auch alle drumherum. Nicht immer tut das den Spielern gut. Mario Götze wurde vom Jahrhunderttalent mit WM-Tor zum oft diskutierten Sorgenkind. Und Draxlers Weg verlief bisher auch nicht im Einklang mit den gewaltigen Erwartungen.

Verbandstrainer: "Die Eltern sind die Schlimmsten"

Einer, der ganz nah dran ist an Talenten, ist Helmut Horsch. Fast 30 Jahre war er Verbandstrainer in Kamen. Durch seine Kurse und Teams liefen Spieler wie Marco Reus und viele andere Stars. Er sieht die Entwicklung kritisch - angefangen beim direkten Umfeld der Talente. "Die Eltern sind die Schlimmsten", sagt der Verbandstrainer im Rahmen einer Talkrunde am Dienstagabend. "Die haben ganz früh die Scheine in den Augen." 

Jeder junge Spieler komme heute mit Berater zu Gesprächen. Das Gezerre um jeden halbwegs guten Kicker ist enorm - im dichtbesiedelten NRW besonders. Hier grasen Top-Klubs aus Dortmund, Gelsenkirchen, Köln, Mönchengladbach oder Leverkusen auf den gleichen Plätzen. Da bleibt wenig Luft und Zeit.

Dabei sei die Förderung von Talenten so wichtig. "Das geht auch über das 20. Lebensjahr hinaus", so Horsch. Einfach sei das heute nicht mehr. "Sobald die Jungs 16 Jahre alt sind, kannst du fast nichts mehr ändern." Dann hätten die Spieler ihre Marotten und Persönlichkeiten geformt. Beispiel Leroy Sané. "Der war auch bei mir und wir wussten damals schon, dass er auch problematisch sein kann. Das hat vielleicht auch Joachim Löw vor der WM gewusst", so Horsch über die Nichtberücksichtigung des gebürtigen Esseners. Diese Vermutung des Verbandstrainers wird auch gestützt durch Aussagen des DFB-Vizechefs Rainer Koch. Der hatte zuletzt in der TV-Sendung "Doppelpass" über "interne Gründe" gesprochen, die zu Sanés Aus für die WM geführt hatten. Seine fußballerischen Qualitäten seien dagegen unstrittig. 

Das völlig aufgeblasene Geschäft mache die Sache nicht einfach. Horsch: "Da stehst du als 19-Jähriger, verdienst 15 Millionen Euro im Jahr und fragst dich nur, in welches Auto du morgens steigst." Eine völlige Überforderung für viele junge Menschen. "Da hebst du doch ab." 

 

 

 


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