Nach erstem Abstieg seit 34 Jahren
Über 10.000 Dauerkarten verkauft: Twente Enschede boomt nach Eredivisie-Aus

(Foto: Schulte)

Enschede – Treu sind sie, die Fans der „Tukkers“. Obwohl Twente Enschede nach mehr als drei Jahrzehnten wieder aus der höchsten niederländischen Liga absteigen wird, rennt die Anhängerschaft seinem Verein sprichwörtlich die Bude ein. Es dürfte eine einmalige Kulisse werden, vor der viele Zweitligisten in der kommenden Saison spielen werden.

Nur einen Steinwurf entfernt von Fußball-Westfalen wurde über viele Jahre nicht nur erstklassiger, sondern ziemlich attraktiver Fußball gespielt. Twente Enschede stand für Spieler wie Fred Rutten, Niels Oude Kamphuis oder Nico Hoogma, in jüngerer Vergangenheit kickten dort etwa Eljero Elia, Luuk de Jong oder Marko Arnautovic. Sie spielten Champions League, krönten sich 2010 unter Steve McClaren zum holländischen Meister. Nun sind sie abgestiegen.

Schon vor zwei Wochen war über das Schicksal von Twente Enschede entschieden worden. Im so wichtigen Auswärtsspiel bei Vitesse Arnheim wurden die Roten vor den Augen ihrer zahlreich mitgereisten Fans mit 0:5 deklassiert. Am vorletzten Spieltag war ihnen der einzige direkte Abstiegsrang der Eredivisie als Letzter gewiss. Ein mehr als trauriger Abgang, der sich aber angekündigt hatte. Spät, vielleicht zu spät hatte man sich von Trainer Gertjan Verbeek getrennt, der aus 18 Ligaspielen nur einen einzigen Sieg geholt hatte. 

Rauchbomben und Drohgebärden beim Abschiedsspiel

Verabschieden „musste“ sich Twente schließlich am vergangenen Wochenende im bedeutungslosen Kick gegen NAC Breda, mit dem Enschede lange um die Nichtabstiegsplätze gekämpft hatte. Einige Fans machten ihrem Unmut mit schwarzen Rauchbomben Luft, dunkler Nebel bedeckte das gesamte Stadion. Eindeutige Transparente machten den Frust auf Spieler und Vereinsführung deutlich. Einige Zuschauer zeigten sich willens, über die Barrikaden zu steigen und Spieler zu bedrohen. Erst ein Eingriff von Trainer Marino Pusic beruhigte die Gemüter ein wenig. 

Auch Tage danach ist der Abstieg in die „Eerste Divisie“ für viele niederländischen als auch deutschen Fans aus dem Grenzgebiet immer noch unwirklich. Der große FC Twente mit seinem modernen, 30.000 Zuschauer fassenden Arenakomplex, tingelt bald über die Dörfer. Spielt in Almere, Volendam oder Oss vor. 3.300 Besucher kommen zu den Spielen der zweiten niederländischen Liga im Durchschnitt. Twente Enschede wird zu einem Magneten, der diese Spielklasse bedeutend aufwerten wird.

 

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(Foto: Vincent Jannink/dpa)

Mehr als 1.800 neue Dauerkartenbesitzer in der zweiten Liga

Denn der Großteil der Zuschauer bewahrt dem Traditionsverein die Treue. Fast 7.500 bestehende Dauerkarteninhaber – etwa 18.000 Saisontickets hatte Enschede im Sommer 2017 verkauft – haben ihr Abo innerhalb der ersten zehn Tage verlängert. Dazu kommen bereits mehr als 1.800 neue Fans, die sich mit einer Saisonkarte eingedeckt haben, vermeldete der Verein am Freitag. Mittlerweile steht der Klub bei 10.200 Dauerkarten!

Die Dauerkarte in der zweithöchsten Spielklasse wird künftig trotz zwei zusätzlichen Heimspielen 20 Prozent billiger sein und zwischen 232 und 380 Euro kosten. In der „Grolsch Veste“, der Enscheder Heimat, werden ausschließlich Sitzplatztickets angeboten. Es bleibt abzuwarten, wie viele Fans tatsächlich zu den Heimspielen der „Tukkers“ pilgern werden. Jeder niederländische Zweitligist kann sich aber schon jetzt auf ein besonderes Auswärtsspiel freuen...