FC Porto zu Besuch
Flughafen Münster/Osnabrück: Fußball-Stars in der Hüttruper Heide

Der Airbus A340 am Flughafen Münster/Osnabrück. Mit der Maschine reist der FC Porto zum Spiel auf Schalke. (Foto: FMO)
Portugal-Fans zur WM 2006 am Flughafen Münster/Osnabrück. Das portugiesische Team reiste in Greven an und ab. (Foto: dpa)
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Greven – München, Frankfurt, Düsseldorf - klar, da gehören Stars fast zum Alltag auf den Flughäfen. Dass auch in Greven am Flughafen Münster/Osnabrück ständig Weltfußballer und Superstars zu Gast sind, geht manchmal etwas unter. Gerade ist (mal wieder) der FC Porto da ...

Der Flughafen Münster/Osnabrück, hübsch gelegen zwischen Kanal und Feldern, ist ein "Internationaler Verkehrsflughafen" mit allem Zipp und Zapp. Aber natürlich spielt der FMO, wie er kurz heißt, in einer etwas anderen Liga als Frankfurt oder München. So um die 25 Linien- und Charterflüge starten täglich am FMO, das ist nicht die Welt, aber es geht in alle Welt. 

Zwischen den Urlaubern, die nach Mallorca oder Rhodos fliegen, und den Geschäftsreisenden mit Ziel Frankfurt oder München können Besucher aber auch schon mal Christiano Ronaldo entdecken. Oder Jose Mourinho. Oder die Stars vom FC Schalke. Oder eben, wie jetzt aktuell, das Team des FC Porto.

Die Portugiesen müssen am Dienstagabend auf Schalke in der Champions League spielen. Und am FMO wartet schon seit Montag der Airbus A340, der das Team und den gesamten Tross nach Spielende wieder zurück in die Heimat fliegt. Wer zusehen will, muss allerdings lange wach bleiben. Erst für etwa 2 Uhr morgens ist der Abflug geplant; und wenn sich das Duschen verzögert oder die Taschen nicht schnell genug gepackt sind, kann es auch etwas später werden. Aber das ist der Vorteil in Greven - zumindest aus Fliegersicht. Wenn in Dortmund und Düsseldorf schon die Fluggasttreppen eingerollt werden, darf am FMO noch gelandet und gestartet werden. 

Das nutzen die Stars der Branche gern. Der FC Liverpool, Manchester United, der AS Moncao, FC Barcelona oder Juventus Turin: Wer immer in NRW so Fußball spielt, steigt irgendwann am FMO in den Flieger und düst in nachtschlafender Zeit zurück. 

Die Anfänge mit Schalke

Angefangen hat das übrigens alles Ende der 90er Jahre. Durch persönliche Kontakte kam der FMO mit Schalke-Manager Rudi Assauer ins Gespräch. "Wir haben Schalke ein bisschen Exklusivität angeboten", erinnert sich Pressesprecher Andrés Heinemann. "Und damals entschied Assauer das alles selbst. Wenn der sagte, wir fliegen ab FMO, dann war das gut." Das Flughafen-Team in Greven umsorgte die Königsblauen. "Wir haben die mit dem Bus bis aufs Vorfeld gefahren, das war vor den Anschlägen von 2001 noch etwas pragmatischer geregelt." An den größeren Flughäfen hätten Mannschaften und Verantwortliche eben lange am Gepäckband gestanden. "Das haben wir hier viel einfacher gemacht." 

Nun: Dann kam Felix Magath und der wohnte in Düsseldorf und plötzlich startete Schalke gerne vom Rhein aus. So lief das. 

Am FMO hatte man schnell Ersatz gefunden. Twente Enschede. Die hatten eine schöne Phase in Europa und nutzten als "Quasi-Nachbarn" den FMO mindestens ebenso gerne wie zuvor der FC Schalke. "Eine sehr angenehme Klientel, gute Zusammenarbeit", erinnert sich Heinemann. "Wenn es hieß: Fußballflieger Enschede, wussten unsere Lader sofort Bescheid. Das war eine sehr individuelle und bevorzugte Behandlung." 

24 Stunden Bahn frei für Fußballer

Die 24-Stunden-Öffnung ist nicht immer nach dem Geschmack der Menschen in den benachbarten Gemeinden. Für die Fußballteams schon. Dieter Faßold (Geschäftsführer FMO Passenger Services GmbH) sagt: "In den englischen Wochen wollen doch alle schnellstmöglich wieder zuhause sein." Das sei schon ein Kriterium für die Klubs, so Heinemann. "Die Gästeteams von BVB oder Schalke haben wir hier als Stammgäste."

Die Maschinen setzen die Teams beispielsweise vormittags am Flughafen Dortmund ab, fliegen dann rüber nach Greven und heben nachts gen Heimat ab. Gebucht werden solche Flüge übrigens von spezialisierten Agenturen, die das den Klubs abnehmen. Die Kontakte zu solchen Agenturen gehören zum Standard-Repertoire jedes Flughafens, auch in Greven am FMO. Schon nach der Auslosung der europäischen Wettbewerbe weiß der FMO, was ihn erwartet. "In der Regel wissen wir spätestens zwei Wochen vorher, was auf uns zukommt und wer so anreisen wird", so Faßold. Die langjährige Erfahrung ermöglicht auch eine Schätzung der mitreisenden Fans. Und da war übrigens der FC Porto schon einmal ein echter Höhepunkt. Faßold erinnert sich an den Mai 2004. Der FC Porto spielte auf Schalke das Champions-League-Finale gegen den AS Monaco (und gewann 3:0). "Da reisten 12.000 Porto-Fans an und wieder ab. An einem Tag...."

Team und Fans wurden mit gewaltigen Maschinen nach Greven geflogen. Boeing 747, der Jumbo Jet, oder der Airbus A340. Riesige Flugzeuge, die am Flughafen Münster/Osnabrück fast etwas unwirklich erscheinen. Es geht aber, wie Faßold betont. "Bis zum Jumbo können wir alles machen. Nur ein Airbus A380 ginge hier nicht mehr, weil dessen Triebwerke zu weit über die Taxiways hinausragen. Da könnte etwas eingesaugt werden." Auch das ein kleiner Vorteil des FMO gegenüber dem Airport in Dortmund: Dort dürfen nur kleinere Flugzeuge der Größe A320 oder Boeing 737 landen.

Tatsächlich gab es 2004 spektakuläre Szenen am FMO. Das gesamte Vorfeld war zugeparkt mit fast unüberschaubaren Reihen an Flugzeugen. Wie gesagt: 12.000 Porto-Fans... "Das haben wir wegen des begrenzten Platzes vorher am Computer geplant. Es waren 23 Flugzeuge, die alle an ihre Plätze geschleppt wurden - da steuerte kein Pilot mehr selbst." Ausnahmezustand am FMO.

Solche geballten Auftritte waren auch 2006 bei der Weltmeisterschaft in Deutschland zu sehen. Und eben immer dann, wenn auf Schalke oder in Dortmund europäisch gespielt wird.

Der Airbus A340 am Flughafen Münster/Osnabrück. Mit der Maschine reist der FC Porto zum Spiel auf Schalke. (Foto: FMO)
2014 war der FC Bayern München zu Gast am FMO. Hier schauen Fans zu. (Foto: Schulte)
2014 war der FC Bayern München zu Gast am FMO. (Foto: Schulte)
Der Airbus A340 am Flughafen Münster/Osnabrück. Mit der Maschine reist der FC Porto zum Spiel auf Schalke. (Foto: FMO)

Kein Problem, Mitarbeiter zu finden

Die nächtlichen Abflüge von Fußball-Klubs stellen den FMO rein personell eher nicht vor Probleme. Faßold lacht. "Wir haben hier unsere WhatsApp-Gruppen und 30 Minuten später steht der Plan. Es gibt bei uns Mitarbeiter, die jeden dieser Fußballflieger mitnehmen." Kein Wunder, das sorgt für Abwechslung im täglichen Routinebetrieb mit den immer gleichen Ferienfliegern. 

Wenn es denn mal fix gehen muss, stellt sich der FMO routiniert darauf ein. "Ich weiß allerdings gerne 24 Stunden vorher, was passiert", so Faßold. Die eigentlichen Abläufe unterscheiden sich übrigens kaum von denen normaler Reisender. Die Ankunft läuft fixer, weil die Teams schnell vom Flughafengelände befördert werden. "Nur beim Abflug kontrollieren wir Messi und Ronaldo genauso wie alle anderen Passagiere." Zwar müssten sich die Stars nicht selbst am Check-In anstellen ("Wir ziehen die Bordkarten vorher ein"), aber die Sicherheitskontrollen durchlaufen auch die Stars wie alle anderen. 

Das gilt auch für den normalen Flughafenbetrieb. Faßold: "Diese punktuellen Starts fordern uns durchaus. Denn alle anderen Fluggäste brauchen den gleichen Service. Das muss man also gut planen." 

Zur professionellen Abwicklung gehören übrigens auch bestimmte Benimmregeln. "Wir sagen das unseren Mitarbeitern auch immer: Selfies und Autogramme in Uniform wollen wir gerne verhindern", so Faßold. "Wir versuchen unseren Gästen so wenig wie möglich lästig zu werden." 

Das gilt für die Angestellten am FMO. Eher weniger für Fans selbst. Die belagern bei solchen Anlässen gerne den gesamten Flughafen. "Fenerbahce war auch schon zu Gast, das war gut besucht..." sagt Faßold und lächelt. Auch brechend voll: Der FC Bayern München 2014. Der Rekordmeister war zu Besuch bei Preußen Münster und tausende Bayern-Fans wollten die Ankunft am FMO miterleben. "Das war der Wahnsinn", erinnert sich Faßold. Aber auch bei Schalkes Pokalsieg 2002 gegen Leverkusen: "Die Schalker kamen abends mit dem Pokal wieder hier an, da war reichlich was los." 

Manchmal sorgt auch ein "PR-Stunt" für Aufregung. Für den damaligen BVB-Partner "Turkish Airlines" saßen Spieler wie Aubameyang, Gündogan und Weidenfeller am Grevener Check-In und überraschten ganz normale Fluggäste, die nach Istanbul reisen wollten. "Das war eine schöne Aktion", so Faßold. 

2.000 bis 4.000 Euro Gebühren

Ach ja: Das alles kostet natürlich. Zwischen 2.000 und 4.000 Euro würden für die Abwicklung von Flugzeugen fällig, so Andrés Heinemann. "Wir berechnen nach der gültigen Gebührenordnung - nach Flugzeuggröße, Gewicht, Gepäck oder Reinigung." Mag sein, dass die ganze Sache auch Werbung für den FMO ist, aber Kosten sind Kosten. 

Ganz aktuell können Fans und Flugzeugspotter am FMO den Mannschaftsflieger sehen. Bis in die frühen Morgenstunden des Mittwoch ist der Airbus A340 auf dem Vorfeld des Flughafens zu sehen - bequem von der Besucherterrasse aus. Trotz aller Erfahrung mit den Fußballfliegern immer noch ein besonderes Bild in der Hüttruper Heide. 

 

Dieser Text erschien 2016 schon einmal in einer älteren Fassung. Für den aktuellen Anlass wurde er vollständig überarbeitet.

 


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