Trainer sucht Klub
Ismail Atalan ist bereit für den nächsten Job

Ismail Atalan. (Foto: dpa)

Bochum – Seine Trainerkarriere führte lange steil bergauf, dann folgten bittere Monate beim VfL Bochum: Ismail Atalan hat die Enttäuschung lange verdaut, seine Entlassung liegt mittlerweile 14 Monate zurück. Er hat sich weitergebildet, Sprachkenntnisse und Führungsqualitäten verbessert – und ist jetzt bereit für einen neuen Job, wie er sagt.  

Der 38-Jährige ist zufrieden mit seinem Haus in Senden, vor den Toren von Münster. Wann immer er im vergangenen Jahr nicht auf den Fußballplätzen der Region und darüber hinaus unterwegs war, erledigte er das Nötigste rund um sein neues Eigenheim selbst. „Jetzt ist es fertig,“ sagt der Fußballlehrer freudig. Nur die Außenterrassen, die seien noch in Arbeit. „Das Jahr hat mir aber richtig gut getan“, sagt er. Denn er hat angepackt, was zuvor auf der Strecke geblieben war.

Schnell war Atalan die Karriereleiter emporgeklettert, fünfte Liga in Beckum, 3. Liga in Lotte, dann der Wechsel zum VfL Bochum mitten in der Saisonvorbereitung. „Isi“, wie ihn viele nennen, konnte nicht abschätzen, worauf er sich einließ, und scheiterte letztlich an der großen Erwartungshaltung als auch an einem komplizierten Verhältnis zum damaligen Sportvorstand Christian Hochstätter. „Aber auch ich habe nicht alles richtig gemacht“, sagt Atalan heute, „und daraus gelernt.“ 

Er ordnet die für einen Trainer wichtigsten Kompetenzen in soziale, mentale und sportliche Fähigkeiten ein. Auf sozialer Ebene hatte Atalan selten Probleme, zu seinen Spielern vorzudringen – die entscheidenden Prozente in den Köpfen der Spieler herauszukitzeln, schaffte er aber nicht immer. „In Phasen, in denen das Team die Ordnung verloren hat, konnte ich nicht ausreichend Einfluss nehmen“, erinnert sich der 38-Jährige. „Darüber habe ich mit vielen ehemaligen Spielern und Trainerkollegen gesprochen, um mich weiter zu verbessern. Feedback ist ein Geschenk.“

"Noch war das Richtige nicht dabei" 

Ismail Atalan ist viel herumgekommen. Als er bei Pep Guardiola und Manchester City hospitierte, ging das durch die Medien – doch der gebürtige Kurde reiste viel öfter quer durch Europa. Bei RB Leipzig und dem Hamburger SV etwa schnupperte er in die Nachwuchsabteilungen, „weil ich nie Jugendtrainer gewesen bin“, begründet Atalan. Auch besuchte er den mittlerweile in China tätigen Roger Schmidt während eines Trainingslagers in Portugal, um dessen Grundprinzip des unglaublich kraftintensiven Pressings noch besser nachvollziehen zu können. 

Von Ajax Amsterdam über Italien bis in die Türkei war er unterwegs, um zu lernen. Nun will Atalan wieder coachen. Doch der nächste Schuss sollte nach dem wenig ruhmreichen Kapitel im Ruhrgebiet sitzen, der Schritt will gut überlegt sein. „Der eine Klub wollte mich nicht, beim anderen passte wiederum mein Bauchgefühl nicht“, bestätigt Atalan das konkrete Interesse von Klubs aus dem In- und Ausland, auch aus der 2. Bundesliga. „Noch war das Richtige nicht dabei." Überstürzen will er nichts. 

Auf deutsche Vereine beschränkt sich der Übungsleiter nicht mehr, weshalb er zuletzt auch Englischkurse belegte. „Aber hierzulande haben wir Trainer es wirklich gut. Wir finden hervorragende Bedingungen vor“, meint Atalan, „und eine sehr gute Ausbildung.“ Kurzfristig ist der Zug für das nächste Engagement abgefahren, die Winterpause steht bevor. Erst mit Beginn der Rückserie wird Atalan die Augen erneut offen halten, auf Angebote hoffen. „Es kribbelt in mir. Ich habe so viele Ideen im Kopf, und ich möchte sie endlich wieder bei einer Mannschaft ausprobieren dürfen.“