Zum Jubiläum
„Im Lohrheidestadion ist was los…“ – Wattenscheid 09 feiert Höhenflug

(Foto: Philipp Rentsch)

Wattenscheid – Die SG Wattenscheid 09 ist oben auf. Pünktlich zum 50. Geburtstag des Lohrheidestadions feiert der einstiege Bundesligist Derbysieg um Derbysieg. Am Sonntag gab es ein 3:1 gegen Rot-Weiß Oberhausen. Die Fans sind wieder begeistert.

Ein Fußballspiel dauert 90 Minuten? Wäre es nach einer kleinen, alteingesessenen Wattenscheider Fangruppe gegangen, hätte der Schiedsrichter das Derby gegen Oberhausen bereits nach 87 Minuten abpfiffen müssen. „Machet wie der Ahlenfelder“, schrie einer von ihnen.

Mit Bier in der Hand und Schal um den Hals zitterten sie mit ihrer SGW, brüllten herum und hofften darauf, dass ihre Mannschaft den knappen 2:1-Vorsprung auch halten würde. Und weil der Schiedsrichter nicht auf sie hörte, durften sie in der 90. Minute sogar noch einmal jubeln: Die 09er erzielten das entscheidende 3:1 gegen Rot-Weiß Oberhausen – nach Rot Weiss Essen und Alemannia Aachen war nun auch der nächste Top-Klub der Liga geschlagen. Wo selbst eingefleischte Wattenscheider vor einem Jahr bereits beim Einlass frustriert schienen, bereitet der einstiege Bundesligist seinen Fans nun wieder große Freude. Aktuell steht die SGW sogar schon auf Rang drei in der Regionalliga West.

Gute Stimmung rund um die Lohrheide

So gut wie jetzt stand der Verein sportlich lange nicht mehr da. Auch wenn es hinter den Kulissen ständig neue Probleme oder Personalwechsel gibt, die Mannschaft von Trainer Farat Toku ist davon unbeeindruckt und mittlerweile zu einer echten Einheit geworden.

Neben dem starken Saisonstart steht derzeit aber auch noch ein weiterer Anlass zum Feiern im Fokus vieler Wattenscheider. Denn mittlerweile spielt die SG Wattenscheid seit genau 50 Jahren im Lohrheidestadion, das aktuell 16.233 Zuschauer fasst. Nach verschiedenen Standorten – etwa am legendären Beckmannshof oder der Grünstraße – war die Sportgemeinschaft in den 60er-Jahren in den Stadtteil Leithe unweit der Gelsenkirchener Stadtgrenze gezogen.

 

 

Wattenscheider Fußballtradition

Anlässlich dieses Jubiläums hat die Sportgemeinschaft nun sogar ein Sondertrikot gestaltet, mit dem die Mannschaft am Sonntag auflief. Erstmals öffnete beim Heimspiel gegen Oberhausen auch der neue Fanshop seine Pforten. Und auch die aktiven Fans haben wieder etwas vor: Momentan sammeln sie Geld für eine große Choreographie.

Dass der Höhepunkt eines halbes Jahrhunderts Lohrheide bereits über 20 Jahre zurückliegt, soll bei allen derzeitigen Aktivitäten allerdings keine Rolle spielen. Präsent ist die vierjährige Bundesligazeit Anfang der Neunziger im Hinterkopf allerdings ohnehin fast immer.

Es geht um die Wurst

Doch seither hat sich viel getan im beschaulichen Wattenscheid. Die Firma des einstiegen Mäzens wurde verkauft, die wirtschaftliche Entwicklung der früher eigenständigen Stadtteils längst nicht so, wie es sich viele erhofft haben. Die „beste Stadionwurst Deutschlands“ (O-Ton Jürgen Klopp) ist indes geblieben. Und mit ihr der echte Fußball in der Traditionsspielstätte Lohrheidestadion, in der die Zuschauer mittlerweile eine Hilfe bekommen: Wer schon in der 87. Minute den Abpfiff fordert, muss nur kurz Richtung Spielertunnel schauen. Dort steht seit einigen Monaten eine Anzeigetafel, auf die Wattenscheid jahrelang gewartet hat. Heimsiege hat sie quasi vorprogrammiert.