09 und Galatasaray
Warum Poldi wohl nicht mehr nach Wattenscheid kommt...

Das alte Lohrheidestadion... hier fand einst die Bundesliga statt. (Foto: Rentsch)
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Wattenscheid – Was einige Wattenscheider der „Opposition“ bereits vor einem Jahr ahnten, ist nun Gewissheit: Die Zusammenarbeit zwischen Galatasaray Istanbul und Ex-Bundesligist Wattenscheid 09 weist schon nach kurzer Zeit deutliche Risse auf. Ein komplettes Aus ist wahrscheinlich.

Am Dienstag gab die SG Wattenscheid 09 bekannt, dass Abdullah Emili aus dem Vorstand und Ebru Köksal sowie Kemal Erimtan (beide Galatasaray Istanbul) aus dem Aufsichtsrat ab sofort nicht mehr für die SG tätig seien. Die beiden Mitglieder des 09er-Kontrollgremiums waren einst über die 2014 beschlossene Kooperation mit Galatasaray auch in die Wattenscheider Vereinsführung gerückt. Nach ihrem Ausscheiden in Istanbul ist nun auch ihre Funktion an der Lohrheide hinfällig.

Kooperation wackelt gewaltig

Damit könnte die Zusammenarbeit der beiden Klubs in Kürze sogar schon jetzt ihr Ende finden. Laut Mitteilung der SGW werde aktuell noch über die Zukunft der Kooperation gesprochen, die vertraglich eigentlich bis 2019 fixiert ist. Doch sämtliche Akteure, die einst bei dem Zusammenschluss beteiligt waren, sind nun nicht mehr für ihre Klubs tätig. Denn auch auf Wattenscheider Seite ist Christoph Jacob, der die Kooperation einst ins Rollen gebracht hat, nicht mehr im Amt. Zwischen Wattenscheid und Galatasaray herrscht ohnehin seit Monaten Funkstille.

Ursprünglich war es angedacht, dass der türkische Rekordmeister von der Jugendarbeit der 09er profitieren sollte und besonders talentierte Spieler nach Istanbul wechseln können. Im Gegenzug hätten Jungprofis aus der Türkei in Wattenscheid Spielpraxis erhalten. Außerdem sollten die chronisch klammen Wattenscheider bei Bedarf auch finanzielle Unterstützung erhalten. So hat Galatasaray den Wattenscheidern im letzten Jahr rund 70.000 Euro überwiesen – eine damals entscheidende Summe für die Lohrheide-Kicker und die bislang einzig nennenswerte Bewegung zwischen den beiden Vereinen. Zunächst waren nämlich auch Freundschaftsspiele im Juniorenbereich, sogar bis hin zu den Profis, angedacht. Perspektivisch hatte sich die SGW gar die Möglichkeit eines Aufstiegs in die 3. Liga erhofft. Alles Luftschlösser, wie sich schnell herausstellte.

Einige Klubmitglieder rebellierten deshalb bereits im vergangenen Jahr gegen die damalige Vereinsführung. Während Aufsichtsratsboss und Hauptsponsor Reinhard Mokanski weiter im Amt ist, ist Vorstandschef Christoph Jacob nach gewaltigen Fanruhen längst ausgeschieden. Trotz mancher Zweifel an seinem Konzept erhielt er 2014 noch die Zustimmung von den Vereinsmitgliedern; die Opposition, der unter anderem der heutige Vereinsarzt von Schalke 04, Andreas Falarzik, angehörte, war gescheitert.

Verein insgesamt wieder stabiler

Das plötzliche Aus für die einstiegen Mitstreiter aus Istanbul lässt Wattenscheid derweil nicht bange werden. Nach Jahren der internen Unruhe scheint es so, als würde der Verein trotz begrenzter wirtschaftlicher Möglichkeiten wieder ordentlich aufgestellt sein. Schließlich ist auch das Verhältnis zwischen Fans und Mannschaft wieder intakt. Die Regionalliga-Elf steht nach einem überraschend starken Start derzeit auf Rang fünf.

 


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