Zu Besuch beim Niederrhein-Pokal
Pyro, Polizei, Pokalsieg: KFC Uerdingen ringt Wuppertaler SV nieder

(Foto: Hein-Reipen)
(Foto: Hein-Reipen)

Wuppertal – Was eine eingefleischte Schalkerin beim Niederrheinpokalfinale zwischen dem WSV und dem KFC erlebt und welche goldene Regel man in Sonderzügen unbedingt befolgen sollte? Lest selbst…

Samstag, allerbestes Fußballwetter, aber kein Schalke-Spiel weit und breit? Da erscheint das Niederrheinpokalfinale zwischen dem Wuppertaler SV, mit dem Königsblau gegenseitige Sympathie verbindet, und meinem Heimatverein KFC Uerdingen doch gar keine schlechte Idee. Das unter Denkmalschutz stehende altehrwürdige Stadion am Zoo ist ohnehin immer eine Reise wert.

Schon etwas zweifelhafter ist die Idee, für die Anreise den quasi vor der Haustür abfahrenden Sonderzug zu nutzen – wo kommen bloß die ganzen Blau-Roten her?! Gefühlt halb Krefeld staut sich mit reichlich Biervorräten, „Wuppertal vernichten“-Shirts und ausgesprochen guter Laune am Hauptbahnhof, das kann ja heiter werden.

Paragraph 1: Steige niemals nüchtern in einen Sonderzug!

Und es wird heiter: „Wuppertaler H*rensöhne, hey, hey“ ist die Parole des Tages, „Wir sind da…  jedes Spiel… ist doch klar…“ kommt Schalkern auch verdammt bekannt vor. Der angekündigte Sonderzug kommt auf dem falschen Gleis an, also alle in halsbrecherischer Manier rüber. „Ich bin zu alt für diese Scheixxe!“ ächzt ein Typ neben mir. Sein hellblaues Trikot von Bayer Uerdingen 1985 weist ihn als echten Veteranen aus.

Im Zug selber ist es dann voll, SEHR voll. Und warm. Sehr warm. Sehr, sehr warm. Der guten Laune der KFC-Fans tut das keinen Abbruch, haben die meisten doch im Gegensatz zu mir reichlich Getränke gebunkert. Selber schuld, man sollte niemals nüchtern in einen Sonderzug steigen. Bei klarem Kopf wecken die Hurensöhne-Arien und Uuuuueeeeerdingeeeen-Rufe ein kleines Teufelchen, das hämisch flüstert „Watt glaubste, wie der Schalker Auswärtsmob auf Unbeteiligte wirkt…?“

Der Marsch zum Stadion

Die Fuhre erreicht ein wenig verschwitzt, aber unversehrt den Bahnhof Wuppertal-Vohwinkel. Die Hälfte der männlichen Mitreisenden stürzt an die gegenüberliegende Bahnsteigkante und wässert ein wenig die Gleise, dann geht es im Gänsemarsch und unter den wachsamen Augen der Polizei die Treppe hoch und zum Stadion, gelegentliche Pyros und Rauchtöpfe inklusive. 

Untermalt wird das Szenario von „Eines Tages… eines Tages… eines Taaaaages wirst du sehn… ja dann fahren wir nach Mailand… nur um Uerdingen zu seh’n!“ Mailand? Können wir Schalker doch nur empfehlen…

Vor dem Gästeeingang dann ein heftiger Rückstau; da die Personenkontrollen schon deutlich vorverlagert worden sind, staut sich die Uerdinger Meute fast eine Stunde lang vor den beiden Unterführungen, ungerührt beobachtet von den Polizisten auf der Brücke. Im allgemeinen Gedränge steht dann plötzlich ein fast königsblaues Trikot vor mir – mit der Beflockung „Großkreutz“. Uuuuuh, den hatte ich ja fast verdrängt. Komme da was wolle, eher fault mir die Zunge ab, bevor ich ein Tor von datt Kevin bejubele. 

Mit zunehmender Wartedauer wird die Stimmung ein wenig gereizter, ringsum klingt „sowatt habe ich ja noch nie erlebt!“ und „Polizeiwillkür!“ auf. Mein Trostversuch, dass so etwas bei Bundesliga-Auswärtsspielen und international eher die Regel als die Ausnahme und immerhin das Wetter gut ist – wir Schalker haben schon mal zwei Stunden in strömendem Regen in Lissabon vor dem Stadion gestanden -, kommt nicht so ganz gut an. „Sch… Sch… SCHALKERIN?!“ fragt eine Zweimeterkante empört. Jawoll, hier stehe ich und kann nicht anders. Er beschließt dann offenbar, dass an mir Hopfen und Malz verloren ist und watschelt kopfschüttelnd weiter. Puh.

Weil das Blau für die Treue und das Rot für Liebe steht…

Doch auch die längste Schlange hat einmal ein Ende, wir sind drin. Links leuchtet der Uerdinger Mannschaftsbus in der Sonne, rechts leuchten drei Dixieklos für den Gästeblock. Ja, ganze drei. Das Stadion am Zoo hat ansonsten seit vergangenen Tagen, als Schalke dort antreten durfte bzw. musste, nichts von seinem Charme verloren, im Gegenteil: Ein wunderschönes Oldschool-Stadion und mit knapp über 10.000 Zuschauern auch endlich mal wieder passabel gefüllt, auch die WSV-Ultras hatten rechtzeitig ihren Boykott beendet.

Beide Kurven tragen reichlich blau-rot zur Schau. Während die KFC-Fans inbrünstig „Blau und rot Deine Farben KFC“ anstimmen, grüßt von der Gegengeraden am Hang in dicken Lettern „Der WSV wird niemals untergehn – Wuppertaler Sportverein e. V.“ herüber. Die Nordkurve versammelt sich hinter dem überdimensionalen Schriftzug „Nein zu Stadionverboten auf Verdacht“, was bei WSV-Anhängern, Uerdingern und Schalkern gleichermaßen mehrheitsfähig ist.

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