Kommentar
Sportgericht entscheidet zu Hopp-Beleidigungen: Richtig oder gefährlich?

Dietmar Hopp will bei 1899 Hoffenheim die Stimmenmehrheit übernehmen. Foto: Uwe Anspach
33

Geldstrafe und Ordner-Auflage, aber die „Auswärtssperre“ für die Fans nur auf Bewährung: Auf den ersten Blick ist das mit Spannung erwartete Urteil des DFB-Sportgerichts zu dem Fadenkreuz-Banner der BVB-Fans gegen Dietmar Hopp maßvoll ausgefallen. Susanne Hein-Reipen glaubt trotzdem, dass damit eine gefährliche Entwicklung in Gang gesetzt wurde.

Die Aufregung über das geschmacklose Banner, auf dem BVB-Fans den Kopf von Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp in einem übergroßen Fadenkreuz präsentierten, war groß, sogar von einem „Mordaufruf“ war die Rede. Das DFB-Sportgericht verurteilte den BVB nun wegen dieser Aktion seiner Fans zu 50.000 Euro Geldstrafe, zudem muss der BVB bei den künftigen Auswärtsspielen in Sinsheim mindestens 50 qualifizierte Ordner stellen. Und: Wenn die Borussenfans innerhalb der nächsten drei Spielzeiten erneut mit Beleidigungen gegen Hopp auffallen, muss der BVB dort komplett ohne Anhänger antreten.

Ist nun Ruhe - oder gilt „jetzt erst Recht“?

Im Vergleich zu den Forderungen von Punktabzug und sofortiger Stadionsperre, die im Vorfeld herumgeisterten, scheint der Richterspruch glimpflich ausgefallen zu sein. Doch man muss kein Prophet sein, um zu ahnen, dass nicht nur die BVB-Fans alles dransetzen werden, ihr Feindbild nach dem Motto „jetzt erst Recht“ weiter zu ärgern und zu beleidigen und der „Fußballmafia DFB“ zu zeigen, dass sie sich nicht mundtot lassen machen. 

Ganze Fanszenen kollektiv wegen der Beleidigung einer Einzelperson aussperren zu wollen ist im deutschen Fußball so einzigartig, dass sich die Anhänger etlicher anderer Vereine mit den Borussen solidarisieren werden. Herr Hopp dürfte sich auf deutlich mehr beleidigende Gesänge einstellen müssen. 

Künftig droht schneller Spielabbruch

Eine „pädagogisch wertvolle Maßnahme“ für die “spezifische Situation bei Spielen der TSG gegen den BVB“ habe man gesucht, so der Sportsgerichtsvorsitzende Hans E. Lorenz. An dieser Stelle ist bereits fraglich, ob die Situation wirklich „spezifisch“ ist oder ob nicht auch Martin Kind, Dietrich Mateschitz, Uli Hoeness oder andere äußerst umstrittene Funktionäre bereits massiv beleidigt wurden, ohne Strafanzeigen zu stellen und das Sportgericht einzuschalten. 

Nicht Hoffenheim-spezifisch, sondern eine Gefahr für die gesamte Bundesliga ist jedenfalls die weitere Empfehlung des Vorsitzenden: Spiel abbrechen oder gar nicht erst anpfeifen, denn das werde „die Fans eher disziplinieren als unsere Urteile“. Dann gäbe es eine entsprechende Spielwertung und Hoffenheim bekäme als betroffener Verein die Punkte zugesprochen, für Dortmund würde das Spiel als verloren gewertet.

Damit würden nicht nur alle BVB-Fans, sondern der ganze Verein massiv für das Fehlverhalten einzelner bestraft, obwohl der DFB von den umstrittenen Kollektivstrafen Abstand nehmen wollte. Schlimmer noch: Diese Möglichkeit eröffnet sogar Manipulationsmöglichkeiten, durch Einschleichen in den gegnerischen Gästeblock einen Spielabbruch zu provozieren. 

Spielabbruch wegen den Befindlichkeiten eines Milliardärs statt als ultima ratio?

Aber auch, wenn es dazu nicht kommt: Spielabbrüche waren in der Geschichte des deutschen Fußballs bislang immer nur das allerletzte Mittel, wenn die Fortsetzung des Spiels ernsthaft die Sicherheit der Spieler und/oder Zuschauer gefährdet hätte. Dass diese nun wegen der Befindlichkeiten eines Milliardärs ernsthaft in Betracht gezogen werden, ist ein absolutes Armutszeugnis für alle  Beteiligten!

So nachvollziehbar und gerechtfertigt es ist, dass Hopp sich nicht als Hurensohn oder im Fadenkreuz stehend beleidigen lassen möchte: Die Ehre erzwingen zu wollen, indem man notfalls das Spiel zerstören lässt, ist der falsche Weg. Wenn Hopp partout nicht wie Generationen Spieler und Funktionäre vor ihm nach dem Motto „was im Stadion passiert, bleibt im Stadion“ hinweghören kann und will, stehen ihm der Zivil- und Strafrechtsweg gegen die tatsächlichen Täter offen, wie er bereits mit den Strafanzeigen gegen die „Hurensohn“-Sänger deutlich gemacht hat. Alles Darüberhinausgehende ist eine überzogene Idee eines Mannes, der daran gewohnt ist, mit Geld alles kaufen zu können. 

 


Lade Forenbeiträge...