Auswärtstour
Torcida, Almeida, Adria: Ein Abend bei Hajduk Split

(Foto: Ahlers)
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Split – Jan Ahlers war auf Reisen. Klar, dass er die Gelegenheit nutzte, auch ein neues Stadion und eine neue Liga zu erkunden – die „Prva Liga“ in Kroatien sowie das Poljud-Stadion in Split. In Erinnerung bleibt ihm nicht die Spielkultur, aber eine beeindruckende Stimmung und eine Kulisse für große Fußball-Romantiker.

Links taucht die Sonne hinter bewaldeten Hügeln ganz langsam in die Adria. Rechts erhebt sich das Mosor-Gebirge auf mehr als eintausend Meter, wirkt schroff und einschüchternd hoch. Man könnte Gipfel erklimmen oder ins 14 Grad kühle Nass abtauchen. Aber zwischen Meer und Berge quetschen sich auch die lebendige kroatische Hafenstadt Split und ihr Verein Hajduk. Und wir wollen an diesem Abend Fußball sehen.

Hajduk. Die Heiducken. Gesetzlose, Plünderer und Wegelagerer, die sich gegen den Staat auflehnen. Vier Studenten gründeten den Club 1911 – für einen passenden Namen fragten sie damals ihren Professor nach Rat. „Nennt ihn Hajduk!“, sagte er. Er ahnte nicht, dass seine Fans den Begriff noch heute als Grundsatz ihres Handelns betrachten. 

Hajduk-Stadion meist nur zu einem Drittel gefüllt

Spiele in Kroatien sind selten gut besucht. Zu vier der zehn Erstligisten kommen im Schnitt keine eintausend Zuschauer. Magnet ist Hajduk Split, allerdings mit mäßigen 10.637 Besuchern. Ins Poljud-Stadion, eine langsam bröckelnde, aber traumhaft konzipierte Spielstätte, passen mehr als dreimal so viele Leute. Früher, als das Poljud kein reines Sitzplatzstadion war, begrüßte Hajduk bis zur 65.000 Menschen zu den Spielen gegen Erzrivale Dinamo Zagreb.

An diesem Samstagabend kommt „nur“ Lokomotiva Zagreb. Der Club ist, was für Stuttgart die Kickers oder für Frankfurt der FSV ist – die klare Nummer Zwei in der Stadt. Im Gästeblock gähnt ein Ordner, er hat nichts zu tun. Stimmung macht nur die Heimseite, allen voran die „Torcida“. Wer etwas auf internationalen Fußball hält, kennt und fürchtet dieses Wort.

Die Torcida, 1950 gegründet, bezeichnet sich als ältesten Fanclub von Europa – und ist zeitgleich einer der machtvollsten. Die Ultragruppierung schmückt sich mit 8000 Mitgliedern. Wer durch Dalmatien reist, sieht in fast jedem Ort Schriftzüge der Torcida an Wänden, Brücken und sonstigen Gemäuern. In ihrem Block supporten tausende Kroaten 90 Minuten ohne Pause. Beeindruckend. Immer wieder werden dazu bengalische Feuer entzündet.

Der Torcida-Block ist der Lichtblick in einer leeren Arena, die für den bekanntesten kroatischen Fußballverein schlichtweg überdimensioniert scheint. So fest der Club in der Region verankert ist, so wenige Fans kommen tatsächlich zu den Spielen. Am Eintritt kann es nicht liegen, denn der ist mit 70 Kuna – umgerechnet etwa neun Euro – für einen Sitzplatz in bester Lage sehr erschwinglich. 

Ein genialer Moment zwischen viel Magerkost

Vielleicht liegt es ja am Fußball. Denn das, was an diesem lauen Frühlingsabend vor knapp 9.000 Leuten geboten wird, ist wenig mitreißend. Mittelfeldclub Lokomotiva ist am Spiel wenig interessiert und stolpert meist umher, der Tabellenzweite Hajduk versucht wenig kreativ, den Abwehrbeton aufzulösen. Das letzte Tempo fehlt, vielleicht auch, weil die Meisterschaft vorentschieden ist. Dinamo Zagreb marschiert schon acht Punkte vorneweg. Wieder einmal. Hajduk Split, früher selbst Serienmeister, musste dem Rivalen zwischen 2006 und 2016 jährlich zum Titel gratulieren. 2017 schnappte sich der HNK Rijeka die erste Meisterschaft seiner Vereinsgeschichte.

Wer nach einer halben Stunde auf dem Weg zum kühlen Karlovacko oder zum beliebten Cevapcici-Burger ist, verpasst den einzig genialen Moment des Spiels. Rechtsverteidiger Josip Juranovic findet den zentralen Gestalter Mijo Caktas, der die harte Flanke einköpft. Der Rest besteht aus unzähligen Standards, vielen Diskussionen mit dem Schiedsrichter und wenig Spektakel von meist unbekannten Spielern. Ein André Fomitschow, der mal einige Jahre für Cottbus und Kaiserslautern in der 2. Bundesliga kickte, sticht unter den Namen bereits hervor. Doch auch ein gewisser Hugo Almeida – ja, den gibt's immer noch – steht bei den Heiducken unter Vertrag, spielt aber seit geraumer Zeit nicht mehr. Auch nicht gegen Lokomotiva.

Hajduk Split feiert schlussendlich dennoch. Ein müdes 1:0 ist besser als ein müdes 0:0, sagt ein Kroate auf brüchigem Englisch. Nun sollen wir in Split noch feiern gehen, er kenne da ein, zwei gute Adressen. Schnell verabschiedet die Torcida die Mannschaft. Ihr habt den Dienst erledigt, nun dürft ihr ins Wochenende, scheinen sie der Elf zu sagen. Ein paar holprige Treppen hinauf, vorbei am Duft von Rauch und gegrillten Cevapcici. Mach's gut, Poljud. Wir sehen uns wieder.

 


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