Fußball-Sponsoring
Volkswagen im Blick: Geht der Zahlmeister von Bord?

VW steckt im Profi-Fußball überall drin. Nicht nur in Wolfsburg. (Foto: firo sportphoto)
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Wolfsburg ist natürlich der augenfälligste Partner von VW. (Foto: firo sportphoto)
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Wolfsburg – In den Medien kursieren erste Streichlisten, aber noch dementiert der Volkswagen-Konzern spürbare Einschnitte beim Fußball-Sponsoring. Doch die Sorge bei vielen Vereinen bleibt: Denn die Wolfsburger sind die Zahlmeister des deutschen Fußballs. Matthias Salm schreibt über Verflechtungen... 

Es klingt ein wenig ironisch, wenn es heißt, beim Volkswagen-Konzern komme nun alles auf den Prüfstand. Denn dort, auf den Prüfständen, begann schließlich das Unheil für die Wolfsburger. Und ein Ende des Abgasskandals ist noch lange nicht in Sicht. Mittlerweile haben auch die VW-Töchter Porsche und Audi Manipulationen bei den Abgaswerten in den USA mittels verbotener Software eingeräumt.  Alleine dort könnten Strafzahlungen von bis zu 18 Milliarden Dollar auf den Konzern zukommen, ganz zu schweigen von möglichen Schadenersatzzahlungen an getäuschte Kunden. Seine Sachinvestitionen will VW im kommenden Jahr deshalb deutlich runterfahren. 

Kaum vorstellbar, dass das Fußball-Sponsoring der Autoschmiede angesichts solcher massiven Einschnitte ungeschoren bleibt. Medienberichten zufolge soll eine Entscheidung  darüber Anfang 2016 fallen. Die Existenz einer konzerninternen Streichliste, auf der neben Hannover 96, Werder Bremen und 1860 München auch der FC Schalke 04 auftaucht, wird von VW allerdings noch dementiert. Auf 1, 5 Millionen Euro jährlich belaufe sich das Sponsoring der genannten Vereine, heißt es. Auch die Gelder, die Volkswagen bisher in den DFB-Pokal investierte, stehen zur Disposition. 

Volkswagen und Volksverein – das passt! 

Eigentlich ist der S04 aufgrund seines hohen Werbewertes kein natürlicher Streichkandidat. Doch der laufende Vertrag endet 2016. VW stattet den S04 bereits seit 2008 mit Fahrzeugen, u.a. auch im Jugendbereich aus. „Volkswagen und Volksverein – das passt!“, hatten die Knappen noch angesichts der letztmaligen Vertragsverlängerung gejubelt.

Beste Freunde... der damalige VW-Boss Martin Winterkorn (l.) feiert hier mit Wolfsburgs Oberbürgermeister Klaus Mohrs (r.). (Foto: firo sportphoto)

Kürzt VW notgedrungen seinen Sponsoring-Etat, dürften aber weit mehr als die vier genannten Vereine um ihre Pfründe zittern. Denn während sich der Fußballfan gerne an den „Plastic Four“ des  deutschen Profifußballs, Bayer Leverkusen, VfL Wolfsburg, RB Leipzig und 1899 Hoffenheim, reibt, wird die generelle finanzielle Abhängigkeit des Fußballs von den Werbe-Millionen aus Wolfsburg kaum hinterfragt. Da ist zunächst einmal der an sich schon fragwürdige Umstand, dass VW Beteiligungen an gleich drei Clubs hält. Zwar dämmerte jüngst auch der DFL die Problematik von Mehrfachbeteiligungen, doch bei den künftigen Beschränkungen genießt VW wieder einmal Bestandsschutz.  

Muss der VfL Wolfsburg abspecken?

Erster Sparkandidat für VW wäre natürlich die eigene Konzerntochter, der VfL Wolfsburg.  Lange Zeit galten die Wölfe als Synonym für verschwendete Millionen, die Konzernführung als ahnungslos im Fußballgeschäft. Von den neun Vereinen, die zwischen 2004 und 2014 durchgehend in der Bundesliga vertreten waren,  sammelte nur Hannover 96 in diesem Zeitraum weniger Punkte als der Werksclub aus Wolfsburg. Der sündhaft teuer erkaufte Meistertitel unter Felix Magath blieb die Ausnahme in einer Reihe trostloser Saisonabschlüsse. Das hat sich unter Manager Klaus Allofs allerdings geändert. Mit dem Segen der Konzernspitze durften Allofs und Trainer Dieter Hecking zuletzt nach Belieben shoppen und Millionen-Transfers á la André Schürrle und Julian Draxler tätigen.

Auf 90 bis 100 Millionen Euro wird der Personalkostenblock bei der VfL Wolfsburg-Fußball GmbH geschätzt, das Geld fließt größtenteils von VW und seinen Tochtergesellschaften.  Der Kicker zitierte zuletzt einen Insider aus dem VfL-Umfeld, demzufolge der Club die Auswirkungen der Krise „deutlich zu spüren bekommen werde.“ Der für 40 Millionen Euro geplante Neubau des Nachwuchsleistungszentrums ist ohnehin bereits auf Eis gelegt.

Allerdings sollten sich die Fans der Traditionsvereine nicht zu früh freuen. Auch die Bayer AG entschied Mitte der 90er Jahre, ihre Sportförderung nach dem Gießkannenprinzip zugunsten des Stammvereins einzustellen. Nicht unwahrscheinlich, dass man sich auch in Wolfsburg künftig stärker auf den eigenen Verein konzentriert. 

Beteiligungen bei Bayern und Ingolstadt

Wohl kaum fürchten muss sich der FC Bayern, bei dem die Audi AG 90 Millionen Euro in 8,33 Prozent der Anteile investierte.  Ein Ausstieg beim deutschen Vorzeigeverein dürfte nicht zur Debatte stehen. Bei den Bayern sitzen Audi-Vorstandschef Rupert Stadler und Ex-VW-Chef Martin Winterkorn im Aufsichtsrat. Wie sich derlei personelle und finanzielle Verflechtungen auf die Entscheidungswege etwa bei Transferentscheidungen auswirken, gehört bisher eher zu den Geschäftsgeheimnissen der Liga.

Bundesliga-Fußball beim FC Ingolstadt ist ohne das Engagement der VW-Tochter Audi wohl nicht denkbar. 25 Millionen Euro investierte Audi alleine in das Ingolstädter Stadion, das an den FCI vermietet wird. Audi ist Top-Sponsor und hält über den Sportwagenbauer „audi quattro GmbH“ 19,94 Prozent der Anteile.  Der Aufsichtsrat des Clubs ist ein Who-is-who des Audi-Managements, dort sitzen zwei ehemalige Audi-Vorstände, der Chef der Audi-Rechtsabteilung und der VW-Generalsekretär. Auch wenn die Schanzer stets betonen, kein Werksclub zu sein, die Abhängigkeit vom Sponsor ist kaum geringer als in Wolfsburg, Leverkusen oder Leipzig. Dass der Verein noch weitgehend unter dem Radar vieler Fußball-Fans fliegt, liegt vornehmlich an seinem defensiven Auftreten auf dem Transfermarkt. Dabei könnte es angesichts der finanziellen Krise des Sponsors auch vorerst bleiben.

 

 

Das große Zittern an anderen Standorten

VW ist im deutschen Fußball omnipräsent. Selbst der sonntägliche Sport-1-Frühschoppen „Doppelpass“ ist ein VW-Werbevehikel.  Wo VW Geld in den örtlichen Fußballklub investiere, werde mehr verkauft, zitierte der Berliner „Tagesspiegel“ noch im Sommer den einstigen VW-Kommunikationschef Stephan Grühsem, der mittlerweile mit seinem Ex-Chef Martin Winterkorn seinen Hut nehmen musste.

An welchen Standort werden demnach künftig weniger VW verkauft? Erster Streichkandidat ist 1860 München, das Trikot-Sponsoring der Löwen, ausgerechnet mit dem VW-Nachhaltigkeitsmotto „Think Blue“ als Schriftzug, läuft 2016 aus. Den 60ern garantiert allerdings der Vermarkter für diesen Fall weitere Geldflüsse. Verschmerzen könnte auch RB Leipzig einen Rückzug seiner Premiumpartner Volkswagen und Porsche. Zumindest finanziell – generell gilt die Verbindung von Brausehersteller und Autobauer ohnehin eher als Imageprojekt, mit dem sich RB den Anschein eines normalen Fußballclubs geben möchte. 

Bei Werder Bremen nimmt Volkswagen den zweiten Platz hinter Top-Sponsor Wiesenhof ein und stellt die Fahrzeugflotte des Vereins. Der Vertrag läuft bis 2018. Auch Hannover 96 hatte sich das Sponsoring durch die VW-Nutzfahrzeugsparte erst kürzlich für drei weitere Jahre sichern können. In Hoffenheim blinkt der Schriftzug der Audi AG von den Werbebanden, der Autokonzern ist Business-Premium-Partner. Bei Borussia Mönchengladbach ist Audi Co-Sponsor. Auch bei Hertha BSC fährt man Audi und bietet dem Autokonzern ein entsprechendes Werbeumfeld. Beim 1. FC Nürnberg ist Audi offizieller Automobilpartner. Die VW-Tochter unterstützt auch die Stiftung  „ Der Hamburger Weg“ des HSV, der sich wie der BVB, Mönchengladbach, der FC Augsburg oder die Bayern in einem Mannschaftsbus der VW-Tochter MAN zu den Spielen bewegt. Eintracht Braunschweig schließlich stemmt einen Teil seines Etats mit dem Hauptsponsor Seat, der spanischen Volkswagen-Tochter. Darüber hinaus engagieren sich auch lokale VW-Großhändler wie die Tiemeyer-Gruppe beim MSV Duisburg oder dem VfL Bochum.
Das finanzielle Engagement des Auto-Konzerns reicht darüber hinaus bis tief in die Amateurklassen und in den Jugendsport hinein. Porsche fördert seit dieser Saison den Fußball-Nachwuchs der Stuttgarter Kickers. Auch an traditionellen VW-Produktionsstandorten müssen Regional- und Oberligisten um ihren Etat zittern wie Hessen Kassel oder der FSV Zwickau.

 


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